Jugendleiter

Die Deutsche Schützenjugend ist gemäß §§ 1 und 75 des Kinder- und Jugendhilfegesetzes (KJHG) anerkannter Träger der freien Jugendhilfe. Die Träger sind verpflichtet, fachliche und personelle Voraussetzungen zu schaffen und weiterzuentwickeln, um das Recht junger Menschen auf Förderung ihrer Entwicklung zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit zu gewährleisten. Im KJHG ist festgelegt, dass alle in der Jugendhilfe ehrenamtlich tätigen Personen bei ihrer Tätigkeit angeleitet, beraten und unterstützt werden. Um diesem Auftrag Nachdruck zu verleihen, haben die obersten Landesjugendbehörden eine bundeseinheitliche Card für Jugendleiter (Juleica) eingeführt, die als Nachweis der Berechtigung zur Inanspruchnahme der vorgesehenen Rechte (z. B. Freistellung von der Arbeit) und Vergünstigungen (z. B. Fahrpreisermäßigungen) dient. Der Inhaber soll das 16. Lebensjahr vollendet haben, über eine ausreichende praktische und theoretische Qualifikation für die Aufgabe als Jugendbetreuer verfügen und in der Lage sein, selbständig Aktivitäten mit Kindern und Jugendlichen zu gestalten.
Die nachfolgend beschriebene Qualifizierung zum Jugendleiter beinhaltet die Anforderungen, die von den jeweiligen Landesjugendbehörden für die Ausstellung einer 'Juleica' vorgegeben werden.

Handlungsfelder

Die Tätigkeit des Jugendleiters umfasst die Planung, Organisation und Durchführung von außersportlichen (z.B. kulturellen), sportartübergreifenden und in geringem Maße sportartspezifischen Angeboten für die Kinder- und Jugendarbeit in Schießsportvereinen. Außerdem fördern sie die Interessenvertretung und Beteiligung von Kindern und Jugendlichen in den Organisationsstrukturen der Vereine.
Die Jugendleiter sind pädagogisch tätig und tragen dazu bei, die Sporttreibenden in ihrer sportlichen, persönlichen und sozialen Entwicklung zu unterstützen sowie Selbstständigkeit, Teamfähigkeit und selbst bestimmtes Lernen des Einzelnen zu fördern.

Die Aufgaben eines Jugendleiters beinhalten nachfolgende Tätigkeitsfelder

Ein Jugendleiter . . .

  • organisiert und betreut sportartübergreifende und außersportliche Aktivitäten für Kinder und/oder Jugendliche im Sportverein
  • greift neue Trends und Ideen in der Sport- und Bewegungslandschaft auf und setzt sie in Vereinsangebote um
  • ist Ansprechpartner für die Kinder und Jugendlichen in Fragen des Vereinslebens
  • ist Ansprechpartner in Fragen der Vereinsjugendarbeit für Eltern und andere Engagierte
  • vermittelt zwischen den Interessen der Kinder/Jugendlichen und der Erwachsenen bzw. zwischen Jugendausschuss und Vereinsvorstand
  • fördert die Teilhabe und Eigenverantwortung von Kindern und Jugendlichen im Verein und übernimmt bzw. vermittelt „Patenschaften“ für engagierte Jugendliche
  • setzt sich für die Gewinnung und Bindung von jugendlichen Nachwuchsmitarbeitern ein und unterstützt und fördert deren Qualifizierung
  • ist zuständig für die finanzielle Absicherung und eine angemessene Materialausstattung der Kinder- und Jugendarbeit im Sportverein
  • übernimmt die jugendpolitische Vertretung der Vereinsjugendlichen auf sportlicher und kommunaler Ebene

Ziele der Ausbildung

Die Ausbildung zum Jugendleiter hat das Ziel, die Teilnehmenden für die Übernahme von Aufgaben im Bereich der außersportlichen, sportartübergreifenden und in geringem Maße sportartspezifischen Kinder- und Jugendarbeit zu qualifizieren. Die in der Ausbildung vermittelten Inhalte beziehen sich schwerpunktmäßig auf die Arbeit im Sportverein. Daneben dient die Qualifikation auch dem Engagement und der jugendpolitischen Interessenvertretung auf übergeordneten Ebenen. Hierzu zählen der organisierte Jugendsport und die unterschiedlichsten jugendpolitischen Kooperationsformen der Sportjugenden auf übergeordneten Ebenen.
Aufbauend auf den bei den Teilnehmenden bereits vorhandenen Vorstufenqualifikationen und Erfahrungen wird durch die aufgeführten Lernziele eine Weiterentwicklung folgender Kompetenzen angestrebt.

Persönliche und sozial-kommunikative Kompetenz

Der Jugendleiter:

  • hat die Fähigkeit, Kinder und Jugendliche zu motivieren und an den Sport zu binden
  • ist sich der Vorbildfunktion und der ethisch-moralischen Verantwortung für die Kinder und Jugendlichen bewusst
  • ist in der Lage, mit Unterschiedlichkeit in Gruppen (z. B. alters- und leistungsmäßige, geschlechtsspezifische, kulturell bedingte) sensibel umzugehen
  • kennt die Grundlagen der Kommunikation und ist in der Lage, Konflikte sachlich und konstruktiv zu lösen
  • kennt die Interessen und Erwartungen der Gruppenmitglieder und berücksichtigt diese bei der Angebotsplanung
  • fördert soziales Verhalten, Teamarbeit und Teilhabe in der Gruppe
  • hat die Fähigkeit zur Selbstreflexion

Fachkompetenz

Der Jugendleiter:

  • verfügt über pädagogische, sportfachliche und organisatorische Grundkenntnisse
  • kann außersportliche, sportartübergreifende und in geringem Maße sportartspezifische Vereinsaktivitäten inhaltlich und organisatorisch gestalten
  • kann unterschiedliche (Gruppen-) Situationen sachgerecht einschätzen und flexibel darauf reagieren
  • kann emotionale und motivationale Voraussetzungen der Gruppenmitglieder erkennen, einschätzen, rückmelden und ggf. beratend einwirken
  • kann die Bedeutung von Bewegung für eine gesunde Lebensführung vermitteln und zum regelmäßigen Sporttreiben motivieren
  • kennt die aktuellen Trends und Entwicklungen im Freizeit- und Breitensport und ist in der Lage, sie kritisch zu bewerten und für die eigene Zielgruppe nutzbar zu machen

Methoden- und Vermittlungskompetenz

Der Jugendleiter:

  • kennt verschiedene Methoden und Verfahren zur Planung, Organisation, Durchführung und Auswertung von Vereinsangeboten und ist in der Lage sie differenziert anzuwenden
  • ist in der Lage, Vereinsaktivitäten systematisch schriftlich zu planen, entsprechende Organisations- und Verlaufspläne zu erstellen und situationsabhängig zu variieren
  • kennt verschiedene Motivationsstrategien und Methoden der Beteiligung von Gruppenmitgliedern und kann sie situationsgerecht einsetzen
  • kennt verschiedene Methoden der Reflexion und kann diese sensibel und der Situation angemessen anwenden

Inhalte der Ausbildung

Die inhaltliche Gestaltung des Ausbildungsgangs orientiert sich an folgenden Aspekten:

Personen- und altersgruppenbezogene Inhalte

Im Rahmen der Lebens- und Bewegungswelt von Kindern und Jugendlichen beachtet der Jugendleiter folgende Erkenntnisse:

  • gesellschaftliche, jugend- und bewegungskulturelle Entwicklungen und ihre Konsequenzen für die Lebens- und Bewegungsumwelt von Kindern und Jugendlichen
  • kulturelle, milieu- und geschlechtsspezifische Sozialisationsbedingungen und ihre Auswirkungen auf Sport und Alltag
  • Bewegungsbiografien, Interessen und Erwartungen von Kindern und Jugendlichen
  • Bedeutung von Sport und Bewegung für die ganzheitliche Gesundheit von Kindern und Jugendlichen
  • Entwicklungsstufen von Kindern und Jugendlichen

In und mit Gruppen arbeiten

  • Weiterentwicklung persönlicher, sozial-kommunikativer, pädagogischer und interkultureller Kompetenzen
  • Grundlagen der Kommunikation, bewährte Verfahren im Umgang mit Konflikten und der Leitung von Gruppen
  • Leitungsstile und -verhalten
  • Gestaltung und Reflexion von Gruppensituationen, Umgang mit gruppendynamischen Aspekten und Verschiedenheit (Gender Mainstreaming/Diversity Management)
  • Vorbildfunktion und ethisch-moralische Verantwortung für die Gruppenmitglieder
  • Reflexion und Gestaltung der Beziehung zwischen Jugendleiter und Kindern und Jugendlichen
  • Förderung von Teamfähigkeit
  • Motivierung und Beteiligung, Kommunikations- und Kooperationsfähigkeit mit dem Ziel der längerfristigen Bindung

Rechtliche Grundlagen der Vereins- und Verbandsjugendarbeit

  • Kenntnisse von jugendrelevanten Themen aus Gesetzen und Ordnungen
  • Status von Personensorgeberechtigten und Erziehungsberechtigten
  • Freistellungsgesetze in der Jugendarbeit
  • Grundsätze zur Erfüllung der Sorgfalts-, Haftungs- und Aufsichtspflicht
  • Jugendschutzgesetz, Sexualstrafrecht, beschränkte Geschäftsfähigkeit („Taschengeldparagraf“)
  • Jugendrelevante Besonderheiten aus dem Waffengesetz
  • Versicherungen im Rahmen der Vereinstätigkeit

Vereinsangebote planen, organisieren und durchführen

  • Methoden der Planung, Organisation, Durchführung und Auswertung von außersportlichen, sportartübergreifenden und in geringem Maße sportartspezifischen Vereinsaktivitäten für und mit Kindern und Jugendlichen
  • Ideenfindung, Präsentation, Moderation und Reflexion im Sport mit Kindern und Jugendlichen
  • Möglichkeiten und Grenzen von Öffentlichkeitsarbeit und Werbung

Bewegungs- und sportpraxisbezogene Inhalte

Praxis der Bewegungs-, Spiel-, Sport- und Freizeitaktivitäten:

  • Wahrnehmung und Körpererfahrung
  • Große und Kleine Spiele, Grundlagen der Spielpädagogik und Spieldidaktik auch am Beispiel Sportschießen
  • Traditionelle Sportarten
  • Schießsport Disziplinen: LG/LP und Bogen
  • Freizeit-/Trend-/Abenteuer- und Erlebnissportarten
  • Zirkusspiele, kreative Bewegungskünste, Tanzen und Theater
  • Musisch-kulturell-kreative Aktivitäten wie z. B. Basteln, Bauen, Handwerken, Malen, kreatives Gestalten, Musik

Definitionen und Dimensionen von Sport, Bewegung und sportartübergreifender Jugendarbeit

  • Abgrenzung von Leistungs-, Breiten- und Freizeitsport
  • Vielfalt der Inhalte, Formen und Sinnorientierungen von Sport, Bewegung und Freizeit (z. B. Spiel, Bewegungslernen, Körpererfahrung, Naturerlebnis, Fitness, Gesundheit, Ästhetik, Kommunikation, Darstellung)
  • Verschiedene Facetten außersportlicher Jugendarbeit wie kulturelle, musische und jugendpolitische Angebote
  • Zeitgemäße und jugendgerechte Organisations-, Angebots- und Kooperationsformen

Vereins- und verbandsbezogene Inhalte

Teilhabe im Sportverein:

  • Strukturen und Aufgaben des organisierten Sports
  • Mitbestimmung, Mitgestaltung, Mitverantwortung und Selbstverantwortung von Kindern und Jugendlichen im Verein
  • Gewinnung, Beteiligung, Förderung und Qualifizierung von Mädchen/jungen Frauen und Jungen/jungen Männern für Leitungsfunktionen, jugendgemäße Engagementformen, Kooperations- und Unterstützungsmöglichkeiten im Verein, Gender Mainstreaming
  • Langfristige Bindung von jugendlichen Vereinsmitgliedern, Umgang mit Fluktuation und Drop-out
  • Integration und Teilhabe z. B. von behinderten Kindern und Jugendlichen, Kindern und Jugendlichen ausländischer Herkunft bzw. mit Migrationserfahrung/Diversity Management

Finanzierungsgrundlagen der Vereins- und Verbandsjugendarbeit

  • Jugend- und Sportförderung durch die Sportorganisationen und Kommunen
  • Finanzielle Eigenverantwortung und Eigenständigkeit der Jugendabteilung mit Verankerung eines selbst verantworteten Jugendetats in der Jugendordnung

Jugend - Sport - Gesellschaft - Umwelt

  • Individuelle und gesellschaftliche Bedeutung des Sports, persönliche Sportsozialisation, Bewegungsbiografien, Präferenzen und Motive des Sporttreibens
  • Kommerzialisierung des Sports, Entwicklung von Freizeit- und Abenteuersportkulturen, Bedeutung und Konsequenzen für den Vereinssport
  • Konfliktfeld Sport und Natur/Umwelt, natur- und umweltgerechtes Verhalten
  • Fairplay und ethisch-moralisch verantwortliches Verhalten, interkulturelle Konflikte, sexuelle Gewalt, Drogen- und Dopingproblematik im Freizeitsport
  • Gefährdungen im und durch Sport

Umsetzung der didaktisch/methodischen Grundprinzipien

Die Grundprinzipien Teilnehmerorientierung und Transparenz, Gender Mainstreaming und Diversity Management, Zielgruppenorientierung,
Erlebnis-/Erfahrungsorientierung, Handlungsorientierung, Prozessorientierung, Teamprinzip und Reflexion des Selbstverständnisses
sind von allen beteiligten Ausbildern bzw. Referenten dieses Ausbildungsganges entsprechend den Ausführungen in den Lehrmappen der einzelnen Ausbildungsgänge zu berücksichtigen.