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Bogenscheibe für das Deutsche Schützenmuseum

Bogenscheibe für das Deutsche Schützenmuseum

15.05.2013 – Die Olympiasammlung auf Schloss Callenberg ist um ein attraktives Objekt gewachsen: Helgret Ruff (Foto), Fernsehberichterstatterin vom Bogenschießen bei den Olympischen Spielen in München 1972, vermachte dem Deutschen Schützenmuseum die Originalzielscheibe des Goldmedaillengewinners John C. Williams.

Erstmals seit den Spielen von 1920 in Antwerpen zählte das Bogenschießen in München wieder zum olympischen Programm. Die Wettkampfstätte auf der Werneckwiese im Englischen Garten ging als die als schönste Arena, in der jemals ein internationales Bogenturnier ausgetragen wurde, in die Sport- und Olympiageschichte ein. Olympiasieger mit mehreren Weltrekorden im Lauf der beiden FITA-Runden wurde der erst 18 Jahre alte Amerikaner John C. Williams. Direkt nach Abschluss des olympischen Wettkampfes konnte Helgret Ruff die Auflage der Siegerscheibe sichern.

Wer sich ein bisschen für Sport- und Bogenschießen interessiert, kennt Helgret Ruff. Seit den 70er Jahren und bis zu ihrem Eintritt in den Ruhestand 2008 hat sie von unzähligen Deutschen Meisterschaften aus Hochbrück und von internationalen Schießsportereignissen für das BR-Fernsehen berichtet.

Zwischen Seoul 1988 und Sydney 2000 war sie im Auftrag des Bayerischen Rundfunks für die Übertragungen der olympischen Schießentscheidungen zuständig. Am liebsten erinnert sie sich an das packende Finale im Bogenmannschaftswettbewerb der Frauen 1996 in Atlanta, als die deutschen Damen Silber gewannen und die Übertragung aufgrund der Zeitverschiebung zur besten Sendezeit gleich nach der Tagesschau lief. Oder an den Gewinn der Silbermedaille durch Silvia Sperber-Seiderer in Seoul 1988 mit dem Luftgewehr, als sie die Schützin von der Siegerehrung direkt zum Interview ins Studio „entführte“. Die offizielle Pressekonferenz musste leider ohne die Silbermedaillengewinnerin auskommen.

Der Einsatz bei den Olympischen Spielen 1972 stand am Anfang ihrer Karriere als Sportjournalistin. Sie arbeitete für das Deutsche Olympiazentrum (DOZ), einem Zweckverband von ARD und ZDF zur weltweiten Rundfunk- und Fernsehübertragung der Spiele. Helgret Ruff war für die Herstellung kurzer Tages- und Entscheidungszusammenfassungen dreier Sportarten zuständig: Hockey, Schwimmen und eben Bogenschießen. Die „Summaries“ waren in erster Linie für Nationen gedacht, die sich keine eigenen Kamerateams leisten konnten und nicht an die Direktübertragungen angeschlossen waren.

Das Aktualitätsgebot und die Dichte der Ereignisse setzten natürlich gute Vorbereitung voraus. Zwischen dem Geschehen und dem fertigen Bericht lagen Schritte, an die man sich im digitalen Zeitalter nur noch vage erinnert: Filme mussten in die Zentrale transportiert, dort entwickelt, kopiert und geschnitten werden. Am Schluss stand ein Kommentar in drei Sprachen. Und das von mehreren Ereignissen und unterschiedlichen Sportstätten, bevor man schon wieder an den nächsten Tag denken musste.

Auf der anderen Seite lief aber auch alles viel entspannter ab, erzählt Helgret Ruff. „Das ganze Geschehen war nicht so abgeschottet, wie das heute der Fall ist. Es gab keine Security und keine Mixed Zone, in der die Journalisten zu warten hatten, bis die Sportler vom einen zum nächsten gereicht wurden.“

Nur so konnten 1972 im Englischen Garten sie und ihre Kollegen unmittelbar nach den letzten Pfeilen auf die Schießbahn gehen und ihre Arbeit machen. „Ich habe den Olympiasieger einfach gefragt, ob ich seine Scheibe haben könnte, möglichst mit Unterschrift“, erzählt Helgret Huff, „und als der junge John C. Williams sein Autogramm auf die Auflage geschrieben hatte, drehte er sich herum und widmete sich dem nächsten.“

Über 40 Jahre lag das rund 1,30 mal 1,30 Meter messende Zieltuch in ihrer Münchener Wohnung. „Ich finde, es ist jetzt Zeit, dass sich auch andere dieses eindrucksvolle Stück Sportgeschichte ansehen können“, sagt Helgret Ruff, und genau das wird in absehbarer Zeit im Bereich Bogenschießen des Deutschen Schützenmuseums auf Schloss Callenberg Coburg möglich sein.

Beitrag und Foto: Stefan Grus