Weltcup

Weltcup München: Spielt der Heimvorteil eine Rolle?

Weltcup München: Spielt der Heimvorteil eine Rolle?

07.05.2018 – Einmal im Jahr genießen die deutschen Schützinnen und Schützen Heimrecht! Nämlich dann, wenn auf der olympischen Schießanlage in München Garching der Weltcup ausgetragen wird. So auch 2018, wenn vom 23. bis 29. Mai um die besten Ergebnisse geschossen wird. „Zu Hause ist es am schönsten“, sagt ein altes Sprichwort. Doch beflügelt dieser „Heimvorteil“ wirklich, oder spielen Zuschauer, Medien und Erwartungsdruck eine größere Rolle, wenn es darum geht, seine Spitzenleistung „zu Hause“ abzurufen? Wir haben uns unter den Sportlerinnen und Sportlern sowie deren Trainern umgehört.

Jolyn Beer, Gewehrschützin: „Also ich für meinen Teil sehe in München keinen Heimvorteil. Natürlich haben wir etliche Male öfter dort trainiert als der Rest der Welt, aber gerade in München wird immer ein brutal hohes Niveau geschossen. Das macht es meiner Meinung nach, in Kombination mit der Erwartungshaltung "Heimweltcup", doppelt so schwer.“

Maxi Dallinger, Gewehrschütze: „Der Stand an sich bietet nicht wirklich einen Heimvorteil. Wenn so etwas überhaupt der Fall wäre, dann im KK-Stand, aber da wir in München keine außerordentlich speziellen Windverhältnisse haben, auf die man sich gezielt vorbereiten müsste, ist das auch nicht der Fall. Und die Sportler der anderen Nationen kennen den Stand zum größten Teil ähnlich gut wie wir, da er ja jedes Jahr für H&N-Cup und Weltcup genutzt wird. Der einzig größere Vorteil, den München für uns bietet, ist der kurze Anreiseweg.“

Christian Reitz, Pistolenschütze: „Ein ganz klares Jein. Wenn man einen Stand kennt, kann das schon ein Vorteil sein, aber es kann auch sein, dass wenn man den Stand kennt und ihn nicht mag, man schon mit einem ‚schlechteren‘ Gefühl ran geht. München hat seine Tücken und ist nicht unbedingt einer der einfachsten Stände, aber man kann sich darauf einstellen, da man weiß, was auf einen zukommt.“

Detlef Glenz, Bundestrainer Schnellfeuerpistole: „Einen ‚Heimvorteil‘ sehe ich für meine Schnellfeuerpistolen-Schützen nicht, da wir nur äußerst selten in München schießen (oft nur WC und DM). Sowohl der Qualifikations- als auch der Final-Stand bieten schwierige Lichtbedingungen, aber das gilt für alle Schützen im gleichen Maße. Einen Vorteil sehe ich lediglich in der kürzere Anreise meiner Sportler – ganz im Gegensatz zu Korea.“

Jan-Erik Aeply, Bundestrainer Pistole: „Einen Heimvorteil sehe ich nicht, denn dafür ist der Stand nicht besonders schwierig. Außerdem haben die ausländischen Spitzenschützen x-Mal in Hochbrück geschossen. Eher ist der Heimstress oft blockierend.“

Claus-Dieter Roth, Bundestrainer Gewehr: „Nein, ich denke nicht, dass es einen gibt. Wir sind ja nicht im Fußball, wo die Schlachtenbummler durch Fangesänge aufmerksam machen. Wenn jemand im Finale ist, sind die Fans natürlich auf der deutschen Seite, aber da muss man auch erst einmal reinkommen. Und das ist mein Grundziel für jeden Weltcup, dass Leute ins Finale kommen und dann ist alles offen.“

Während für die Gewehr- und Pistolenschützen ein Weltcup in Deutschland stattfindet, gehen die Flintenschützen leer aus. Schützin Katrin Quooß und Flinten-Bundestrainer Uwe Möller sehen das nicht unbedingt als Nachteil:

Katrin Quooß, Flintenschützin: „Heimvorteil ist eher nicht so mein Ding, denn der Druck ist noch höher als sonst! Und die Voraussetzung, dass man treffen müsste, weil man den Stand kennt, ist auch automatisch da. Benachteiligt sind wir an Auslandsstandorten höchstens durch den größeren Aufwand, den wir durch An- und Abreisen haben.“

Uwe Möller, Bundestrainer Flinte: „In absehbarer Zeit werden keine Flintenweltcups in Deutschland stattfinden, d.h. für den Zeitraum bis mindestens 2020. Natürlich bietet ein Heimweltcup gewisse Vorteile. Erstens kennt man die Anlage von vielen Wettkämpfen her sowie von vielen Trainingseinheiten. Zweitens kennt man die Eigenheiten des Schießstandes (Hintergrund, Haltepunkte, Maschinentechnik etc.). Außerdem schießt man durch früher erreichte sehr gute Ergebnisse gerne auf dieser Anlage  – das ist die eine Seite der Medaille. Die andere Seite ist der hohe Erwartungsdruck durch Medien, durch Funktionäre, durch Freunde, Familienmitglieder – alle sind beim Heimweltcup vor Ort und wollen hautnah erleben, wie der Sportler hier leistungsmäßig alle anderen Athleten „unterpflügt“, weil er ja Heimvorteil hat! Einige können damit umgehen, andere nicht. Das beste Beispiel war die WM 2010 in München, da gelang es speziell in Bereich Wurfscheibe niemanden aus dem deutschen Team, den Heimvorteil in Medaillen umzumünzen. Daher ist es im Vorfeld wichtig, den Sportler so auszurichten, dass er sich auf seine Stärken konzentriert und versucht, seine sportliche Technik im Wettkampf umzusetzen und den Heimvorteil – soweit es geht – auszublenden. Der Trainer hat hier auch eine große Verantwortung, denn er muss seine Sportler möglichst so abschirmen, dass sie sich auf das Erreichen ihrer Leistung konzentrieren können!“

Fazit: Es wird deutlich, dass im Schießsport der Heimvorteil offenbar keine so große Rolle spielt, wie es z.B. im Fußball der Fall ist. Im Gegenteil, manche Protagonisten empfinden eher eine hemmende Wirkung. Doch wer in der Weltspitze ankommen will, der muss lernen mit der Situation Heimweltcup umzugehen und seine eigene Erfolgsstrategie kreieren. Es wird spannend werden, wem dies am besten gelingt!