Weltmeisterschaften

WM in Changwon: Titelverteidigerin Quooß: "Ich sehe mich weder als Gejagte noch als Jäger!"

WM in Changwon: Titelverteidigerin Quooß: "Ich sehe mich weder als Gejagte noch als Jäger!"

04.09.2018 – Trap-Schützin Katrin Quooß ist die einzige DSB-Athletin, die in Changwon bei der WM als Titelverteidigerin in einer olympischen Disziplin antritt. Im Interview äußert sich die 31-jährige Sportsoldatin zum größten Triumph ihrer Karriere und gibt natürlich auch einen Ausblick auf die WM in Korea.

Erinnerst du dich noch an deinen Wettkampf bei der WM 2014?

Quooß (lacht): „Ja!“

Erzähl, wie war´s?

Quooß: „Erst einmal war es ein Tag wie jeder andere. Die Qualifikation lief gut, dann war ich im Finale. Und da habe ich Uwe (Bundestrainer Uwe Möller, Anm. d. Red.) gefragt, wie viele Quotenplätze es für Rio gibt? Zwei, sagte er! Wir waren mit Jana (Beckmann, Anm. d. Red.) und mir zu zweit im Finale. Jana schied dann als Vierte aus, meine Finalrunde war sehr gut, 15 voll. Das hieß, mit Fatima (ESP) um Gold zu schießen. Dann waren noch vier oder fünf Scheiben, da hat sie einen Fehler geschossen, und da habe ich mir gesagt: Jetzt musst du sie in den Sack stecken, jetzt holst du sie dir!“

Die Quote war also mehr im Hintergrund als die Medaille?

Quooß: „Nee, gar nicht. Aber das war nochmals so ein Anreiz. Und dafür, dass ich in dem Jahr gar nicht so viele Sachen mitmachen wollte, war das ein zusätzlicher Ansporn.“

War das dein bester Wettkampf in deiner Karriere?

Quooß: „Vom Ergebnis her, von der Medaille, natürlich. Mein bester Wettkampf war beim Weltcup in Maribor 2011 mit 74 von 75 Scheiben.“

In der Qualifikation warst du auch schon stark, hattest 73 von 75 Scheiben getroffen. Hast du vom ersten Schuss an gemerkt, da geht was? Oder wann merkt man, dass man in einem „Flow“ ist?

Quooß: „Das ist komisch zu erklären. Der Tag hat eigentlich normal angefangen, aber wenn ich ihn Revue passieren lasse, dann eher nach dem Motto: Du mein Gott, was das wohl heute wird? Das war vielleicht schon der ausschlaggebende Punkt, dass sie mir die Dinger wohl auch hochkant hätten schmeißen können, die hätte ich vom Himmel geholt. Ich war tiefenentspannt, gut drauf, war später angereist, weil ich zu dem Zeitpunkt einen Säugling zu Hause hatte. Ich bin also nach der Devise hin: hinfahren, schießen und wieder zurück. Das ich mit der Goldmedaille nach Hause komme, damit habe ich überhaupt nicht gerechnet.“

D.h. die neuen Familienverhältnisse haben sich positiv ausgewirkt?

Quooß: „Ja, absolut. Ich hatte den Modus „nach mir die Sintflut!“

Beim Weltcup in Changwon in diesem Jahr auf der WM-Anlage hast du wegen einer „schwachen“ 20 zum Abschluss um eine Scheibe das Finale der besten sechs Schützinnen verpasst. Wie war das rückblickend?

Quooß: „Wir sind ja alle des Rechnens mächtig. Für mich war es der erste Wettkampf mit 125 Scheiben. Und das durchzustehen, nach hinten raus mit dem Kopf ist schon eine Nummer, die man erst einmal verarbeiten muss. Es waren am Ende dumme Fehler, die nicht hätten passieren dürfen. Am Ende war es Platz acht, was die Grundlage für alle weiteren Wettkämpfe war.“

Die vier Serien davor waren ja sehr gut, dir scheint die Anlage zu liegen. Was zeichnet die völlig neu erstellte Anlage aus?

Quooß: „Die Anlage ist relativ natürlich gehalten. Sie hat zwar einen Wall, sie hat aber auch Bäume und man kann die Geschwindigkeiten gut abschätzen. Die Tauben gehen gut kaputt, die Munition war von dem Hersteller, mit der ich auch schieße.“

Mit was für einem Gefühl reist du zur WM auf diesen Stand?

Quooß: „Das kann ich gar nicht sagen, ich habe kein Gefühl und lasse mich überraschen.“

Siehst du dich als Gejagte, weil Titelverteidigerin, oder als Herausforderin, weil in diesem Jahr andere noch besser waren?

Quooß: „Das ist ein gutes Mittelmaß. Jeder Wettkampf wird aufs Neue gestartet, in jedem Wettkampf gibt es Überraschungen. Ich sehe mich weder als Gejagte noch als Jäger. Hinfahren, schießen, gucken!“

Die Weltcup-Plätze Platz acht in Changwon/Korea, zwei in Siggiewi/Malta und sieben in Tucson/USA sowie Platz 18 bei der EM in Leobersdorf/Österreich sprechen für eine Konstanz. Wie zufrieden bist du mit der bisherigen Saison?

Quooß: „Ja, geht schon, aber es ist noch Luft nach oben. Die WM wäre dafür der richtige Wettkampf.“

Dagegen läuft es im Mixed überhaupt noch nicht. Woran liegt das?

Quooß: „Mixed ist immer so eine Sache. Du stehst nicht alleine für dich auf der Platte, du trägst die Verantwortung für den anderen mit. Wenn Andi (Andreas Löw, Anm. d. Red.) einen guten Rhythmus an den Tag legt, dann kann ich sofort mitmachen. Wenn es aber zu Beginn gleich etwas klemmt und der Rhythmus nicht einsetzt, dann machen wir uns Beide das Leben ungewollt und unbewusst schwer. Im Training funktioniert das eigentlich sehr gut, aber ein Wettkampf ist natürlich etwas anderes.“

D.h. der Druck im Mixed ist höher als im Einzel!

Quooß: „Ja, definitiv! Wenn du Bockmist macht, ärgert der andere sich und lässt etwas fliegen. Wir sind alles nur Menschen und man kann es nicht abschalten, dass man es nicht mitbekommt. In Amerika hatten wir z.B. eine grottenschlechte erste Runde, dann hatten wir eine „Leck mich am A…“-Phase und dann lief es. Kämpfen, das ist eine Sache, die uns beide stark macht, und wir müssen es beide schaffen, besser abschalten zu können.“

Neben WM-Medaillen geht es in Changwon auch um die ersten Quotenplätze für Tokio 2020. Ist das im Hinterkopf?

Quooß: „Nein, noch nicht. Erst wahrscheinlich mit dem Mixed. Das Einzel will ich gut über die Runde kriegen und noch eine Schippe drauflegen.“

Für Rio 2016 und London 2012 hattest du für den Quotenplatz gesorgt, die interne Qualifikation dann jedoch jeweils nicht geschafft. Wie bitter war das?

Quooß: „Sehr bitter! Das war eine Entscheidung, die im Vorfeld festgelegt wurde. Da habe ich versucht, mich damit zu arrangieren. Das heißt: Neuangriff!“

Was ist in Changwon dein Ziel?

Quooß: „Gut aus dem Wettkampf herauszukommen – in beiden Disziplinen.“