Weltmeisterschaften

WM in Changwon: "Beerenstark"

WM in Changwon: "Beerenstark"

06.09.2018 – Jolyn Beer (24) gehört zu den stärksten Kleinkaliber-Schützinnen der Welt. Bei den Weltmeisterschaften in Changwon will sie die nächste Hürde auf dem Weg nach Tokio meistern.

Ihr Markenzeichen ist ihre schwarze Kappe. Darauf steht fett: „One Team, one Dream.“ Ja, Jolyn Beer verfolgt ihren Traum einer Olympiamedaille – konzentrierter und härter als jemals zuvor. Sie will die deutsche Hymne hören, die alleine für sie bei der Siegerehrung gespielt wird. Das sei für die 24-Jährige nämlich „eines der schönsten Erlebnisse im Sport“. Schließlich will sich die Spitzenschützin für ihre harte Arbeit belohnen – am besten bei der Weltmeisterschaft in Changwon, bei der sie im Kleinkaliber-Dreistellungskampf an den Start geht. Schon mehrmals schaffte sie es in diesem Jahr bei Weltcups ins Finale der besten Acht, reist als Weltranglisten-Vierte zu den Weltmeisterschaften nach Korea. Seit die Hannoveranerin zur Sportfördergruppe der Bundeswehr gewechselt ist, um noch mehr und effektiver trainieren zu können, ordnet sie dem Sport alles unter. Obwohl sie sich selbst eher als „faul, bequem und entspannt“ beschreibt, verfolgt sie zielstrebig ihren Plan.

Mentale Stärke als Erfolgsrezept

Einer, der ihr hilft, ihren Plan umzusetzen, ist Heimtrainer Christian Pinno. Er erzählt, was die Sportsoldatin in diesem Jahr so "beerenstark" macht: „Jolyn ist in den letzten Jahren gereift. Sie ist mental stärker als jemals zuvor.“ Seit zehn Jahren trainieren die beiden zusammen, stehen bis zu viermal die Woche gemeinsam am Schießstand. Da fliegen schon einmal die Fetzen, aber beide kennen einander in und auswendig und harmonieren schlussendlich als Team. „Wir haben aus ihren Niederlagen immer gute Rückschlüsse gezogen“, erklärt ihr Trainer den Aufschwung seines Schützlings. Bei den Europameisterschaften 2013 in Osijek vergaß die Sportlerin beispielsweise im KK-3x20-Finale etwas an ihrem Gewehr umzubauen und landete am Ende auf einen für sie enttäuschenden siebten Platz. „Das war meine bitterste Niederlage. Seitdem habe ich meinen ganzen Ablauf optimiert und prüfe alles dreimal“, reflektiert Beer.

Beer geht über ihre Grenzen hinaus

Die Bereitschaft, sich zu quälen, immer an oder sogar über ihre Grenzen zu gehen, zeichnet Beer aus. Da wird schon öfter einmal auf der Kniendrolle trainiert „bis der Fuß tot ist“, erzählt die Hannoveranerin. Pinno hingegen lobt vor allem eines: „Jolyn hat eine unheimlich realistische Selbstreflektion.“ Dadurch könne sie immer ganz sachlich ihre Leistung einordnen – auch nach einem schlechten Wettkampf. Wäre früher noch ein Handschuh in die Ecke geflogen, wird heute sachlich mit dem Trainer analysiert. An manchen Tagen habe sie noch mit ihrer Nervosität zu kämpfen, aber „auszusehen wie die Ruhe selbst und einen Puls von 1000 zu haben“, genau das fasziniere die Sportlerin am Schießsport. Es ist am Ende ihr Kampfeswille, der sie immer wieder zu neuen Höchstleistungen bringt, sie so "beerenstark" macht und in die Weltspitze katapultiert. Beer selbst beschreibt ihren Weg dorthin ganz einfach: „Von null auf hundert.“