Weltmeisterschaften

WM in Changwon: DSB-Schützen verfehlen Finals

WM in Changwon: DSB-Schützen verfehlen Finals

06.09.2018 – Es hätte ein guter und erfolgreicher Tag für die deutschen Schützinnen und Schützen bei der WM in Changwon/Korea werden sollen, doch es wurde ein bitterer: Mit Christian Reitz (Luftpistole) und Katrin Quooß (Trap) verfehlten zwei Trumpfasse des DSB die Finals und somit die Chance, Medaillen und Quotenplätze für Tokio 2020 zu gewinnen. Und so kamen die Lichtblicke dieses Mal aus dem Lager der Junioren mit Silber für Kris Großheim (Laufende Scheibe) und Platz acht für Robin Walter (Luftpistole).

Trap: Titelverteidigerin Quooß fehlt eine Scheibe

Der Frust saß bei allen Beteiligten tief: Titelverteidigerin Katrin Quooß konnte ihre glänzende Ausgangslage mit Platz zwei nach dem ersten Tag nicht ins Ziel, sprich ins Finale der besten sechs Schützinnen, bringen. Zwei 22-er Runde schoss sie am zweiten Tag, zu wenig: „Es waren dumme Fehler, aber ich ch habe den Rhythmus vom Vortag nicht so gefunden. Ich hatte eigentlich ein gutes Gefühl vom Kopf und vom Gefühl her, besser als beim Weltcup hier vor ein paar Monaten“, sagte Quooß in ihrer ersten Reaktion. Mit 115 Treffern landete sie letztlich auf Rang neun, der letzte Fehlschuss bei Scheibe 121 war ausschlaggebend. Dass die Trap-Schützen zum wiederholten Mal ein Finale nur um eine Scheibe verfehlten, kommentierte Quooß ironisch: „Wenn wir nichts können, das können wir!“

Auch Bundestrainer Uwe Möller war geknickt: „Schade! Sie hatte die Finalchance, aber zweimal 22 waren zu wenig heute, zweimal 23 hätten gereicht. Platz neun ist nicht schlecht, aber hilft uns nicht weiter. Wir wollen Quotenplätze haben, dafür muss man ins Finale kommen.“ Sonja Scheibl (57. Platz, 100 Treffer) und Sarah Bindrich (68. Platz, 95 Treffer) hatten mit der Finalentscheidung gar nichts zu tun, kämpften mehr mit sich selbst. Vor allem bei Routinier Scheibl ging am zweiten Tag gar nichts, wie sie selbst zugestand: „Ich habe alles versucht, nichts hat funktioniert!“ Möller meinte: „Die beiden anderen Mädels haben gekämpft. Bei Sonja ging gar nichts. Sie hat angefangen zu probieren, schnelle und langsame Annahme, länger ziehen, Tempo machen – alles, was das große Besteck hergibt. Sarah hat heute phasenweise eine gute Leistung gezeigt, aber insgesamt war das zu wenig.“

Eine Chance bleibt dem Trap-Team noch, im Mixed mit den Teams Katrin Quooß/Andreas Löw und Sonja Scheibl/Paul Pigorsch. „Es wird extrem schwer, die Konkurrenz ist sehr stark“, sagt Möller. „Neuangriff, dann schauen wir mal“, sagt Quooß.

Luftpistole Männer: Reitz deutlich unter Normalleistung

Der Jahres-Durchschnitt von Christian Reitz mit der Luftpistole liegt bei ungefähr 585 Ringen. Damit hätte der Schnellfeuerpistolen-Olympiasieger locker das Finale erreicht. Doch beim „Mr. Zuverlässig“ des DSB klappte es am 6. September nicht. 573 Ringe und Platz 50 standen am Ende in den Ergebnislisten: „Das Ergebnis ist deutlich zu wenig. Von Anfang bis Ende habe ich alles versucht, aber sie wollten einfach nicht reinfliegen. Klar waren auch ein paar Neuner dabei, die ich verdient habe. Aber es waren zahlreiche Schüsse dabei, die am Ende 9,9 und keine Zehn waren. Der letzte Schuss war eine 9,9 – irgendwie symptomatisch“, so Reitz. Disziplintrainer Jan-Erik Aeply führte Buch: Zehn 9,9er und drei 9,8er – es geht im Luftpistolen-Sport um Millimeter, und die waren heute gegen Reitz: „Das ist sicherlich zehn Ringe unter dem, was da hätte stehen können und sollen. Vom Ergebnis bin ich natürlich enttäuscht, von der Arbeitsweise war es nicht verkehrt. Ich habe schon technisch deutlich schlechtere Wettkämpe gehabt, die am Ende höhere Ergebnisse erzielten. Der Anfang war ein bisschen holprig, aber danach war das Gefühl da, jetzt weiß ich, wo die Zehn ist. Aber die war heute wohl ein bisschen kleiner als sonst“, konnte sich der 30-Jährige das Ergebnis nicht ganz erklären.

Und so war Michael Schwald bester Deutscher des Trios: Mit 576 Ringen landete er nach einem schwierigen Start auf Platz 31, weil er sich am Ende gewaltig steigerte und mit 98 und 99 ausschoss: „Nach der dritten Serie habe ich einen Cut gemacht, und dann habe ich sauber meine Technik durchgezogen. Das hat gut funktioniert. Ich habe bei der WM gesehen, wie es geht, meine Nervosität wird immer weniger. Es hat Spaß gemacht und ich bin optimistisch für die Zukunft.“ Michael Heise als 53. (572 Ringe) komplettierte das Ergebnis, was das Trio auf Rang neun in der Teamwertung brachte.

3x40 Kleinkaliber Männer: Brodmeier und Link souverän

Mit Daniel Brodmeier, André Link und Maximilian Wolf ging ein deutsches Männer-Trio im olympischen 3x40-Wettbewerb mit dem Kleinkaliber-Gewehr an den Start. Brodmeier und Link schafften in der „Elemination“, die aufgrund der hohen Starterzahl von Nöten war, mit 1171 bzw. 1170 Ringen den Sprung in den morgigen Wettkampf, die 1160 Ringe von Wolf reichten dagegen nicht. „Ich bin weiter, das Klassenziel ist erreicht“, gab Brodmeier zu Protokoll. Und das, obwohl er mit Schulterproblemen zu kämpfen hatte: „Ich habe im Liegendanschlag die Position etwas verändert, das hat sich negativ auf den Nacken ausgewirkt.“ Die Probleme sollen mit der ärztlichen Abteilung in den Griff bekommen werden, dann sind Brodmeier und Link gefordert. Für den eigentlichen Wettkampf „gibt es noch überall Luft nach oben. Im Kniend-Anschlag waren heute in der ersten Serie schon drei, vier Ringe weg, das darf morgen nicht passieren. Ich gehe davon aus, dass man ca. 1178 Ringe braucht, um sich in das Finale zu schießen“, so der Olympia-Vierte von Rio in dieser Disziplin. In der Teamwertung belegten die DSB-Männer Rang zwölf.

JuniorInnen: Großheim holt Silber, Walter Platz acht

Wenn es die „Erfahrenen“ im Team nicht richten, dann ist die Jugend gefordert. Und die lieferte heute, namentlich Kris Großheim und Robin Walter. Großheim gewann im zweiten Shoot-off die Silbermedaille im 50m Mixed-Wettbewerb auf die Laufende Scheibe. Im entscheidenden Duell bezwang er den Schweden Bergstroem mit zwei Zehnern. Der Griff nach dem möglichen Gold misslang, weil im ersten Shoot-off der Ukrainer Danilenko nicht zu schlagen war. Dass es der 19-jährige Frankfurter überhaupt in das Shoot-off schaffte, hatte er seiner Nervenstärke und gewaltigen Leistungssteigerung zu verdanken: Denn jeweils schwächeren Auftaktserien mit 95 bzw. 92 Ringen, ließ er jeweils ganz starke mit 99 bzw. 100 folgen: „Ich hatte einige Tiefen, mich dann aber zusammen gerissen und eine exzellente Leistung gebracht“, beschrieb Großheim den ersten Teil des Wettkampfes, bei dem die Ziele im Zufallsprinzip langsam und schnell an ihm vorbeiziehen. „Heute bin ich sehr zufrieden, das war eine super Leistung. Eins meiner Ziele habe ich jetzt schon erreicht“, schloss der Schüler ab, der nun noch in den Wettbewerben mit dem Luftgewehr auf die Laufende Scheibe schießt.

Robin Walter zeigte einen exzellenten Qualifikations-Wettkampf mit der Luftpistole. 580 Ringe führten ihn nahe an seine persönliche Bestleistung und in das Finale der besten acht Junioren: „Das Vorkampfergebnis konnte ich nicht so erwarten, das war absolut zufriedenstellend!“ Dort machte er - wie am gestrigen Tag Vanessa Seeger - die Erfahrung, dass ein Finale ein eigener Wettkampf ist: „Man ist angespannter, wackeliger, der Anschlag ist ganz anders“, beschreibt der Junior die Gefühlslage. Und die Qualität ist hoch: Walter begann mit einer guten 9,7, war aber Letzter, weil alle anderen eine 10 vor dem Komma hatten. Der für die SGI Ebersbach startende Walter schoss die erste Serie bravourös mit 50,4 Ringen war er Sechster. Dann aber fiel er zurück, auch, „weil ich im Finale Probleme mit meiner Griffspannung hatte. Die Stabilität und Spannung vom Griff war nicht perfekt, und im Finale vergrößert sich das Problem.“ Zwei Achter und eine Siebener-Wertung waren auf diesem Niveau nicht mehr auszugleichen: „Natürlich bin ich etwas traurig, Letzter im Finale geworden zu sein. Aber eigentlich bin ich zufrieden. Und im nächsten Finale hoffe ich, besser zu schießen.“ Bundestrainerin Barbara Georgi lobte ihren Schützling: „Ich freue mich sehr, dass es Robin bei einem großen internationalen Wettkampf endlich geschafft hat, seine Leistungsfähigkeit zu zeigen und auf die Scheibe zu bringen. Und das Finale üben wir noch!“

Auch die beiden anderen deutschen Starter, Jan Luca Karstedt und Jonathan Mader, zeigten ansprechende Leistungen. Karstedt hatte zwei schwächere Serien (92, 93) und schoss ansonsten sehr konstant. Am Ende wies er 567 Ringe (Platz 26) auf. „Bei seiner ersten WM überhaupt hat er ein gutes Ergebnis gezeigt, und er kann hoffnungsvoll sein, dass er bei den Youth Olympic Games auch eine gute Leistung zeigt“, so Georgi. Mader fiel in den letzten drei Serien etwas ab und verbaute sich ein noch besseres Ergebnis als die 563 Ringe (Platz 37) durch eine sechs. In der Teamwertung verpasste das Trio als Vierter die Bronzemedaille um ganze zwei Ringe. Georgi: „Schade, dass es mit einer Medaille nicht geklappt hat, das hätte ich mir sehr für die drei Jungs gewünscht.“

Beim Trap zeigte Jeremy Schulz im Verlaufe des Wettkampfes eine enorme Leistungssteigerung. Nach schwachen 19 Treffern zu Beginn ließ er am ersten Tag zwei 22-er folgen. Am zweiten Tag lief es noch besser – 23 und 24 Treffer konnten verbucht werden, was am Ende 110 Scheiben und Platz 26 bedeutete. Im Mixed tritt er nun mit Kathrin Murche am 8. September an, und es wäre schön, wenn er an die zuletzt gezeigten Leistungen anknüpfen könnte.