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DSB-Themenwoche: Die Bedeutung positiven Denkens im Sport

22.02.2021 08:25

Wenn wir denken, warum nicht gleich positiv? Positive Gedanken verleihen Energie, stärken das Selbstbewusstsein und verhelfen so auch Sportlern zu mentaler Stabilität. Doch gibt es wie immer zwei Seiten der Medaille.

Bild: DSB / Spitzensportler wie Michelle Kroppen und Katharina Bauer scheitern in ihrer Sportkarriere öfter als dass sie gewinnen - und trotzdem bleiben sie positiv.
Bild: DSB / Spitzensportler wie Michelle Kroppen und Katharina Bauer scheitern in ihrer Sportkarriere öfter als dass sie gewinnen - und trotzdem bleiben sie positiv.

Positives Denken bedeutet nicht, sich alles schön zu reden, sondern vielmehr, seine Gedanken bewusst zu lenken. Statt sich auf Probleme und Mängel zu konzentrieren, wird der Fokus auf Chancen und Möglichkeiten gelenkt. Olympionike Daniel Brodmeier brachte es zum Abschluss seiner Sportkarriere auf den Punkt: „Ich habe in meinem Leben als Sportler öfter verloren als gewonnen.“ Trotzdem hat er seinen Sport geliebt! Hätte er nicht die Kraft der positiven Gedanken in Leistungsfähigkeit umgewandelt, wäre Brodmeier wohl nie so weit gekommen und hätte schon längst vorher aufgegeben.

Positiv denken heißt also, sich mehr zuzutrauen, an sich und die eigenen Ideen und die Zukunft zu glauben und so tatsächlich auch mehr zu schaffen. Optimismus fördert damit die mentale und körperliche Gesundheit. Auch Oliver Kahn nutzte bereits als Kind die Kraft der positiven Gedanken. Oft trainierte er alleine am Trainingsplatz neben dem großen Stadion. Aber vor allem dann, wenn dort gespielt wurde, denn er stellte sich vor, der Applaus von nebenan sei sein Applaus. Er wollte ihn. Für sich. Für seine Leistung. Und bekam ihn später als einer der erfolgreichsten Fußballer der Welt von Millionen von Menschen. Vielleicht auch, weil er von klein auf seine Gedanken darauf fokussiert hatte. Und nach den Erzählungen der Mutter von Biathlon-Star Magdalena Neuner, probte diese schon im Kleinkindalter die Siegerehrung in ihrem Kinderbett. Später stand sie nicht nur einmal ganz oben.

Ein positives Mindset bedeutet automatisch mehr Energie.

Julia Hochmuth, Nationalkaderathletin

Aber natürlich haben Sportler ebenso negative Gedanken, doch sie gehen meist anders damit um. „Zu denken, man müsse immer positiv denken, kann unheimlich viel Stress erzeugen“, weiß Pistolenschützin Julia Hochmuth und erklärt, wie man am besten damit umgeht: „Negative Gedanken und Gefühle zuzulassen und zu akzeptieren, ist ein weiterer Schlüssel für Erfolg und steht dem Ansatz des positiven Denkens in keinem Fall entgegen.“ Sie selbst hat darüber im vergangenen Jahr viel gelernt, als sie sich auf Grund ihres Leistungssports einer Operation an der Wirbelsäule unterziehen musste. Eine schwere Entscheidung, gerade im Hinblick auf das Training in Richtung der Olympischen Spiele. Doch Sportler sind vielmehr realistische Optimisten, die beide Seiten analysieren. Am Ende macht es jedoch den Unterschied, auf was sie sich letzten Endes fokussieren: Das Positive oder das Negative?!

Bild: DSB / Julia Hochmuth setzte nach ihrer Verletzung auf positive Gedanken, um schnell wieder zum Training zurückkehren zu können.
Bild: DSB / Julia Hochmuth setzte nach ihrer Verletzung auf positive Gedanken, um schnell wieder zum Training zurückkehren zu können.

„Die Voraussetzung ist es, zu verstehen, dass unsere Gedanken, Gefühle und unser Verhalten in einer wechselseitigen Beziehung zueinander stehen und sich permanent gegenseitig beeinflussen. Auf diese Weise kann ich jede Situation meistern“, so Spitzenathletin Hochmuth, denn nicht immer seien die Gedanken der Ausgangspunkt: „Wenn es mir in einer Situation mal schwer fällt, positiv zu denken, dann ändere ich beispielsweise mein Verhalten und tue so, als ob es mir gut geht - automatisch werden sich auch positivere Gedanken einstellen und ich werde mich tatsächlich besser fühlen, bin dadurch handlungs- und leistungsfähiger. Oder ich erinnere mich zurück an Momente, in denen ich mich gut gefühlt habe, und schon hat dies Einfluss auf meine Gedanken und mein Verhalten. Das hilft mir als Sportlerin, erfolgreich zu sein, denn ein positives Mindset bedeutet automatisch mehr Energie.“

Während wenige negative Ereignisse bereits tiefe Spuren im Inneren hinterlassen können, ist das mit positiven Erlebnissen viel schwerer. Denn genetisch ist der Mensch darauf ausgerichtet, mehr auf die Gefahren zu achten als auf das, was gut läuft, um sein Überleben zu sichern.

Doch es gibt Strategien, die es erleichtern, seinen Fokus auf das Positive auszurichten. Einige der Methoden werden im Zuge dieser Themenwoche vorgestellt.

 

Quellen:

Kahn, O. (2008). Ich. Erfolg kommt von Innen. München: riva.

Mai, J. (14.11.2020). Positiv Denken. Zuletzt aufgerufen unter karrierebibel.de/positiv-denken/

Stahl, S. (2015). Das Kind in dir muss Heimat finden. Der Schlüssel zur Lösung (fast) aller Probleme. München: Kailash Verlag.

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