Traditionspraxis

Eine sehr alte, noch heute in ganz Deutschland verbreitete Form zur Ermittlung des Schützenkönigs ist das Vogelschießen: Ein aufwändig gestalteter, auf einer 20 bis 30 Meter hohen Stange befestigter Holzvogel wird von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern mit Hilfe einer Armbrust und abgeflachten Bolzen Stück für Stück heruntergeschossen. Die klassische Wertung bestimmt denjenigen Schützen zum Sieger, der das letzte Stück herunterholt, egal wie groß es ist. Die Redewendung „Er/Sie hat den Vogel abgeschossen“ als Metapher für eine herausragende Leistung, geht auf dieses Ritual zurück.

Königschießen

In vielen Vereinen wird das Königschießen heute aus praktischen und Sicherheitsgründen horizontal auf eine Zielscheibe ausgetragen, auch mit Kleinkaliber- und Luftdruckwaffen. In jedem Fall aber erhält der Schützenkönig/die Schützenkönigin die Königskette, die ein Jahr bis zum nächsten Königsschießen in seinem Besitz bleibt und zu der er/sie ein weiteres Glied in Form einer Münze oder Medaille hinzuzufügen hat. Die teilweise sehr umfangreichen Schützenketten älterer Vereine sind ebenso wie die zum „Königstrunk“ gereichten Becher und Pokale oft Meisterwerke der ansässigen Gold- und Silberschmiede, von hohem materiellem und kunsthistorischem Wert und werden zwischen den Schützenfesten in Banktresoren oder in kommunalen Museen aufbewahrt und – idealerweise – dort auch ausgestellt.


Auch der seit dem Mittelalter belegte Umzug ist ein obligatorischer Bestandteil des Schützenfestes. Besonders im Rheinland wird dabei auch die Tradition des Fahnenschwenkens ausgeübt.

Das Königschießen ist Anlass zur künstlerischen Gestaltung hölzerner Zielscheiben, die der Schützenkönig in Auftrag zu geben hat und die die Räumlichkeiten der Schützenhäuser verzieren.

Feste Bestandteile des Schützenbrauchtums, Identität- und Gemeinschaft stiftende Elemente sind Schützentracht und Vereinsfahne. Bei offiziellen und feierlichen Anlässen, besonders bei den Festzügen getragen, sind der Fantasie bei ihrer Gestaltung keine Grenzen gesetzt, sodass die Schützenfahnen und Schützentrachten einen einzigartigen Bilder- und Symbolreichtum zeigen.

Die Öffentlichkeit kennt „das Schützenfest“ meist als einwöchige Kombination von Rummelplatz und Bierzelt. Das klassische Schützenfest als altes Kernritual der Schützen folgt einem festgelegten Ablauf, dient als Einladungsveranstaltung dem geselligen Austausch mit Schützinnen und Schützen aus anderen Städten und Orten, zu dem die Bevölkerung der ausrichtenden Stadt und sonstige Gäste Zugang haben.


Weitere Schützenbräuche sind u.a.:

  • An- und Abschießen in Frühjahr und Herbst
  • Grenzbeziehen/Grenzgang
  • Ostereierschießen
  • Böllerschießen als Bestandteil des in Süddeutschland und in den Mittelgebirgen gepflegten Lärmbrauchtums

 

Unter der Regie des Deutschen fanden bzw. finden folgende traditionelle, Brauchtum praktizierende Veranstaltungen statt:

  • Bundeskönig/innenschießen
  • Bundesjugendkönig/innenschießen
  • Deutscher Schützentag bzw. Bundestreffen
  • Bundesfahnenwettbewerb
  • Traditionstreffen der ältesten Schützenvereinigungen
  • Meisterschaften in den traditionellen Schießdisziplinen, Armbrust und Vorderlader