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Nach der Wiedereröffnung: Drei Vereinsvertreter im Interview

20.05.2020 09:39

Seit Anfang Mai können in nahezu ganz Deutschland die Vereine wieder ihre Tore öffnen – Sport treiben ist unter Auflagen wieder gestattet. So natürlich auch im Bogen- und Schießsport. Wir haben bei drei Vereinen aus drei unterschiedlichen Regionen, konkret bei Susanne Bley (Schützengesellschaft Mößling e.V./Bayern), Horst Eisenberger (SC Diana Hoppegarten/Berlin-Brandenburg) und Axel Derber (TSV Schlangenbad-Georgenborn/Hessen) nachgefragt, wie es nach der Wiedereröffnung läuft.

 

Bild: DSB / Die Pfeile fliegen wieder - wenn auch noch mit Einschränkungen.
Bild: DSB / Die Pfeile fliegen wieder - wenn auch noch mit Einschränkungen.

Wie sieht es in eurem Schützenverein zurzeit aus? Habt ihr den Betrieb wieder aufgenommen?

Susanne Bley: „Ja, wir dürfen endlich wieder an unserem Vereinsheim arbeiten. Wir haben sehnlichst darauf gewartet, dass das ‚Go‘ kommt, weil die Baustelle fast zwei Monate still gestanden hat. Termine waren gesetzt, Handwerker geplant – das hat sich natürlich jetzt alles verschoben.“

Horst Eisenberger: „Wir haben den Betrieb vor zwei Wochen aufgenommen nach Absprache mit dem Landesamt für Corona und dem Landkreis. Alle Mitglieder und Gäste dürfen auf die Anlage nach telefonischer Anmeldung.“

"Die große Freude ist da, dass es endlich wieder vorangeht."

Susanne Bley, Sportleiterin, Schützengesellschaft Mößling

Axel Derber: „Seit letzter Woche findet wieder ein geregeltes Training statt, das derzeit aber noch recht grob aufgebaut ist und an die neuen Regelungen und deren Umsetzung angepasst wird. Das Außengelände ist für alle Bogenschützen mit eigener Ausrüstung wieder jederzeit offen, die Halle kann aber aufgrund von Bauarbeiten in nächster Zeit nicht genutzt werden. Auch muss noch ein fertig ausgearbeitetes Konzept vom Gesamtverein zur Berücksichtigung der besonderen Anforderungen an Hygiene erstellt und abgestimmt werden.“

Bild: Susanne Bley / Erleichterung bei der SG Mößling: Endlich darf am neuen Vereinsheim weitergebaut werden.
Bild: Susanne Bley / Erleichterung bei der SG Mößling: Endlich darf am neuen Vereinsheim weitergebaut werden.

 

Wie sehen die konkreten Regelungen & Maßnahmen für euren Verein aus?

Susanne Bley: „Nachdem vom BSSB die Erlaubnis kam, haben wir uns aber auch noch mal beim Innenministerium rückversichert, was wir dürfen. Natürlich können wir nur in einem kleinen Kreis arbeiten, nicht 20-30 Leute, so wie wir das vorher waren. Nur die Leute, die wirklich gebraucht werden sind vor Ort oder es wird im Schichtdienst gearbeitet. Letzten Samstag waren z.B. am Vormittag die Handwerker da und meine Mama und ich sind am Nachmittag hingefahren und haben die Baustelle sauber gemacht und für die nächsten Schritte vorbereitet. So geht man sich aus dem Weg.“

Horst Eisenberger: „Wir hatten bis vorige Woche die Gaststätte geschlossen. Pro Schießstand durften zunächst nur zwei Schützen auf Tontauben schießen, seit vergangenem Freitag sind vier pro Schießstand erlaubt.“

Axel Derber: „Wir haben eine ganze Menge von Maßnahmen entwickelt. Dabei haben uns auch die Informationen des DSB geholfen. Zusätzlich haben wir uns mit anderen Vereinen ausgetauscht. Pro Scheibe schießt nur ein Schütze. Zur Rückverfolgung im Falle einer Ansteckung wird eine Anwesenheitsliste geführt, die für etwa vier Wochen aufgehoben und anschließend entsorgt wird. Es wird Desinfektionsmittel gestellt, die Teilnehmer des Trainings sind angehalten, sich an die Hygieneregeln zu halten. Toiletten werden beizeiten wieder geöffnet und mit Säuberungs- und Desinfektionsmitteln versehen. Der Abstand von 1,5 bis 2 Metern ist jederzeit einzuhalten. Beim Holen der Pfeile wird wie beim Schießen darauf geachtet, dass die Schützen nacheinander ihre Pfeile ziehen und dabei den Abstand einhalten. Nur Schützen mit eigenem Material können schießen, es wird kein Material des Vereins ausgegeben. Andere Materialien wie Terrabänder oder Matten werden ebenfalls nicht verwendet. Schützen, die sich mit solchen Möglichkeiten aufwärmen wollen, müssen es selbst von zuhause mitbringen und dürfen es nur für sich selbst nutzen. Schnupperkurse sind gestrichen und zurzeit können auch keine Anfänger am Training teilnehmen. Es gibt keine Absperrungen auf dem Platz, da sich bisher alle an die Regeln halten und das Training unter Aufsicht stattfindet. Es sollen nicht mehr als zehn Personen gleichzeitig auf dem Platz sein.“

 

Wo liegt momentan die größte Herausforderung?

Susanne Bley: „Auf einer Baustelle ist es nicht leicht den Abstand zu halten. Aber so ist an einem Eck  der Trockenbauer, am anderen Eck der Elektriker – das geht schon irgendwie. Zurzeit ist die Planung das Schwierigste, denn es dauert einfach alles viel länger, wenn nicht so viele Leute gleichzeitig helfen können.“

Horst Eisenberger: „Wir haben kaum noch Einschränkungen. Aber natürlich müssen wir die Abstands- und Hygieneregeln beachten, denn sonst kann die Gaststätte wieder geschlossen werden.“

Axel Derber: „Das Schwierigste ist es, sich an die Regeln zu gewöhnen und Konzepte zu finden, mit denen der Sport sicher gewährleistet werden kann. Auch muss noch ein Verfahren überlegt werden, falls mehr als zehn Schützen zum Training erscheinen, was bisher nicht vorgekommen ist. Die Regelungen müssen erst einmal geprobt und notfalls angepasst werden, weshalb es schwer ist, eine gewisse Regelmäßigkeit einkehren zu lassen. Beim Jugendtraining ist es auch besonders wichtig, die Kinder und Jugendlichen gut im Blick zu behalten und, wenn nötig, schnell und streng einzugreifen, falls sie die Regeln nicht ernstnehmen oder sie vergessen.“

 

Welches neues Ziel habt ihr euch nun gesetzt, nachdem der ganze Jahresplan durcheinander gewürfelt wurde?

Susanne Bley: „Ob wir unser Ziel, bis Herbst fertig zu werden, noch schaffen, ist fraglich. Natürlich ist das immer noch unser Ziel, aber die Chancen sind gesunken. Aber die große Freude ist da, dass es endlich wieder vorangeht. Man sieht den Fortschritt und das wird schon – trotz Einschränkungen!“

Horst Eisenberger: „Wir haben am Freitag ein Vorstandssitzung, auf der wir nachdenken wollen, welche Veranstaltungen wir durchführen wollen und können.“

Axel Derber: „Unser oberstes Ziel ist es zuerst, wieder ein regelmäßiges Training für möglichst alle Schützen zu ermöglichen. Dabei wollen wir versuchen, wieder jeden Schützen, der das will, leistungsorientiert zu betreuen, ohne dabei die Regelungen zu verletzen. Das Bogenschießen soll wieder zum Alltag der Schützen dazugehören können. Aufgrund der langen Pause haben viele Schützen ihr Leistungsniveau verloren. Dieses soll wieder aufgebaut werden, sodass sie im Herbst, sofern diese stattfinden, wieder an Wettkämpfen teilnehmen und gewohnte Ergebnisse erbringen können. Für alle Schützen insgesamt wollen wir aber vor allem wieder den Spaß am Schießen gewähren.“