Tradition

75 Jahre Wiedergründung DSB: Ein Treffpunkt vom „Stützpunkt München“ zum „Hessenzelt“

28.07.2026 09:27

Die Schützentradition und das Brauchtum sind neben dem Sport ein fester und wichtiger Bestandteil der Schützenkultur im Deutschen Schützenbund, in den Landesschützenverbänden und ihren Untergliederungen. Schützentraditionen und Bräuche können dabei sehr unterschiedlich sein, wie die verschiedenen Beiträge der Landesverbände zeigen, die das gesamte Jahr über zum 75-jährigen Jubiläum der DSB-Wiedergründung veröffentlicht werden. Dieses Mal ist der Hessische Schützenverband an der Reihe, der über eine liebgewonnene Tradition bei den Deutschen Meisterschaften berichtet.

Foto: Hessischer Schützenverband / Blick ins Hessenzelt im Jahr 2024.
Foto: Hessischer Schützenverband / Blick ins Hessenzelt im Jahr 2024.

Nachdem die Deutschen Schießsportmeisterschaften bis 1973 auf den Standanlagen in Wiesbaden-Freudenberg ausgetragen wurden, fanden die nationalen Titelkämpfe in den Gewehr-, Pistolen- und Flintendisziplinen ab 1974 auf der Olympia-Schießanlage Garching-Hochbrück bei München statt. Für die hessischen Teilnehmer schufen die Eheleute Lieselotte und Hans Nauheimer in ihrem eigenen Wohnwagen den ersten „Stützpunkt München“, der von dem damaligen Vorsitzenden des Schützenvereins Gießen und der hessischen Landesdamenleiterin bis Mitte der 1980er Jahre betreuten. 

Der „Stützpunkt München“ entwickelte sich über das „Café Jupp“ zum heutigen „Hessenzelt“ als ein zentraler Anlaufpunkt für alle hessischen Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Er wurde zu einem Stück Heimat mitten auf der Olympia-Schießanlage in Garching-Hochbrück an seinem traditionellen Platz gegenüber der KK-Gewehrhalle. 

Im Jahr 1979 wurden in dem Wohnwagen-Stützpunkt die Erfolge gefeiert und Geschäftsführer Willi Backhaus wurde damit beauftragt, künftig den Hessen-Stützpunkt zu leiten, aber nicht auf die bewährte Hilfe der Eheleute Hans und Lotti Nauheimer zu verzichten. Zudem übernahm der Hessische Schützenverband künftig für alle Teilnehmer die Startkosten. 

Foto: Hessischer Schützenverband / Ein Dankeschön im Rahmen des Pizzaabends im Hessenzelt von Präsidentin Tanja Frank im Jahr 2019.
Foto: Hessischer Schützenverband / Ein Dankeschön im Rahmen des Pizzaabends im Hessenzelt von Präsidentin Tanja Frank im Jahr 2019.

Unter neuer Leitung stand der „Stützpunkt München“ im Jahr 1986. Gretl und Inge Gräb aus Haiger-Flamersbach waren kurzfristig für den erkrankten Hans Nauheimer eingesprungen. Im Blick zurück erinnert sich der langjährige hessischen Pressereferent Herbert Vöckel: „Ab 1984 war ich 30 Jahre lang mit dabei. Ich erlebte den Anfang mit den Nauheimers im Wohnwagen an der KK-Anlage, da wurden einige Tische und Stühle aufgestellt, noch ohne Essen nur Getränke.“ Zwei, drei Jahre war es eine Übergangszeit mit einem einfachen Zelt, erzählte Herbert Vöckel: „Es war ein mobiles Zelt. Das Hessenzelt war Anlaufstelle für die Schützen, es fanden viele Kontakte zu anderen Landesverbänden und der Industrie statt – ein richtiger Treffpunkt“. Herbert Vöckel erinnert sich auch gerne daran, dass mit den Berliner Nachbarn ein großes Zelt zusammengefasst wurde. „Es war immer ein Fest und auch andere Landesverbände haben uns besucht.“ 

Unter der Leitung von Josef Wecker aus Camberg-Erbach wurde im Jahr 1994 der „Stützpunkt München“ in „Café Jupp“ umbenannt. Der stellvertretende Jugendleiter führte das „Café Jupp“ zunächst mit Sylvia Heiderich, deren Ehemann Dieter Heiderich sich ab 1998 auf seine Aufgabe als Landessportleiter konzentrierte. Für ihn kam Emma Czupalla neu ins Team des „Café Jupp“ und sie erinnert sich an das noch einfache Zelt: „Damals gab es schon Waffeln und Würstchen und das Zelt war stets gut besucht, insbesondere der Hessenabend.“ 

Als Sylvia Heiderich ihr Engagement im „Café Jupp“ beendete, ergänzte Irene Moog im Jahr 2001 das Team um Josef Wecker, zu dem ab dem Jahr 2004 auch Evelyn Martin kam. Durch eine Erkrankung von Josef Wecker, der im Rahmen eines „Hessenabends“ im Jahr 2007 feierlich von Präsident Klaus Seeger verabschiedet wurde, übernahm Alfred Moog die Aufgabe des Fahrers. Den Bus des Hessischen Schützenverbandes hatte zuvor Otmar Martin gefahren, der danach 2011 die Verantwortung als Landessportleiter und zwei Jahre später als Bundessportleiter übernahm.   

Jupp Wecker verstarb am 1. Oktober 2008 und danach wurde das „Café Jupp“ in das heutige „Hessenzelt“ umbenannt. „Das ist täglich ab 7:30 Uhr bis zur letzten Siegerehrung des Tages geöffnet“ unterstreicht Otmar Martin. Nach wie vor gibt es im „Hessenzelt“ gekühlte Getränke, Kaffee und die beliebten frisch gebackenen Waffeln. 

„Es war eine schöne Zeit“, so Emma Czupalla, die sich über 20 Jahre lang im „Hessenzelt“ engagierte. „Wir hatten viele Kontakte zu den Schützen, aber auch zu den anderen Landesverbänden und den Vertretern der Industrie.“  

Seit dem Jahr 2023 wird das „Hessenzelt“ von Präsidentin Tanja Frank zusammen mit ihrem Ehemann Oliver, Olaf Schwegler und Florian Keil, sowie der noch im Team verbliebenen Evelyn Martin betreut. „Die Waffeln im Hessenzelt waren tatsächlich der Renner, auch wenn sie nur ein kleiner Teil der Betreuungsleistungen waren, die das Zelt-Team erbracht hat“, stellte die Präsidentin des Hessischen Schützenverbandes nach den zehn Tagen der Deutschen Meisterschaften des Jahres 2024 fest. „Es wurden aus rund 120 kg Mehl, über 300 Eier und 100 kg Zucker über 5.000 Waffeln gebacken, mit rund 10 kg Puderzucker verziert und danach verspeist.“ 

(Werner Wabnitz)