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Achtung Doping: Hier sollte man bei der Ernährung aufpassen

28.08.2020 11:18

Nicht immer muss Doping Absicht sein, denn die Fallen lauern überall: Fleisch, Mohnkuchen oder Proteinshakes können schnell zu einer bösen Überraschung führen und Athleten nicht nur in Erklärungsnot bringen, sondern auch ihre Karriere kosten, wie es z.B. bei Biathletin Evi-Sachenbacher-Stehle der Fall war, die bei den Olympischen Spielen 2014 in Sotchi nach der Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln positiv getestet wurde und daraufhin ihre Karriere beendete. DSB-Verbandsarzt Martin Bauer erklärt, welche Gefahren bei der Ernährung auf Sportler lauern.

Bild: DSB / Damit es nicht zu unerwünschten positiven Dopingtests kommt, müssen Sportler auch bei der Ernährung aufpassen.
Bild: DSB / Damit es nicht zu unerwünschten positiven Dopingtests kommt, müssen Sportler auch bei der Ernährung aufpassen.

Nahrungsergänzungsmittel: Besondere Vorsicht ist bei Nahrungsergänzungsmitteln geboten, denn bei der Herstellung dieser können unbeabsichtigt durch Fehler im Produktionsprozess Dopingsubstanzen in die Produkte gelangen oder sie werden sogar durch die bewusste Manipulation der Hersteller hinzugemischt. Das kann zu einer großen Gefahr für Athleten werden. Eine internationale vom IOC geförderte Studie des Instituts für Biochemie an der Deutschen Sporthochschule Köln aus dem Jahr 2004 zeigte auf, dass etwa 15 Prozent von in 13 verschiedenen Ländern erworbenen Nahrungsergänzungsmitteln Anabolika enthielten, die nicht auf der Packung angegeben waren. Bei den Anabolika handelte es sich zum damaligen Zeitpunkt wahrscheinlich um Verunreinigungen, die keinen wirklichen Dopingeffekt hatten, aber unabsichtlich zu positiven Dopingbefunden führen konnten. Im Zuge dessen wurde eine Plattform entwickelt, die zeigt, welche Nahrungsergänzungsmittel durch vorangegangene Tests „sauber“ sind und damit von Athleten verzehrt werden können Es entstand die Kölner Liste. 2014 wurden bereits 570 Produkte in der Liste geführt. Trotzdem warnt Bauer auch hiervor: „Getestet wird immer nur ein Produkt zu einem Herstellungszeitpunkt, was in der Nachproduktion geschieht, kann nicht überprüft werden.“ Wer sich außerdem durch eine europäische Mischernährung ernährt, brauche keinerlei Angst haben, in eine Mangelsituation zu kommen: „Wir versuchen den Sportlern eine gesunde Ernährung beizubringen, da fallen Nahrungsergänzungsstoffe raus, denn jemand, der sich gesund ernährt, braucht keine Ergänzungsstoffe.“ Einzige Ausnahme seien Marathon- und Triathlon-Athleten, die durch den großen Schweißverlust oft an einem Magnesiummangel leiden würden. „Wir trainieren Athleten oftmals darauf, an Nahrungsergänzungsmittel zu glauben, anstatt richtig zu trainieren“, merkt Bauer kritisch an.

Mohn: Auch Omas Mohnkuchen sollten Sportler lieber nicht anrühren. Zwar gelten morphinähnliche Substanzen, die Mohn enthält, nur im Wettkampf als verboten, doch ist unklar, wie lange die Abbauzeit dieser im Körper des Athleten ist. „Auch wenn man zwei Wochen zuvor einen Mohnkuchen gegessen hat, kann er noch Tage später zu einem positiven Dopingtest führen, da die Dopingsubstanzen noch immer im Urin nachzuweisen sind“, erklärt Bauer.

Wir trainieren Athleten oftmals darauf, an Nahrungsergänzungsmittel zu glauben, anstatt richtig zu trainieren.

Martin Bauer, DSB-Verbandsarzt

Alkohol: Klar ist: Alkohol hat an der Schießlinie niemals etwas zu suchen. Doch bis 2017 stand es für Bogensportler und einige wenige weitere Sportarten sogar auf der Dopingliste, da es das zentrale Nervensystem und Angst und Anspannung vermindert. In der DSB-Sportordnung heißt es dazu: "Den Sportlern ist der Genuss von Alkohol verboten. Als Grenze gilt 0,0 Promille. Es bleibt den Veranstaltern vorbehalten Kontrollen vorzunehmen. Bei der Feststellung von Alkohol erfolgt eine Disqualifikation in dem betr. Wettbewerb. Die Schießleitung legt im Vorfeld die berechtigte Person als Kontrolleur fest."

Hanfprodukte: Sie liegen voll im Trend, sollten für Sportler allerdings tabu sein: CBD-Produkte. Gesundheitstropfen, Kosmetik und Nahrungsergänzungsmittel mit Hanfextrakt unterliegen nicht der Medikamentenherstellungssorgfalt und sind damit nicht apothekenrein. Hersteller müssen also nicht nachweisen, wie produziert wird. Es liegt aber nahe, dass in den Produktionsstätten auch Produkte hergestellt werden, die das aus der Cannabispflanze gewonnene Tetrahydrocannabinol (THC) enthalten, das wiederum auf der Dopingliste steht. So können Reste davon in die Hanfprodukte, die legal erworben werden können, gelangen und am Ende zu positiven Dopingproben von Sportlern führen.

Fleisch & Fisch: Wer als Sportler auf internationaler Ebene an Wettkämpfen teilnimmt, muss auch hier aufpassen, denn vor allem in Ländern wie Mexiko und China können Fleisch und Fisch mit Anabolika versetzt sein. Verspeist man diese Lebensmittel, kann es so zu einem unschönen, positiven Testergebnis kommen. Dabei wird auch einmal zu ungewöhnlichen Mitteln gegriffen, wie Verbandsarzt Bauer erzählt: „Wir haben auch schon einmal ein ganzes Team über mehrere Tage mit Bergsteigernahrung versorgt, um sicherzugehen, dass alle sauber sind.“

Diabetiker: Wer als Sportler an einer Form von Diabetes leidet und sich regelmäßig Insulin spritzen muss, der muss dies vorher anmelden. Denn auch Insulin gehört zu den verbotenen Substanzen im Sport, da es regenerationsfördernd und aufbauend wirkt.

Für Bauer ist wichtig, dass die Sportler bereits in jungen Jahren für das Thema sensibilisiert werden. Die Entwicklung der letzten Jahre zeigt: „Wir haben coole Sportler, die wissen, um was es geht. Die Vorbildfunktion der jetzigen Sportler ist wirklich gut, und Sportler und Trainer ziehen an einem Strang.“

Quelle:

Kölner Liste (2020). Doping-Prävention im (Spitzen-)Sport. Zuletzt aufgerufen am 26.08.2020 unter https://www.koelnerliste.com/hintergrund.

Geyer, H. et al. (2004). Analysis of Non-Hormonal Nutritional Supplements for Anabolic-Androgenic Steroids - Results of an International Study. In: Sports Med, 25, S. 124-129.

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