Europameisterschaften

Bronzemedaille für das deutsche EM-Team Doppeltrap

03.08.2013 16:28

Bei der dritten olympischen Entscheidung der Europameisterschaften Flinte und Laufende Scheibe 50 Meter in Suhl, dem Doppeltrap-Wettbewerb der Herren, erkämpfte die Mannschaft des Deutschen Schützenbundes in der Besetzung Andreas Löw (Weinberg/Foto links), Waldemar Schanz (Wiesbaden/Foto rechts) und Michael Goldbrunner (Geretsried/Foto Mitte) die Bronzemedaille. Andreas Löw erreichte darüber hinaus das Finale und wurde mit 26 Treffern Sechster.

 

Italien gewann die Mannschaftswertung mit neuem Welt- und Europarekord klar mit 424 Treffern vor Russland, dessen Schützen auf 419 Treffer kamen. Das DSB-Trio belegte mit 414 Treffern den dritten Platz, treffergleich mit Großbritannien, doch hatten die Schützlinge von Bundestrainer Wilhelm Metelmann mit 85:83 die bessere letzte Serie.

Andreas Löw (Foto) begann seinen Einzelwettkampf mit einer optimalen Serie von 30 Treffern. Anders als in der Vergangenheit, schießen die Doppeltrapschützen seit diesem Jahr nun nicht mehr drei Durchgänge zu 50 Scheiben, sondern fünf Serien zu jeweils 30 Scheiben.

Nach zwei weiteren Serien mit jeweils 28 getroffenen Scheiben hatte sich der Vizeweltmeister von 2011 in Belgrad mit 86 Treffern in der Spitzengruppe festgesetzt. Vor ihm lagen nur Marco Innocenti (Italien) und Wasili Mosin (Russland) mit 87 Treffern, allerdings musste der Franke aufpassen, denn hinter ihm lagen gleich sechs Konkurrenten, die alle 85 Treffer auf dem Konto hatten. Eine weitere Optimalrunde von 30 Treffern und zum Abschluss des Vorkampfes eine 28er-Serie sicherten ihm mit insgesamt 144 Treffern das Ticket für das Halbfinale, in das er als Führender hinein ging. 144 Treffer bedeuteten gleichzeitig die Einstellung des Europarekordes.

In dieser Endrunde um die Medaillen hatten alle sechs Schützen wieder die gleiche Ausgangsposition, denn die Qualifikationsergebnisse werden seit diesem Jahr nicht mehr mitgenommen. Nach Emanuele Bernusconi (Italien) ließ der DSB-Schütze in der vierten Dublette als Zweiter ein Ziel passieren.

In einem hochklassigen Halbfinale erwischte es den Sportsoldaten dann drei Dubletten später noch einmal, während ganz vorne Wasili Mosin (Russland) und Marco Innocenti (Italien) fehlerfrei ihre Kreise zogen. In der drittletzten und letzten Runde flog en zwei weitere Scheiben ungetroffen davon und damit musste Andreas Löw als Sechster ausscheiden.

„Es lastete schon ein gewaltiger Druck auf mir“, analysierte Andreas Löw nach dem Finale seinen Wettkampf, „die heimische Atmosphäre, die Reporter, die Kameras, der lange und harte Tag – das geht schon an die Kondition und an das Nervenkostüm. Mein Ziel war es, ins Finale zu kommen. Ich bin als Erster mit eingestelltem Europarekord ins Finale gegangen, die Mannschaft hat Bronze gewonnen, daher ist es ein guter Tag für mich und bei den kommenden Weltmeisterschaften werde ich versuchen, dies zu wiederholen oder es sogar besser zu machen.“

Die Goldmedaille ging an Wasili Mosin, der Marco Innocenti mit 29:28 bezwang, im kleinen Finale hatte in einem inneritalienischen Duell Emanuela Bernasconi im Stechen mit 2:1 gegen Davide Gasparini die Nase vorn. Beide hatten zuvor 28 Treffer erzielt.

Michael Goldbrunner (Foto) lag mit seinen 27 Treffern zunächst im breiten Mittelfeld, nach 29 und weiteren 27 getroffenen Scheiben verbesserte sich der Bayer in den Verfolgerkreis der Spitzengruppe. Doch mit 26 und 27 Treffern konnte er sich in den beiden Schlussrunden nicht weiter vorn platzieren, dementsprechend sein Kommentar: „Es war wegen der ständig wechselnden Lichtverhältnisse ein schwieriger Wettkampf für mich. Mit meiner Leistung insgesamt bin ich aber nicht zufrieden, ich war einfach nicht konstant genug und hatte mir auf jeden Fall mehr vorgenommen.“ Mit 136 Treffern belegte er am Ende Rang 14.

Waldemar Schanz kam anfänglich schwer in den Wettkampf hinein und stand mit 25 getroffenen Scheiben schon etwas unter Druck, denn der zweimalige Vizeweltmeister durfte sich nun eine solche Serie nicht mehr erlauben, um das Ziel Halbfinale nicht aus den Augen zu verlieren.

Der Wiesbadener (Foto) steigerte sich in den folgenden zwei Serien jeweils um einen Treffer, blieb nach 26 und 27 getroffenen Zielen aber im hinteren Mittelfeld stecken. Ein weiterer Durchgang von 26 Treffern und eine Optimalrunde von 30 Treffern zum Abschluss bedeuteten für den Wiesbadener nach dem Vorkampf mit insgesamt 134 Treffern den 17. Platz.

„Ich bin heute nicht mit den Bedingungen auf dem Stand zurecht gekommen“, sagte der Routinier aus der hessischen Landeshauptstadt nach seinem Wettkampf, „obwohl ich an diesen Bedingungen nichts zu kritisieren habe. Die Scheiben sind einwandfrei zerplatzt, sie waren am unteren Ende eingestellt, aber völlig regelkonform. Ich selbst habe zu lange gebraucht, mich darauf einzustellen. Alle Schützen mussten darauf schießen, deshalb trage ich für meine Fehler auch die alleinige Verantwortung. Die letzte Runde mit 30 Treffern freut mich natürlich ganz besonders, weil dieses Ergebnis unserer Mannschaft die Bronzemedaille gebracht hat, denn die Engländer waren ja mit uns gleichauf und sind nur durch unsere gute letzte Serie Vierte geworden. Seit Jahren haben wir damit wieder eine Mannschaftsmedaille gewonnen.“

Den Juniorenwettbewerb, der ohne deutsche Beteiligung stattfand, gewann Nathan Lee Xuereb (Malta) im Stechen mit 8:7 gegen Kirill Fokejew (Russland). Vorher hatten beide Schützen sich mit einem 27:27-Remis getrennt. Im kleinen Finale um Bronze setzte sich Roman Zagumennow (Russland) mit 30:26 gegen Filip Praj (Slowakei) durch.

In der Mannschaftswertung siegte beim Nachwuchs Russlands, der mit 410 Treffern einen neuen Welt- und Europarekord bei den Junioren aufstellte. Zweiter wurde Italien mit 389 Treffern vor den Schützen aus Großbritannien, die mit 360 Treffern die Bronzemedaille gewannen.

Im seit 2005 nichtolympischen Wettbewerb Laufende Scheibe der Herren hatte Carsten Krauße (Mellenbach/Foto) einen guten ersten Durchgang gezeigt. Mit 294 Ringen lag der Thüringer auf dem elften Platz. Nach 283 Ringen in der zweiten Hälfte des Wettbewerbs und insgesamt 577 Ringen fiel er jedoch auf den 18. Platz zurück. Nils Poltermann (Erfurt) kam mit 571 Ringen auf Platz 22, während sich Stefan Leib (Wettenberg) mit 565 Zählern am Ende auf Rang 25 wiederfand.

Die Goldmedaille ging an Emil Martinsson (Schweden), der die Einzelkonkurrenz mit 591 Ringen gewann. Zweiter wurde durch die bessere vorletzte Serie Lukasz Czapla (Polen) vor Michail Azarenko (Russland). Beide Schützen hatten 589 Ringe in den sechs Serien erzielt und auch die Schlussrunde war bei beiden mit 98 Zählern gleich. Die vorletzte Runde ab sah den Polen mit 98:97 im Vorteil.

Neuer Europameister in der Mannschaftswertung wurde Russland (1756 Ringe) vor der Ukraine (1744 Ringe) und Tschechien (1742 Ringe). Die deutsche Mannschaft belegte mit 1713 Zählern Rang acht.

In der Einzelwertung beendeten die deutschen Junioren ihren Wettkampf auf den Plätzen neun, elf und zwölf. Emeran Mayer (Weitnau) erzielte 560 Ringe und war damit der Beste der Drei. Robert Lösekann (Uelzen) kam auf 556 Zähler und Marcel Trottier (Frankfurt am Main) schloss seinen Wettkampf mit 550 Ringen ab.

Mit der besseren letzten Serie von 97:94 wurde Benoit Germain (Frankreich) neuer Europameister vor Ihor Kizima (Ukraine). Beide hatten zuvor 581 Ringe erzielt. Die Bronzemedaille ging mit 578 Zählern an Stanislaw Los (Ukraine).
Das deutsche Nachwuchsteam belegte mit 1666 Ringen Platz vier und verpasste nach Bronze im Mixed die angestrebte Medaille in diesem Wettbewerb. Neuer Europameister wurde die Ukraine (1731 Ringe) vor Finnland (1727 Ringe) und Frankreich (1697 Ringe).

Trainer Thomas Pfeffer, 1980 Silbermedaillengewinner bei den Olympischen Spielen in Moskau sowie Welt- und Europameister, zog als Bilanz unter die Wettbewerbe seiner Schützlinge: „Sie haben sich alle bemüht, für ihre Verhältnisse gute Ergebnisse zu erzielen. Es ist aber offensichtlich, dass gerade in den Kleinkaliberwettbewerben die Routine fehlt. Die meisten Schützen kommen vom Luftgewehr und mancher hat zuhause noch nicht einmal einen Schießstand über die 50-Meter-Distanz. Wer dazu voll beruflich tätig ist, kann natürlich auch nicht jeden Abend 100 Kilometer fahren, um Kleinkaliber zu trainieren. Ich bin jedenfalls mit den Leistungen zufrieden. Die Jungs haben ihr Bestes gegeben.“

Alle Ergebnisse der Europameisterschaften Flinte und Laufende Scheibe in Suhl finden Sie nach Abschluss der Wettbewerbe über diesen Link.