Bundesliga

Bundesligafinale: Doppel-Interview mit Mathias Putzmann & Kevin Venta

29.01.2019 13:39

Am 2./3. Februar werden in Paderborn die Deutschen Mannschaftsmeister der Bundesliga (Luftgewehr & Luftpistole) gekürt. Mathias Putzmann (SV Kriftel) geht mit seinem Team als Titelverteidiger an den Start, Kevin Venta (SGi Ludwigsburg) holte 2018 Bronze. Wie die bisherige Saisonbilanz ausfällt, was das Besondere an der Bundesliga ist und was sie für einen Finalausgang erwarten, erzählen die beiden Luftpistolen-Schützen im Doppel-Interview.

Kevin, du bist vor einer Woche in München erstmals für Deutschland an die Schießlinie getreten. Wie war´s?

Venta: „Es war eine sehr schwierige Situation für mich. Erstmals in neuer Kleidung, größter IWK auf der Welt - ich fühlte viel Druck auf meine Schultern. Schon als ich meine Entscheidung traf, für Deutschland zu schießen, habe ich versucht, mich psychologisch im Kopf zu "programmieren": "Mach dir keine Erwartungen und keinen Druck!“ Und es hat richtig gut geklappt. Ich bin überglücklich, es zweimal ins Finale und aufs Podest (Bronze, Anm. d. Red.) geschafft zu haben. Das war der Wahnsinn! Ich bedanke mich recht herzlich bei meinem neuen Team. Das hat mich schön empfangen, wir verstehen uns sehr gut.“

Ihr nehmt beide zum zweiten Mal am Bundesligafinale teil, nachdem ihr 2018 mit Gold (Putzmann) bzw. Bronze (Venta) glänzend debütiert habt. Wie bedeutsam waren die Erfolge für euch?

Venta: „Ich liebe es, die Bundesliga zu schießen. Es ist zwar sehr stressig, aber am Ende, wenn man ein gutes Ergebnis erzielt hat und das Team vor so vielen Zuschauern gewinnt, dann ist das ein super Gefühl! Wir als Team haben wirklich alles gegeben in der Saison, um Südmeister zu werden. Wir wollten natürlich eine Medaille holen und haben es geschafft. Ich habe mich richtig gefreut, alle haben auf meinen letzten Schuss gewartet, der entscheidend war. Als nach dem Schuss alle auf mich zugesprungen sind, wusste ich, wir hatten den dritten Platz geschafft. Das war reine Euphorie!“

Putzmann: „Dies stellte für mich den bis dato größten sportlichen Erfolg im Erwachsenenbereich dar. Damals waren auch große sportliche Leistungen gefordert, zumal ich zum Bundesligafinale erkrankt war. Dies merkte ich vor allem bei meinem Wettkampf gegen Kevin Venta, den ich schlussendlich verlor. Am Ende wurde wir durch unsere Teamleistung mit dem Gewinn des Finales belohnt.“

Was macht die Faszination Bundesligafinale aus?

Venta: „Vor so vielen Zuschauern zu schießen, die sich für jeden Schuss in die 10 richtig laut freuen. Und Stress! Am Ende des Wettkampfes bin ich oft total kaputt, aber ich weiß, das macht einen Schützen noch stärker. Es ist ähnlich wie ein Einzel-Finale zu schießen oder sogar noch schwieriger. Ich kann mir gut vorstellen, so ein System als Team-Event ins EM-Programm zu bringen. Das könnte Sportschießen auf ein höheren Level im TV- und Zuschauerbereich bringen.“

Putzmann: „Die Vorrundenkämpfe waren schon von einer gewissen Brisanz geprägt, aber das Finale setzt dem nochmal die Krone auf. Es ist für mich nicht gerade alltäglich, vor so einer Kulisse an die Schießlinie zu treten. Die Zuschauer wollen beste Wettkämpfe sehen, feuern dementsprechend auch die Schützen an und das auch lautstark. Das Viertelfinale ist einer der wichtigsten Wettkämpfe, dieser entscheidet schließlich über das Weiterkommen und zwei weitere Wettkämpfe oder das sofortige Ausscheiden.“

Ihr habt euch beide in euren Teams Kriftel (Putzmann) und Ludwigsburg (Venta) etabliert. Wie zufrieden wart ihr mit der Teamleistung in der Vorrunde?

Venta: „Wir hatten gute und schlechte Momente und zwar über die ganze Saison und es könnte natürlich immer besser oder auch schlechter laufen. Wir haben immer unser Bestes gegeben. Natürlich war der Druck in diese Saison vielleicht auch höher wegen des 3. Platzes im Vorjahr.“

Putzmann: „Als ungeschlagener "Nordmeister" scheinen wir ja nicht allzuviel falsch gemacht zu haben. Aber jede Saison und jeder Wettkampf beginnt von Null, und am Ende geht einer immer als Sieger hervor. Grundsätzlich können wir sehr zufrieden sein.“

Und mit eurer persönlichen Leistung und Bilanz von 10:1-Siegen (Putzmann) und 8:3-Siegen (Venta)?

Venta: „Ich persönlich habe eine sehr schwierige Saison hinter mir. Ich habe mich viel mit der Entscheidung beschäftigt, wie ich meine Sportkarriere fortsetze. Am Ende hab ich mich für Deutschland entschieden. Danach war noch viel Papierkram und alles Mögliche zu erledigen. Das hat mir viel Energie genommen, auch mental, und ich war nicht zu 100 Prozent bei der Sache. Ich wusste nicht, wie meine persönliche Leistung am Ende aussieht und war mir auch nicht so wichtig. Viel wichtiger ist es, ob wir als Team gewinnen. Aber trotz all dieser Sachen ist mir eine gute Vorrunde gelungen.“

Putzmann: „Ich habe eine leicht bessere Saison geschossen als im vergangenen Jahr. Neu für mich war diese Saison, an Position 1 zu stehen und Christian zu vertreten. Diese Aufgabe wurde mir zweimal zuteil. Nur einmal davon ging ich als Verlierer vom Stand. Aber gerade so ein Wettkampf hat mir gezeigt, woran ich arbeiten muss, um besser zu werden, damit so etwas nicht noch einmal passiert.“

Mathias, ist es eigentlich von Vorteil, wenn ein Ausnahmeschütze wie Christian Reitz an Position eins schießt und somit den Fokus auf sich lenkt?

Putzmann: „Das mag von außen so aussehen. Andere Schützen, die dann an Position 2 stehen, sind aber nicht weniger schlecht und minder motiviert. Teilweise sind sie es dann umso mehr.“

Wie fällt der Vergleich Nord- und Südstaffel aus?

Venta: „Ganz ehrlich? Darüber denke ich nicht so viel nach. Aber von dem, was ich höre und sehe, gibt es im Norden vielleicht mehr einzelne Schützen, die sehr hoch schießen, wie z.B. Omelchuk oder Reitz. Das Team von Reitz ist insgesamt sehr stark. Im Süden gibt es viele Teams, die sehr gute Team-Ergebnisse aufweisen. Und deshalb mehrere Teams, die es in die Top 4 und ins Finale schaffen können.“

Putzmann: „Von der Papierform scheint die Südliga einen leichten Vorteil zu haben aufgrund der Dichte von internationalen Spitzenschützen und deutschen Nationalkadern. Dennoch sollte keiner der Akteure, die es zum Bundesligafinale geschafft haben, unterschätzt werden. Mich zum Beispiel hatte auch kaum einer auf dem Zettel.“

Wie sehen nun die letzten Tage Vorbereitung auf das Bundesligafinale aus? Was wird gemacht?

Venta: „Nichts Besonderes. Ich bereite mich normal auf die EM-Qualifikation und die folgende EM (Osijek/CRO, 16.-25. März) vor. Natürlich passe ich auf, dass ich nicht zuviel vor dem Bundesligafinale trainiere, damit ich dann so frisch wie möglich daran teilnehme.“

Putzmann: „Ich werde mein Training mit der Schnellfeuerpistole zurückschrauben und den Fokus ganz klar auf die Luftpistole legen.“

Und wer schafft es ins Goldfinale?

Venta (lacht): „Das ist so eine Frage, bei der keiner die Antwort weiß. Wie schon gesagt, Kriftel mit Reitz ist sehr stark. Aber es ist das Bundesligafinale, da ist alles möglich. Ich hoffe natürlich, dass wir es wieder auf das Podest schaffen. Jeder startet von Null, und alles ist möglich. Mit solchen Gedanken gehe ich in jeden Wettkampf.“

Putzmann: „Die Tagesform entscheidet. Natürlich stehen die Gewinner der letzten Jahre im Fokus und werden als Favoriten gehandelt. Aber jeder der acht Finalisten steht nicht ohne Grund da und kann es schaffen.“

Tickets für das Finale gibt es nur noch an der Tageskasse. Die beiden Goldfinals werden live und kostenlos am 3. Februar ab 11.50 Uhr (Pistole)  und 13.50 Uhr (Gewehr) bei Sportdeutschland.TV gestreamt.