Olympische Spiele

Der harte Weg nach Peking - Gewehr

21.02.2008 00:00

Am olympischen Finalwochenende bei den Deutschen Meisterschaften in München-Hochbrück rief Gewehr-Bundestrainer Claus-Dieter Roth seine Nationalmannschaft zusammen und erklärte den möglichen Weg nach Peking. Weitgehende Klarheit über den Weg dorthin herrschte aber erst wenige Tage vor Weihnachten des vergangenen Jahres.

 

Die Vorschläge der Bundestrainer wanderten über die Sportleitung und die Trainerkommission weiter durch die Institutionen des Sports: Erst als das Präsidium des Deutschen Schützenbundes sein „Okay“ gegeben hatte, reichte Sportdirektor Heiner Gabelmann den „Olympia-Fahrplan“ dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) zur Freigabe ein. Die Genehmigung von der Frankfurter Otto-Fleck-Schneise erreichte Gabelmann Ende Januar dieses Jahres. Nach dem eingereichten Plan steht fest: Alle Auswahlschützen haben noch die Möglichkeit, Teilnehmer bei den Olympischen Spielen zu werden.

Klar ist aber auch: Wer jetzt noch nicht im Topteam des Deutschen Schützenbundes ist oder einen Quotenplatz errungen hat, wie etwa Maik Eckhardt (Foto oben), im KK-Bereich sicher der beste und beständigste deutsche Schütze der letzten Jahre, bekommt nicht mehr viele Chancen, im letzten Moment noch auf den schon angefahrenen Zug aufzuspringen. „Dieser Weg wird kein leichter sein“, sang Xavier Naidoo bei der Fußball-Weltmeisterschaft, „dieser Weg ist steinig und schwer“ – das trifft auch auf die Sportschützen für Peking 2008 zu.

Die Situation im Gewehr-Männerbereich ist wenig erfreulich. Drei von sechs möglichen Quotenplätzen haben die deutschen Schützen geholt, mit dem Luftgewehr Frank Köstel und Tino Mohaupt (Foto), im Liegendkampf Christian Lusch. Von diesem Trio sind jedoch nur Lusch und Mohaupt im Topteam, und nur die Angehörigen dieses Topteams haben die Chance auf die Nominierung. Frank Köstel schaffte es nicht, die 2006 erreichte Topteamplatzierung in 2007 zu bestätigen und fehlt deshalb in diesem Kreis. Bleibt es dabei, fahren nur Christian Lusch, der wohl in beiden Kleinkaliberdisziplinen, Liegend und Freies Gewehr, starten könnte, und Mohaupt als absoluter Luftdruckspezialist.

So weit, so klar. Doch noch gibt es für den Rest drei Chancen, sich ins Topteam zu schießen, während Quotenplätze mit Abschluss der Saison 2007 generell keine mehr in den Disziplinen Gewehr, Pistole und Wurfscheibe vergeben werden. Bei den ersten Weltcups des Jahres 2008 in Peking und Rio de Janeiro sowie bei den Europameisterschaften in Winterthur würde ein Finalplatz für den Einzug ins Topteam reichen. Voraussetzung, diesen überhaupt bekommen zu können, ist ein erfolgreiches Bestehen der internen Ausscheidung um die Plätze im Team – und die drei Topteamkandidaten dürfen sich aussuchen, ob sie starten wollen oder nicht, sie genießen Priorität.

Sollte sich noch jemand ins Team schießen, könnte dieser den dritten noch freien Quotenplatz belegen, wären es mehr Schützen, die „auf den letzten Drücker“ noch bei einer der drei Gelegenheiten das Finale erreichen – bei der EM in Winterthur könnten es theoretisch Damian Kontny (Baunatal) und Bernhard Oswald (Wildsteig) sein, wenn sie im Finale des Luftgewehrwettbewerbs stehen sollten – müsste eine Ausscheidung in der entsprechenden Disziplin durchgeführt werden. Diese Ausscheidung würde bei den Weltcups in München und Mailand durchgeführt werden, die Sieger will „CD“ Roth der Sportleitung des Deutschen Schützenbundes zur Nominierung für Peking vorschlagen.

Bei den Frauen ist die Situation völlig anders. Jeweils vier Damen haben sich im Luftdruck- wie KK-Bereich ins Topteam geschossen, das Maximum von insgesamt vier Quotenplätzen, zwei pro Disziplin, steht zur Verfügung. Auch hier können sich noch weitere Schützinnen über die ersten beiden Weltcups ins Topteam schießen, doch das Hauptproblem dürfte sein, noch einen Platz in der Mannschaft zu finden. Denn wenn nur drei von den jeweils vier Sportlerinnen pro Disziplin ihre Ansprüche auf Teilnahme anmelden, sind die möglichen Plätze vergeben.

Deshalb steht bei den Frauen die Ausscheidung im Mittelpunkt. Bereits die drei Programme für die interne Ausscheidung zur Luftdruck-Europameisterschaft in Winterthur fließen in die Olympia-Ausscheidung ein. Dazu werden Ende April oder Anfang Mai in München zwei Programme plus Finals geschossen, mit Luft- wie Sportgewehr. Die jeweils drei Besten bleiben im Rennen um ein Olympiaticket, die jeweils Vierte scheidet aus. Die Entscheidung, wer dem DOSB zur Nominierung vorgeschlagen wird, fällt beim Weltcup in München. Die besten Beiden der Qualifikation haben gewonnen. Roth will keinen seiner Schützlinge außerhalb der internen Qualifikation setzen.

Möglich ist es, dass Sonja Pfeilschifter (Foto) und Barbara Lechner – oder nur eine von beiden – sich in beiden Disziplinen durchsetzen. Damit hätte Roth den Luxus, bei den Frauen einen oder zwei Quotenplätze zuviel zu haben. Davon können die Männern jedoch nur eventuell profitieren. „Wenn wir an den Weltverband ISSF einen Quotenplatz zurückgeben, müssen wir diesen Platz neu für uns beantragen“, erläutert Sportdirektor Heiner Gabelmann. Die Chance, diesen Platz dann auch zu bekommen, sei ohnehin nicht sehr groß. „Doch wenn wir ihn bekämen, würden wir ihn in der Sportart einsetzen, wo wir die größten Medaillenchancen besitzen.“ Und da ragt Doppeltrap Männer heraus, mit Ex-Juniorenweltmeister Michael Goldbrunner, der im Topteam ist, aber wo eben kein Quotenplatz für den DSB zur Verfügung steht.

Bericht: Harald Strier/DSZ