Weltmeisterschaften

Deutsche Armbrustschützen zwischen Erfolg und Erlebnis

29.08.2015 15:32

Ein hervorragender zweiter Platz in der Mannschaftswertung, triumphale Einzel- und Mannschaftserfolge, den widrigen Verhältnissen getrotzt und darüber hinaus viel erlebt und viele unvergessliche Eindrücke gesammelt – der Tripp der deutschen Armbrustschützen nach Ulan Ude war ein in jeder Hinsicht einprägsamer.

4.400 Kilometer östlich von Moskau in der russischen Teilrepublik Burjatien – ein Teil von Sibierien –, kaum südlich des Baikalsees und wenige hundert Kilometer nördlich der Mongolei, wurde das deutsche Team angenehm überrascht. „Sehr viele kulturelle Auftritte, junge Dolmetscherinnen wurden uns zur Seite gestellt, und ganztags standen Shuttle Busse zur Verfügung. Wer gedacht hatte, wir sind hier fast am Ende der Welt, wurde eines Besseren belehrt“, berichtete Gebhard Fürst. Die Gastgeber imponierten zudem mit der Eröffnungsfeier sowie den Dauerparties unter der Woche, an der mehrere russische Stars und Künstler teilnahmen.

Dazu gesellte sich der Erfolg. In der Medaillenwertung belegte das deutsche Armbrustteam mit sechs Gold-, vier Silber- und sechs Bronzemedaillen den zweiten Platz hinter der Schweiz (7 Gold, drei Silber und zwei Bronze) und vor den gastgebenden Russen, die vier Goldmedaillen, zehn Silber- und sechs Bronzemedaillen gewannen. 178 Starter aus 26 Nationen kämpften um die Medaillen in den 26 Entscheidungen.

24 Jahre lang nimmt Gebhard Fürst schon an Weltmeisterschaften teil, in Ulan Ude platzte der Knoten. Zum ersten Mal holte er sich im Einzel die Goldmedaille im Stehendwettbewerb auf 30 Meter. Und hatte dabei Schwierigkeiten zu bewältigen, die er in seiner ganzen Laufbahn noch nicht überwinden musste. Aufgrund der extremen Windbedingungen wurde die Schießzeit um 30 Minuten verlängert, denn nicht nur Fürst wartete immer wieder verzweifelt auf kurze Windpausen. Der Beginn des Kniendwettkampfes wurde um drei Stunden verschoben. Dennoch landete der eine oder andere Bolzen im weißen Feld der Scheibe.

„Es war zu keiner Zeit möglich, den Schuss gezielt abzugeben. Man konnte nur versuchen, so präzise wie möglich mit seiner ganzen Erfahrung zu arbeiten und dann hoffen, dass alles gut geht“, bestätigte Benjamin Bessert. Nur wenige Sekunden blieben den Schützen, um die Windpausen für einen Schuss zu nutzen – das klappte nicht immer, und dann war der Bolzen „vom Winde verweht“. Doch der Hüttenthaler behielt die Nerven, wartete auf die richtigen Momente und gewann mit der Feldarmbrust Bronze im Einzel und Silber mit der Mannschaft.

Walter Hillenbrand, der 1992 erstmals Weltmeister im Feldarmbrustschießen geworden war und zu den erfahrensten Aktiven in dieser schwierigen Disziplin gehört, verteidigte mit der Feldarmbrust bei den Senioren seinen im Vorjahr in Frankfurt gewonnenen Weltmeistertitel mit einem Vorsprung von 16 Ringen auf die Konkurrenz. Zusammen mit Oskar Künkler und Bernhard Kreps, der im Einzel zudem Bronze gewann, holte er sich auch noch Mannschaftsgold.
Ina Schmidt hat ihre unglaubliche Serie fortgesetzt. Zum sechsten Mal in Folge gewann die Schützin von Diana Ober Roden den Weltmeistertitel. Wie eigentlich immer musste sie sich starker kroatischer Konkurrenz erwehren und lag auch zunächst zurück. Doch den anfänglichen Rückstand von 14 Ringen machte sie mit ihrer Erfahrung vor allem am zweiten Tag wett und siegte nach dem Finale mit dem deutlichen Vorsprung von zehn Ringen.

Für einen Höhepunkt sorgte im deutschen Team Manuel Wittmann, der beim 10-Meter-Wettbewerb in der Klasse „U23“ zwei neue Weltrekorde aufstellte. Der 22-jährige Sulzbürger (Oberpfalz) verbesserte die 40-Schuss-Rekordmarke im Vorkampf auf 395 Ringe und nach dem Finale auf 492 Ringe. Damit trug er sich zusammen mit Nazar Luginets und dem russischen 10-Meter-Team in die Liste der vier neuen Weltrekordhalter ein. Wittmann und die deutsche Mannschaft gewannen damit die Zehn-Meter-Konkurrenz und rundeten so das positive Gesamtbild des DSB-Teams ab.