International

Deutsche Recurve-Damen und Compound-Herren im Bronzefinale

14.09.2006 00:00

Bei den Europameisterschaften der Bogenschützen in Athen (Griechenland) haben die deutschen Recurve-Damen und die Herren mit dem Compoundbogen das Bronzefinale am kommenden Samstag erreicht.

 

Die Damen erreichten zunächst das Viertelfinale durch einen klaren 186:169-Erfolg gegen Lettland. Schon nach der ersten Passe waren die deutschen Schützinnen Lisa Unruh (Foto rechts), Karina Winter (beide Berlin/Foto Mitte) und Vernonika Haidn-Tchalova (Deggendorf/Foto links) auf der Siegerstraße, denn die letzte Schützin der Letten, Zane Berzina, kam bei starkem Wind unter Zeitdruck und konnte ihren letzten Schuss nicht mehr abgeben.

Damit stand es nach den ersten sechs Pfeilen bereits 45:35 für die Sportlerinnen des Deutschen Schützenbundes. Über 89:83 nach dem zweiten Durchgang und 138:129 nach der dritten Passe kam das klare Ergebnis für die Damen des DSB zustande.

Im Viertelfinale trafen sie auf Italien, wo sie sich wiederum mit 178:162 durchsetzen konnten. Vor allem die erste Passe wurde von den deutschen Schützinnen sehr mutig geschossen und nach einer 51:38-Führung war der Grundstein für den Sieg gelegt. Über die Zwischenstände von 98:79, und 137:120 kam es auch in dieser Deutlichkeit zu einem verdienten Sieg des jungen Teams.

In der Vorschlussrunde erwartete das DSB-Trio die starke Mannschaft aus der Ukraine, die immer schon ein Angstgegner der deutschen Schützen war. Couragiert gingen die Deutschen ihre Aufgabe an, lagen nach dem ersten Durchgang sogar mit 43:42 vorne und hatten diesen Ein-Ring-Vorsprung auch noch nach der zweiten Passe gehalten.

In der dritten Serie hätte das deutsche Team sogar deutlich führen können, doch bei dem böigen Wind unterlief Karina Winter eine Drei, sodass es nach dieser Passe zum 146:146-Gleichstand kam und die letzte Passe die Entscheidung bringen musste.

In dieser Phase spielten die Ukrainerinnen ihre ganze Erfahrung aus, blieben auf hohem Niveau und setzten sich ein wenig von den deutschen Schützinnen ab. Am Ende kam die Schlussschützin des DSB-Trios, Veronika Haidn-Tchalova so unter Zeitdruck, dass sie innerhalb von 14 Sekunden noch ihre zwei Schüsse abgeben musste. Der letzte Versuch – nur eine Sekunde vor der Schlusssirene – ergab dann bei heftigem Wind eine Vier und somit waren die Ukrainerinnen mit 195:189 die erfolgreichere Mannschaft in dieser Partie.

Durch das Erreichen des Halbfinales haben sich die deutschen Schützinnen jedoch für das „Top Team des Deutschen Schützenbundes“ für die Olympischen Spiele in Peking 2008 qualifiziert. Am Samstag geht es jetzt um Bronze gegen die Schützinnen aus Polen, die das zweite Halbfinale gegen Großbritannien mit 182:186 verloren hatten.

„Natürlich ist es ein großer Erfolg für unser junges Team“, so Bundestrainer Martin Frederick nach dem Wettkampf, „die Mädchen haben sich bei diesem starken Wind gut durchgesetzt. Lisa und Karina sind ja jetzt erst aus dem Juniorinnenbereich zu den Erwachsenen gekommen und haben wie auch Veronika heute ihre Sache sehr gut gemacht. Ein wenig schade, dass unsere Herren nur ihren siebten Platz nach der Vorrunde bestätigt haben. Da war sicherlich noch mehr drin.“

Die Compound-Herren gewannen in der Besetzung Stefan Griem (Berlin/Foto rechts), Paul Titscher (Glindow/Foto 2.v.l.) und Thomas Hasenfuss (Hohenberg/Foto 2.v.r.) zunächst gegen Russland mit 199:197 und standen damit im Viertelfinale gegen die starken Spanier.

Das Match gegen die Iberer sah zunächst das jüngste deutsche Herrenteam seit 2000 im Rückstand, denn nach der ersten Passe führten die Südeuropäer mit 53:50 und konnten diesen Vorsprung sogar noch auf 105:101 nach der Hälfte der Begegnung ausbauen.

In der dritten Passe sah alles weiterhin wie gewohnt aus, denn Paul Titscher, der im Einzel das beste Ergebnis aller drei Compoundschützen aufweisen konnte, sehr lange für seine zwei Schüsse benötigte und damit der Zeitdruck auf das deutsche Team groß war.

Der erst 19-jährige Paul Titscher – übrigens zusammen mit Karina Winter und Lisa Unruh ein deutlicher Beweis für die gute und effektive Nachwuchsarbeit des DSB – durfte dann aber mitansehen, wie der Spanier Luis Miguel de la Torre seinen Pfeil neben die Scheibe setzte und seine Mannschaft zurückfallen ließ.

Dadurch kam das DSB-Trio mit einem Vorsprung von 151:141 auf die Zielgerade und auch im letzten Durchgang ließen die deutschen Schützen die Spanier nicht mehr herankommen. Mit 204:197 ging der Sieg an die deutsche Auswahl, die nun im Halbfinale gegen Schweden stand.

Dieses Match hatte seine entscheidende Phase in der Eröffnung, denn die Skandinavier um mehrfachen Weltmeister Morgan Lundin zogen frühzeitig davon und nach einem 53:38 war die Partie nach der ersten Passe bereits entschieden.

Trotz guter Leistungen zum Ende, hatten die Deutschen diesmal gegen den erfahrenen Gegner keine Chancen mehr und mussten sich in die deutliche 192:208-Niederlage fügen. Trotzdem sind die Hoffnungen für Samstag im Kampf um Bronze gegen die Niederlande, die ihrerseits gegen Kroatien mit 197:205 unterlag, durchaus berechtigt.

In der zweiten Runde kam heute Morgen, wie von Bundestrainer Martin Frederick angesprochen, bereits für das deutsche Recurveteam der Herren das Aus gegen Weißrussland. Mit 182:197 fiel die Niederlage auch recht deutlich aus.

Wie in Runde eins gerieten die deutschen Herren zunächst einmal in Rückstand. 44:47 hieß es nach den ersten sechs Pfeilen. In der zweiten Passe kämpften sich Michael Frankenberg (Hagen a.T.W./Foto rechts), Peter Sach (Falkensee/Foto links) und Christian Weiss (Erbach/Foto Mitte) an die weißrussische Auswahl heran und mit 95:96 ging man optimistisch in die zweite Hälfte des Wettkampfes.

Eine Drei im ersten Schuss der dritten Passe von Michael Frankenberg ließ jedoch das deutsche Team zurückfallen. Nach dem dritten Durchgang hatte man jedoch aufgrund der stürmischen Verhältnisse im olympischen Reiterstadion von Athen noch Hoffnung, denn der 141:145-Rückstand war bei ein wenig Glück noch aufzuholen.

Nach zwei Sechsern von Michael Frankenberg anfangs der letzten Passe war das deutsche Team jedoch aussichtslos in Rückstand, zumal die Weißrussen, die in Runde eins die favorisierten Schützen aus der Ukraine bezwingen konnten, sich keine Blöße mehr gaben und ihren Wettkampf konstant durchzogen.

Die deutschen Herren zuvor ihre erste Runde der Direktausscheidung gut überstanden. Mit 188:184 bezwangen die Mannschaft aus Polen. Es war ein spannender Wettkampf, denn das DSB-Trio geriet nach der ersten Passe mit 47:49 in Rückstand. Die Polen konnten ihren Vorsprung nach den zweiten sechs Pfeilen – seit diesem Jahr werden in der Direktausscheidung 4 x 6 Pfeile geschossen – sogar auf 94:91 erhöhen.

Die zweite Hälfte dieser Begegnung gehörte aber dann dem Team des Deutschen Schützenbundes. Bei starkem Wind zeigten die drei Schützen eine konstante Leistung, während sich das polnische Team drei Sechser erlaubte und mit 139:143 in Rückstand geriet.

Gleich in der letzten Passe sorgte Michael Frankenberg mit seinem ersten Schuss für Sicherheit. Mit 9:5 im Direktvergleich mit seinem polnischen Kontrahenten verdoppelte der Olympiateilnehmer von Athen 2004 den Vorsprung der deutschen Auswahl gleich noch einmal.

Peter Sach verlor zwar wieder zwei Ringe, doch nach einer Zehn und einer abschließenden Fünf von Christian Weiss stand fest, dass das deutsche Team im Viertelfinale stand.

Im Finale am Samstag kommt es zum Aufeinandertreffen zwischen Spanien und Weißrussland. Die Weißrussen zeigten auch gegen Großbritannien im Halbfinale eine starke Leistung und bezwangen die Briten mit 201:176. In der anderen Vorschlussrunde schaltete Spanien überraschend den großen Favoriten Italien mit 199:195 aus. Italien und Großbritannien streiten sich nun um Bronze.

Der erste Auftritt der deutschen Compound-Damenmannschaft war gleichzeitig auch der letzte, denn die Holländerinnen besiegten das DSB-Team mit 202:197. Das deutsche Damenteam in der Besetzung Dorith Landesfeind (Felsberg/Foto links), Sabrina Jagemann (Duderstadt/Foto Mitte) und Andrea Weihe (Saalfeld/Foto rechts) hatte nach einem Freilos in der ersten Runde der Direktausscheidung mit dem Vizewelt- und europameister eine äußerst schwere Hürde vor sich. „Wir haben die Holländer oft genug geschlagen, erst vor kurzem beim Grand Prix in Sassari, da gehen wir ganz optimistisch in das Match“, so Coach Falk Thiele vor der Begegnung, die sich jedoch von Beginn an zugunsten der Niederländerinnen entwickelte.

47:52 aus Sicht der deutschen Mannschaft hieß es nach dem ersten Durchgang und in der zweiten Passe fiel dann auch schon die Vorentscheidung, als Dorith Landesfeind, die als letzten deutsche Schützin an der Linie stand, wegen des böigen Windes unter Zeitdruck geriet und nicht mehr sauber den Pfeil auf die Scheibe bringen konnte. Mit einer Eins und einem 93:104-Zwischenstand war diese Partie praktisch gelaufen.

Anschließend zeigten beide Mannschaften trotz der widrigen Witterungsbedingungen gute Leistungen, die deutsche Auswahl holte sogar noch einmal nach der dritten Passe mit 146:151 auf, doch der Vorsprung der Holländerinnen war nicht mehr zu egalisieren.

Das Fazit des Trainers: „Es war heute hier ein reines Lotteriespiel und diese Lotterie haben wir gegen Holland mit einem einzigen Pfeil leider verloren. Da konnte Dorith überhaupt nichts machen, denn als sie den Bogen hochnahm, hatte sie gerade zur Abgabe des Schusses noch neun Sekunden Zeit. In diesen neun Sekunden gab es nicht einmal die Chance, sauber zu schießen. Wir waren ja froh, dass der Pfeil überhaupt noch die Scheibe getroffen hat. In dieser Situation hat die Schützin einfach keine andere Wahl. Sie musste den Schuss abgeben.“

Italien und Russland stehen sich am Samstag um Gold gegenüber. Die Italienerinnen bezwangen die Holländerinnen im Semifinale mit 207:197 und Russland siegte gegen Frankreich mit 206:189. Um Bronze geht es damit zwischen den Niederlanden und Frankreich.

Die kompletten Resultate der Europameisterschaften der Bogenschützen in Athen finden Sie nach Abschluss der jeweiligen Wettkämpfe hier.