Deutsche Meisterschaften
DM Vorderlader Hannover & Wiesbaden: 44 Titel wurden vergeben
31 Einzel- und neun Teamentscheidungen in Hannover mit Gewehr und Pistole sowie zwei Einzel- und zwei Teamentscheidungen in Wiesbaden mit der Flinte. Es war mächtig was los am vergangenen Wochenende, denn die besten Vorderladerschützen Deutschlands traten zu ihren Deutschen Meisterschaften an.

In Hannover rauchte und knallte es drei Tage lang. Dabei standen natürlich die kommenden WM-Teilnehmer im Fokus, die im August bei der WM in Eisenstadt/AUT (17.-22.) Medaillen gewinnen sollen. Dass die Dichte an starken Vorderladerschützen hoch ist, zeigten aber u.a. zwei Titelträger, die nicht bei der WM dabei sind: Michael Emmerling siegte mit dem Perkussionsgewehr in der Herren I-Klasse deutlich, denn seine 149 Ringe bedeuteten einen Abstand von drei Ringen zu den Verfolgern. Dabei dachte er zunächst an einen Fehlstart: „Nach dem ersten Schuss hatte ich eine falsche Anzeige, es war aber doch eine Zehn.“ Dass dann ausgerechnet der letzte Schuss nicht im Zentrum landete – Schwamm drüber: „Der letzte Schuss war ein bisschen ärgerlich, dass er vorbeigegangen ist, insgesamt war es aber echt cool.“ Zumal er tags zuvor bereits Bronze mit dem Dienstgewehr stehend über 50m geholt hatte: „Ich hatte meine Medaille schon sicher!“
Auch Kiara Baumhakl ist nicht beim internationalen Saison-Höhepunkt dabei, doch in Hannover zeigte sie in ihrer Lieblingsdisziplin, dem Perkussionsgewehr, zu was sie fähig ist: Ihre 146 Ringe waren von keiner anderen Frau zu toppen, drei Ringe Rückstand lagen am Ende zwischen Baumhakl und der Zweit- und Drittplatzierten: „Das war für mich ein sehr gutes Ergebnis, ich bin sehr glücklich. Ich war aufgeregt, hatte aber ein gutes Gefühl.“ Dabei half ihr ein Trick: „Ich denke mir ein Lied aus, und das spiele ich mir im Kopf vor und dann Schuss für Schuss im Takt.“ Baumhakl ist erst 24 Jahre jung und hat deshalb noch viel vor: „Ich möchte so viele DM-Titel holen wie möglich und irgendwann auch an einer WM oder EM teilnehmen – das hat dieses Jahr leider nicht geklappt. Die Chance wäre da gewesen, aber ich habe sie nicht genutzt.“
Und damit zu einer Schützin, die reichlich Erfahrung hat und sage und schreibe 20 (!) WM-Titel ihr eigen nennt: Tania Heber lieferte sich mit dem Perkussionsgewehr 100m in der Herrenklasse III ein packendes Duell mit WM-Kollegin Ute Gretz. Am Ende entschieden Millimeter zugunsten von Gretz: „Der schlechtestes Wertungsschuss wird ausgemessen, mein Neuner war 45,7 mm und ihrer 38,2 mm vom Zentrum entfernt!“ Frustriert war sie darüber keineswegs: „Das hat nichts mit mir gemacht, ich freue mich, wenn ich auf das Stockerl komme, zumal zwei Damen obenstanden.“ Und ihren Titel holte sie sich einen Tag später mit Steinschlossgewehr 100m liegend in der offenen Klasse mit 138 Ringen. Die Erfolge sind kein Selbstläufer, sondern Folge harter Trainingsarbeit („Ich trainiere viel!“), und das, obwohl sie vor 30 Jahren erst mit dem Sport gefremdelt hatte: „Ich habe mit Luftgewehr angefangen, dann hat jemand im Team beim Schwarzpulver gefehlt, und ich wollte erst nicht, „weil man da dreckig wird!“ Der Rest ist bekannt.

Die WM-Starter Franz Lotspeich und Armin Grübl holen sich die Einzeltitel
Bei der vierten Auflage der DM mit der Vorderlader-Flinte in Wiesbaden waren es die Routiniers die die Einzeltitel gewannen. Mit der Perkussionsflinte traf Franz Lotspeich von der SG Pforzheim 47 der 50 geworfenen Scheiben und lag damit knapp vor einer Fünfergruppe, die alle 46 Scheiben trafen. Im Stechen um die weiteren Medaillen setzte sich mit 10 Treffern Uwe Heicker aus Quickborn durch und gewann Silber. Mit 9 Treffern folgte Armin Grübl von den Wurftaubenschützen Donau-Wald auf dem Bronzerang.
Für Ansgar Kösters (Hegering Haren), Martin Seder (Mittelbayern) und Ralf Marek (Pforzheim) blieben mit 6 bzw. 5 Treffern im Stechen nur die Plätze neben dem Treppchen. Ihren ersten Mannschafstitel in Wiesbaden gewannen die Schützen vom Verein für jagdliches Schießen im Hegering Haren. Ansgar Kösters, Roland Robben und Dirk Willms trafen gemeinsam 131 Scheiben und lagen damit drei Scheiben vor der SG Pforzheim, die von Franz Lotspeich, Frank Waidner und Alexander Scheible vertreten wurde. Platz drei ging an den Vorjahressieger Wurftaubenschützen Donau-Wald. Sabrina Rager, Armin Grübl und Karl Jakob kamen auf 126 Scheiben.
Mit der Steinschossflinte holte sich Armin Grübl nach einer perfekten 25er Schlussrunde noch den Titel mit zwei Scheiben Vorsprung. Nach der ersten Runde lag er mit 20 Scheiben nur im Mittelfeld, konnte aber mit seinem Endspurt noch acht Mitbewerber um dem Titel überholen. Das Stechen um die Silbermedaille gewann Günter Hörmeyer vom Verein für jagdliches Schießen im Hegering Haren gegen Uwe Heincker aus Quickborn. Beide trafen 44 Scheiben. Den vierten Platz teilten sich mit 43 Scheiben Henry Herper aus Klötze, Martin Seder aus Mittelbayern und Alexander Scheible aus Pforzheim. Sehr knapp ging die Teamwertung aus. Gleichauf mit 119 Scheiben lagen die SG Pforzheim und der SV Sulzdorf-Hessental. Die Pforzheimer mit Ralf Marek, Frank Waidner und Alexander Scheible gewannen Gold auf Grund der besseren letzten Runde. Für Franz Lotspeich, Fritz Ludwig und Siegfried Laidig blieb Silber. Die Wurftaubenschützen Donau-Wald gewann in gleicher Besetzung wie bei Perkussion ihre zweite Bronzemedaille.
Insgesamt stand die Meisterschaft in diesem Jahr unter keinem guten Stern. Zehn Absagen in beiden Disziplinen, Aufgaben aus gesundheitlichen Gründen, Probleme mit der Abrufanlage und kurz vor Schluss noch ein Maschinendefekt sorgten für keine gute Stimmung und ließen den Ruf lauter werden, die nächste Meisterschaft wieder gemeinsam mit der Kugeldisziplinen auszutragen. Die Differenz von 300 km nach Hannover lässt zudem keine Doppelstarts zu. Die Aufgabe: einen Austragungsort zu finden, wo Schrot und Kugel wieder gemeinsam durchgeführt werden können.
(Michael Eck/EB)
