Jugend

DSB-Kadetten Weltmeister und Vizeweltmeister

24.07.2004 00:00

Die Abschlusswettbewerbe bei den Weltmeisterschaften der Nachwuchs-Bogenschützen in Lilleshall (Großbritannien) hatten es aus deutscher Sicht in sich. Die Kadetten männlich und weiblich standen im Goldfinale und jeweils ging es gegen China. Die Jungen gewannen das Match ganz knapp mit 243:242, die Mädchen mussten sich den Chinesinnen mit 228:243 beugen.

 

In der Besetzung Kai Müller (Fellbach), Bastian Neusius (Rehlingen) und Christian Weiss (Erbach) hatten die deutschen Bogenschützen gegen China nach der ersten Passe im Finale zunächst weit hinten gelegen, kämpften sich aber dann in der zweiten Serie von neun Pfeilen auf einen nur noch knappen Rückstand von 161:162 an die Schützen aus Fernost heran, bevor es nach der abschließenden Passe zunächst nach einem Gleichstand von 242:242 aussah, dann aber das Resultat auf 243:242 für das DSB-Team geändert wurde. Grenzenloser Jubel beim deutschen Anhang über den Weltmeistertitel. Bronze gewann die Ukraine durch ein 251:228 gegen Russland.
 
Auch die weiblichen Kadetten schlugen sich hervorragend, denn sie gestalteten in der Besetzung Lisa Unruh, Elena Richter (beide Berlin) und Eva Müller (Röthenbach) das Finale zunächst völlig offen. Selbst nach der zweiten Passe stand es 151:151 und niemand konnte den Ausgang im Match um Gold und Silber voraussagen. Doch in der dritten Passe zogen die jungen Chinesinnen davon und am Ende war der Vorsprung mit 243:228 deutlich. Trotzdem ist der Gewinn der Silbermedaille ein ganz ausgezeichnetes Ergebnis für die Schützlinge von Recurve-Nachwuchstrainer Martin Frederick. Dritter wurde in diesem Wettbewerb mit einem 235:228-Erfolg Russland über Italien.
 
Martin Frederick war voller Lob für das gesamte Team: „Beide Teams haben heute volle Konzentration gezeigt und ein großartiges Engagement. Die Jungs waren eigentlich schon bereit zum Stechen, aber als das Resultat zu unseren Gunsten dann geändert wurde, lagen wir uns alle in den Armen.“
 
Nach den Mannschaftsentscheidungen der älteren Juniorinnen und Junioren stand das Team der Recurveschützinnen als Einzige auf dem Medaillentreppchen. An Position zwei gesetzt wurde zunächst die Türkei mit 235:200 besiegt, danach folgte ein 230:222-Erfolg gegen Japan bevor es im Halbfinale gegen China eine 216:221-Niederlage setzte. Im kleinen Finale um Bronze waren die jungen Damen aus Deutschland dann aber wieder oben auf und sicherten sich die Bronzemedaille durch ein 234:220 gegen Taiwan. Gold gewann Südkorea durch eine 250:229-Lehrstunde gegen China.
 
Bei den Junioren scheiterte das DSB-Team in der ersten Runde durch eine 230:235-Niederlage an Polen. Südkorea wurde auch hier wieder Weltmeister durch ein klares 253:241 gegen Indien. Die Bronzemedaille ging an Australien durch einen 248:239-Sieg über Frankreich.
 
Ein Erstrunden-Aus auch bei den Juniorinnen im Compoundbogen, wo Frankreich mit 234:220 die Oberhand behielt. Es siegten die USA mit 245:216 gegen Kanada, im Bronzefinale setzte sich Frankreich gegen Italien mit 232:228 durch.
 
Durch Freilos in die zweite Runde gelangte das deutsche Juniorenteam, aber auch hier blieb der erste Gegner, die Schützen aus Taiwan, gleichzeitig der Letzte, denn mit 237:255 ging diese Begegnung verloren. Diesmal gewann Kanada gegen die USA im Goldfinale mit 250:248 und Dänemark gewann Bronze durch einen 246:243-Sieg gegen Deutschland-Bezwinger Taiwan.
 
Darüber hinaus konnten die Teilnehmer des Deutschen Schützenbundes nach der gestrigen Silbermedaille durch den Compoundjunior Paul Titscher (Glindow) weiteres Edelmetall sammeln. Lisa Unruh (Berlin) und Kai Müller (Fellbach) gewannen in den Einzelwettbewerben bei den Kadetten im olympischen Recurvebogen jeweils die Bronzemedaille.
 
Hatte Lisa Unruh in der ersten Runde im Einzelwettbewerb des Recurvebogen noch ein Freilos, traf sie in der nächsten Runde auf Natalia Mazina (Ukraine), die in der Auftaktrunde Eva Müller (Röthenbach) bezwingen konnte und damit aus dem Rennen warf. Gegen Lisa Unruh hatte die Schützin aus der Ukraine jedoch mit 150:161 das Nachsehen und auch Janeth Garcia (Mexiko) musste sich der Berlinerin in der nächsten Runde mit 167:169 beugen.
 
Im Viertelfinale schaltete sie danach auch Lucie Tymkivova (Tschechische Republik) mit 107:105 aus und erst die an Nummer zwei gesetzte Li-wen Tzeng (Taiwan) war für Lisa Unruh eine zu hohe Hürde. Die Taiwanesin siegte aber nur ganz knapp mit 109:108 und kam damit ins Goldfinale, während die 16-jährige aus der deutschen Hauptstadt ins kleine Finale um Bronze einzog, wo sie gegen Ekaterina Karkanowa (Russland) mit 112:111 gewinnen konnte und die Bronzemedaille bekam.
 
Das Finale um Gold gewann Carla Frangilli (Italien) mit 109:104 gegen Li-wen Tzeng und wurde damit Weltmeisterin. Die dritte deutsche Starterin, Elena Richter (Berlin), verlor in der zweiten Runde gegen Yeliang Chen (China) mit 152:165, nachdem sie in der Eröffnungsrunde Anne Babyak (Ukraine) nach einem Stechen bei 147:147 Gleichstand ausgeschaltet hatte.
 
Kai Müller schaltete nacheinander mit guten Leistungen Armando Jusino (Puerto Rico/156:142), Hsin Iun Yang (Taiwan/165:159) und Calvin Hartley (Südafrika/167:159) aus, bevor es im Viertelfinale zu einem ganz engen Match gegen Milan Andreas (Tschechische Republik) kam. 109:109 stand es nach Ende der regulären Begegnung und ein Stechen musste die Entscheidung bringen.
 
Der Württemberger traf die Zehn, während Milan Andreas eine Neun erzielte und damit war der Weg für Kai Müller ins Semifinale frei. In dieser Vorschlussrunde stand mit dem nach der Qualifikationsrunde Erstplatzierten Wenyuan Chen (China) jedoch ein ganz schwerer Gegner. Kai Müller schlug sich tapfer, konnte aber den hauchdünnen 109:108-Erfolg des Schützen aus Fernost nicht abwenden.
 
Im kleinen Finale um Bronze war dann das nötige Glück wieder auf der Seite des Deutschen, der Tommaso Moccia (Italien) mit 111:110 besiegte und sich damit über die Bronzemedaille freuen konnte. Den Weltmeistertitel holte sich in einem äußerst spannenden Match Wenyuan Chen gegen Yurij Havelko (Ukraine), denn auch im Kampf um Gold und Silber musste ein Shoot-off herhalten, um den Sieger zu bestimmen. Der Chinese traf eine Zehn, der Junge aus der Ukraine eine Acht und damit war die Partie entschieden.
 
Für Christian Weiss kam das Aus nach seinem Auftakterfolg gegen Juuso Huhtala (Finnland/154:151) in der zweiten Runde gegen Milan Andreas (153:164) und der Tscheche setzte auch dem Weiterkommen von Bastian Neusius im Achtelfinale mit 164:162 ein Ende, nachdem der Niedersachse zuvor Adam Bas (Polen/160:154) sowie Daniel Torres (Spanien/168:161) ausgeschaltet hatte.
 
Das abschließende Fazit von Martin Frederick: „Das war die erfolgreichste Nachwuchs-Weltmeisterschaft, die wir je hatten. Sechs Medaillen mit nach Hause zu bringen ist eine tolle Ausbeute.“

Alle Ergebnisse der Nachwuchs-WM im Bogenschießen finden Sie hier.