Allgemeines

DSB: "Wir benötigen Glück und einen guten Lauf!"

16.02.2026 09:35

Rückwirkend seit dem 1. Januar 2026 ist Holger Hertkorn zum ersten Bundestrainer Bogen Compound im Deutschen Schützenbund ernannt worden. Der 54-Jährige ist extrem motiviert und will es mit einem Mixed-Team zur olympischen Premiere in Los Angeles 2028 schaffen, wie er im Interview verrät.

Foto: Lisa Pickl / Holger Hertkorn, Bundestrainer Compound, will 2028 bei der olympischen Premiere mit einem Team dabei sein.
Foto: Lisa Pickl / Holger Hertkorn, Bundestrainer Compound, will 2028 bei der olympischen Premiere mit einem Team dabei sein.

Wie waren die Reaktionen in deinem Umfeld, dass du zum Bundestrainer Compoundbogen ernannt wurdest?
Hertkorn: „In meinem privaten Umfeld wussten das natürlich viele Personen im Vorfeld. Darüber hinaus haben mir viele Bekannte aus der Bogensportszene geschrieben, gratuliert und viel Glück gewünscht.“

Du bist seit 2015 der verantwortliche Trainer im Compoundbereich. Wie hoch hast du die Chance eingeschätzt, dass Compound irgendwann olympisch wird?
Hertkorn: „Als ich angefangen habe, stand das gar nicht im Raum. Die Hoffnung kam erstmals, als erste Gerüchte aufkamen, dass es in Paris 2024 in das Programm aufgenommen wird. Umso größer war die Enttäuschung, als es abgelehnt wurde. Die Hoffnung war dann immer da, dass es aber nicht einfach wird und andere Disziplinen Plätze abgeben müssen, war auch klar. Und deshalb habe ich die Chance gar nicht als so hoch eingeschätzt.“

Welche Auswirkungen hat die Tatsache, dass Compound 2028 erstmals olympisch wird? Was erhoffst du dir?
Hertkorn: „Ich erhoffe mir auch an der Basis einen Aufschwung. Da ich ja auch auf Landesverbandsebene unterwegs bin, werde ich nun vermehrt von Landesverbänden angesprochen. Sie wollen etwas aufbauen bzw. haben sich Leute geholt, die vom Compound Ahnung haben. Entweder bilden sie sich selbst fort oder holen sich Experten und bauen nach und nach Landeskader Compound auf. Das ist natürlich eine Grundvoraussetzung für mich: Nachwuchs muss kommen und hoffentlich greifen mehr und mehr zum Compoundbogen.“

Wie sieht es bei deinen Athleten aus? Ist so etwas wie ein Ruck durch das Team gegangen?
Hertkorn: „Ja! Die Kaderathleten, die jetzt am Start sind, haben Bock drauf. Die, die das nicht auf der Ebene machen wollten, sind nicht mehr dabei. Wir versuchen jetzt, Athleten auch in professionelle Strukturen mit Plätzen bei der Bundeswehr, Bundes- oder Landespolizei zu bekommen. D.h. sie sind bereit, Gas zu geben und sich zu professionalisieren. Einer hat das schon vorher gemacht, der hat sein Studium gestreckt und verwendet Zweidrittel seiner Zeit für das Bogenschießen. Wir suchen und finden hoffentlich den einen oder anderen Weg, professionelle Strukturen zu schaffen, denn ohne das wird es nicht gehen.“

Im vergangenen Jahr gelangen einige viel beachtete Erfolge: Zwei WM-Titel im Nachwuchsbereich, zudem Weltcup-Silber in Antalya. Wo steht der deutsche Compoundsport im internationalen Vergleich?
Hertkorn: „Wir halten Anschluss an die Weltspitze. Auch wenn die beiden WM-Titel durch Ruven Flüß (U21) und Simon Moritz (U18) im Nachwuchsbereich gezeigt haben: Wir waren 2025 die Besten. Aber auch sie müssen sich bei den Erwachsenen etablieren, und von den Ergebnissen her sind sie im Juniorenbereich gut, aber im Erwachsenenbereich müssen sie noch eine Schippe drauflegen. Von daher bin ich guter Hoffnung, dass sie es reißen können, wenn sie dranbleiben. Das Problem: Es sind beides Jungs, ich benötige auch noch Mädchen dazu. Da sind wir dran. Silber in Antalya durch Katharina Raab & Paolo Kunsch war eine Sensation, aber da gehört natürlich auch eine Portion Glück dazu. Anders als Nationen wie Korea oder USA, die immer eine Medaille holen, können wir das noch nicht garantieren. Wir benötigen Glück und einen guten Lauf, dann ist alles möglich. Aber dass wir Mitanwärter und im Favoritenkreis sind, das dauert noch eine Weile.“

Ist es realistisch, bis Los Angeles den Rückstand aufzuholen?
Hertkorn: „Ehrlich gesagt, glaube ich nicht, dass wir das Niveau so heben können, dass wir immer vorne mitspielen. Aber ich denke, dass wir bei einer der verschiedenen Qualifikationsmöglichkeiten die Chance haben. Es wird eine sehr schwierige Aufgabe, der Modus ist raus und das bedeutet: Du musst eine WM-Medaille gewinnen, Europameister werden, einen der drei Plätze über die Weltrangliste erreichen oder Sieger des letzten Quotenplatzturniers werden. Es ist ambitioniert, es gehört auch das Quäntchen Glück dazu, aber wir werden es auf jeden Fall angehen.“

Wo bist du im Juli 2028?
Hertkorn: „In Los Angeles! Da gehe ich stark von aus.“