International

Erstes WM-Finale ohne deutsche Beteiligung

23.07.2006 00:00

Beim ersten Finale der Weltmeisterschaften 2006 im Sportschießen in Zagreb (Kroatien) werden keine Vertreter des Deutschen Schützenbundes in die Entscheidung um die Medaillen eingreifen können. Mit der Luftpistole waren Hans-Jörg Meyer (Wolfenbüttel/Foto rechts), Abdullah Ustaoglu (Riegel) und Frederic Dzierzon (Marpingen) doch einige Ringe zu weit hinter den besten Acht, die nach dem Vorkampf im Finale standen.

 

Abdullah Ustaoglu erreichte 576 Ringe, damit den 30. Rang, war mit dieser Platzierung bester deutscher Schütze und war mit seinem Wettkampf trotzdem nicht zufrieden: „Ich hatte Probleme mit den Lichtverhältnissen. In der Halle war es generell zu dunkel, dafür war die Scheibenbeleuchtung um einiges zu hell und über den Schützen waren Lampen so angebracht, die sie mich beim Wettkampf erheblich störten und teilweise sogar ins Auge schienen. Ich hatte den gesamten Wettkampf mit der Visierung zu tun.“

Hans-Jörg Meyer erzielte 575 Ringe und wurde damit im Gesamtklassement auf Platz 33 notiert, während Frederic Dzierzon bei seinem ersten großen internationalen Auftritt in der Erwachsenenklasse auf 573 Ringe und den 56. Rang kam.

„Auf diese Hitze war ich nicht eingestellt“, so der erste Kommentar von Hans-Jörg Meyer nach seinem Wettkampf, der in einem Zelt stattfand, in dem gute 40 Grad herrschten, „normalerweise schwitze ich nicht einmal in der Sauna, aber hier ist mir das Wasser während des Wettkampfes so nur heruntergelaufen. Ich konnte machen, was ich wollte, ich musste mir immer wieder über die Augen wischen. Das hat vor allem in der Anfangsphase unheimlich gestört und es war ein unangenehmes Gefühl.“

Bundestrainer Peter Kraneis konnte sich jedoch mit den Begründungen nicht richtig anfreunden: „Alle Schützen haben hier die gleichen Bedingungen, die zwar nicht ideal sind, aber das betrifft ja Jeden, der hier antritt. Natürlich ist die Luft hier im Zelt eine Katastrophe, man schwitzt sofort, wenn man hier reinkommt, aber dies kann genau wie die Beleuchtung nicht als Grund für das Ergebnis herhalten, ich halte das für Ausreden.

Wir haben bei diesen Witterungsbedingungen trainiert und haben gewusst, was uns hier erwartet. Die anderen schießen auch über 580 Ringe und daher kann ich mit den Leistungen vor allem von Hans-Jörg und Abdullah nicht zufrieden sein. Für beide erfahrenen Schützen hatten wir 580 Ringe angepeilt und damit haben sie heute im Wettkampf ihre gewohnte Leistung nicht gebracht, das muss man so eindeutig sagen. Den jungen Frederic Dzierzon will ich einmal ausnehmen, denn er hat mit nur zwei Ringen weniger als die routinierten Schützen einen guten Wettkampf gezeigt, obwohl er auch eigentlich höher schießen kann.“

In Führung nach der Qualifikation lag mit 584 Ringen Wie Pang (China) vor Michail Nestrujew (Russland/583 Ringe) und Viktor Makarow (Ukraine/583 Ringe). Wladimir Gontscharow (Russland/Foto), aus der Bundesliga vom Deutschen Meister SGI Waldenburg bestens bekannt, erreichte mit 581 Ringen als Achter noch die Endrunde.

Im Finale kam es dann vor den Augen von IOC-Präsident Jacques Rogge, der schon gestern bei der Eröffnungsfeier zugegen war, zu einem Zweikampf zwischen dem führenden Chinesen und dem Viertplatzierten Jakkrit Panichpatikum (Thailand), der schnell seine zwei Ringe Rückstand auf Pang aufholte und dem Schützen aus dem Gastgeberland der Olympischen Spiele 2008 bedrohlich nah kam.

Im achten Durchgang fast die große Überraschung, denn nach einem Vorsprung von nur noch 0,4 Ringen, gelang es dem Thailänder, an Pang vorbeizuziehen, der allerdings im vorletzten Durchgang sofort konterte und im zehnten und abschließenden Schuss seine Führung verteidigte.

Erster Weltmeister in Zagreb 2006 damit also Wie Pang (683,8 Ringe) vor Jakkrit Panichpatikum (683,0 Ringe) und Wladimir Gontscharow (681,1 Ringe), der sich vom achten Rang nach der Qualifikation noch auf den Bronzeplatz vorkämpfte.

Die Mannschaftswertung gewann China (1747 Ringe) vor Russland (1745 Ringe) und Frankreich (1733 Ringe). Das Team des Deutschen Schützenbundes belegte mit 1724 Zählern den 13. Platz.

Bei den Junioren sicherte sich ebenfalls China (1726 Ringe) den Mannschaftstitel vor Russland (1717 Ringe) und Indien (1716 Ringe). Das DSB-Trio kam in der Besetzung Florian Brunner (Freiberg/Foto), Dominik Sänger (Schrecksbach) und Florian Schmidt (Frankfurt/Oder) mit 1703 Zählern auf Rang sechs.

Im Einzelwettbewerb kam Florian Brunner mit 572 Ringen als bester DSB-Schütze auf Rang elf. Dominik Sänger wurde mit 569 Zählern auf Rang 23 notiert und Florian Schmidt belegte mit 562 Ringen den 46. Platz. Der neue Weltmeister heißt Qifeng Pu (China/580 Ringe), der sich gegen Daemyung Lee (Südkorea/578 Ringe) und seinen Mannschaftskollegen Jiajie Mai (China/578 Ringe) durchsetzen konnte.

Julia Hochmuth (Ludwigsburg) zeigte bei den Juniorinnen einen ausgezeichneten Wettkampf und hätte sich bei anderen internationalen Wettbewerben für das Finale qualifiziert. Da bei Weltmeisterschaften für den Nachwuchs kein Finale ansteht, platzierte sie sich mit 379 Ringen auf Rang sechs.

Stefanie Baur (Dettenschwang) folgte mit 376 Ringen auf dem 17. Platz und Martina Peter (München) komplettiert das deutsche Juniorinnentrio mit 371 Ringen und Platz 35. Die Goldmedaille ging an Brankica Zaric (Serbien und Montenegro/384 Ringe) vor Weiwei Liu (China/384 Ringe) und Harven Srao (Indien/382 Ringe).

Das deutsche Team wurde mit 1126 Ringen Sechste in der Mannschaftswertung. Auch hier siegte China (1139 Ringe) vor Südkorea (1132 Ringe) und Serbien und Montenegro (1130 Ringe).

Junioren-Bundestrainerin Bärbel Georgi mit dem Fazit: „Julia Hochmuth (Foto unten) hat einen sehr guten Wettkampf geschossen, obwohl sie das Pech hatte, gleich in der ersten Serie eine Sechs zu schießen. Im Training hatte sie an sich und ihrer Technik gezweifelt, daher ist es jetzt umso schöner, dass sie so ein hohes Ergebnis geschossen hat. Damit bin ich sehr zufrieden. Steffi hat mit ihren 376 Ringen ein Resultat erzielt, das ihrem Leistungsvermögen entspricht, sie hat in den vergangenen Wochen sehr konstant geschossen und Martina ist jetzt so kurz nach dem Wettkampf noch etwas aufgelöst, aber sie hatte in Polen bei unserem letzten Test sehr gut geschossen und daher waren die Erwartungen an sich selbst bei ihr sehr hoch. Es ist aber kein Totaleinbruch, sondern da eine Sieben in ihrem Gesamtergebnis in der Mitte steht, kann ich gut damit leben.

Bei den Junioren ist Florian Brunner unser Bester, der allerdings sogar noch mehr zu leisten imstande ist. Wir wollten auf jeden Fall bei ihm über 570 Ringe und das hat er geschafft. Dominik Sänger hat sich ein gutes Gesamtergebnis mit der letzten Serie verdorben. Da hat er sicher schon an das Ende gedacht, gemerkt, dass er einen hervorragenden Wettkampf bis dahin abgeliefert hatte und dann kam eine kleine Schwächeperiode mit 91 Ringen zum Schluss. Florian Schmidt hat hier seinen ersten großen Wettkampf absolviert, aber er ist sowieso ein stärkerer Schütze mit der Freien Pistole, die morgen folgt.“

Die kompletten Resultate Weltmeisterschaften 2006 in Zagreb finden Sie nach Abschluss der jeweiligen Wettkämpfe hier.