Allgemeines

Festakt als Höhepunkt des DSB-Jubiläums

10.07.2011 18:25

Der Festakt zum 150-jährigen Jubiläums des Deutschen Schützenbundes war Höhepunkt der dreitägigen Veranstaltung am Gründungsort in Gotha. Im früheren Schützenhof, der heutigen Stadthalle, wo Herzog Ernst II. von Sachsen-Coburg und Gotha am 11. Juli 1861 den heute viertgrößten deutschen Spitzensportverband ins Leben rief, feierten zahlreich Gäste aus Politik, Wirtschaft und Sport zusammen mit dem Präsidium und den Landesverbänden des DSB den 150. Geburtstag.

 

DSB-Präsident Josef Ambacher (Foto Mitte) begrüßte zahlreiche Gäste, unter ihnen Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (Foto links) und die Ministerpräsidentin von Thüringen Christine Lieberknecht (Foto rechts) und sagte zur Eröffnung in seiner Ansprache: „Das Wissen um die eigene Herkunft ist ohne Frage von besonderer Bedeutung – sicherlich nicht nur am heutigen Tag. Denn: Die Geschichte des Deutschen Schützenbundes ist unser gemeinsames Fundament und zugleich ein wichtiger Wegweiser für die gelingende Zukunft unseres Verbandes.

Mir liegt viel am Deutschen Schützenbund, seinen Sportarten und Disziplinen sowie den 1,4 Millionen Mitgliedern unter seinem Dach. Aber ich sage auch: Wenn wir von der Zukunft unseres Verbandes sprechen, dann sprechen wir von großen Herausforderungen, die vor uns liegen und von uns gelöst werden wollen. In vielen Bereichen geht es uns ganz ähnlich wie anderen Sportverbänden:

Die demographische Entwicklung spüren wir ebenso deutlich wie die stetig zunehmende Konkurrenz der Sport- und Freizeitindustrien. Die wirtschaftliche Situation der Eltern, die immer voller werdenden Stundenpläne der Kinder und Jugendlichen tun schließlich das Ihre dazu, dass das Vereinsleben einer sicherlich nicht leichten Zukunft entgegensieht – auch das ist ein Grund, warum wir uns seit einiger Zeit besonders intensiv um das Thema Mitgliederentwicklung kümmern.

In anderen Bereichen hat der Deutsche Schützenbund natürlich eigene Herausforderungen zu bewältigen, die ein anderer Sportverband so nicht kennt. Und da schicke ich eines voraus: Dem Deutschen Schützenbund sind alle seine schießsportlichen Disziplinen wichtig, egal ob sie olympisch oder nicht-olympisch ist, egal ob Luftruck-, Kleinkaliber- oder Großkaliberdisziplinen. Sie alle gehören zum Deutschen Schützenbund und sind ein wichtiger Bestandteil des Schützenwesens in Deutschland.

Ich betone aber auch: Wir stellen uns den waffenrechtlichen Themen in unserer Gesellschaft. Der sichere, verantwortungsvolle und vor allem gesetzeskonforme Umgang mit unseren Sportgeräten hat höchste Priorität. Dabei bin ich Herrn Bundesinnenminister Friedrich sehr dankbar für die gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit! Ich wünsche mir auch weiterhin einen angemessenen, sachorientierten Dialog auf diesem Gebiet.

Am Tag des Jubiläums unseres Verbandes stehen wir also nicht nur an der Schnittstelle zwischen unserer Geschichte einerseits und der gemeinsamen Zukunft andererseits, sondern auch vor der Frage, wie wir den vor uns liegenden Herausforderungen begegnen. Wir können sie beklagen, wir können wie manch anderer das beliebte „Weiter so!“ anstimmen – oder wir können uns auf das besinnen, was das Schützenwesen seit jeher ausgezeichnet hat: Nämlich die große Integrationskraft unseres Sports und unseres Brauchtums, das besondere Verantwortungsbewusstsein unserer Mitglieder für ihren Sport und unsere Gesellschaft sowie die Begeisterung, die von unserem Sport ausgeht.“

Nachdem Gothas Oberbürgermeister Knut Kreuch die anwesenden Festgäste in Reimen sehr launig begrüßte, trat Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich ans Mikrofon: „Sehr geehrter Präsident Ambacher, Sie sind schon so lange erfolgreich Erster Mann Ihres großen Verbandes, dass ich sagen darf: Sie sind der Helmut Kohl des Deutschen Schützenbundes.“ Großer Applaus folgte an dieser Stelle von den Zuhörern.

Der für den Sport in Deutschland zuständige Innenminister weiter: „Die Schützenvereine in Deutschland sind tief verwurzelt in die Geschichte unserer Städte und Dörfer, sie sind tief verwurzelt in der Tradition und im Brauchtum und sie sind eingebettet in die Voraussetzungen zur Einigung des damaligen Reiches. Die Überlegung vor 150 Jahren war, die Organisationen, die die meisten gesellschaftlichen Kräfte binden würden, das waren damals die Turn und Sportvereine, das waren die Gesangvereine und es waren die Schützenvereine, sie wollte man zu allererst zusammenzuschließen, denn man wollte die Herzen der Menschen im Vorfeld einer möglichen deutschen Einigung gewinnen. Und ist dies nicht ein gutes Vorbild auch für die europäische Einigung? Erst die Herzen der Menschen gewinnen, bevor man Institutionen ins Leben ruft.“

Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht sagte in ihrer Festansprache: „Es ist gut, dass es die Schützen gibt, nicht nur, weil die Leistungssportler aus Ihren Reihen bei Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen große Erfolge feiern können, über die wir uns alle hinter ganz besonders freuen. Gerade bei uns in Thüringen haben wir ja mit dem Schießsportzentrum in Suhl eine erfolgreiche Talentschmiede mit hervorragenden Trainings- und Wettkampfbedingungen stehen.

Aber das Engagement der Schützen geht über den Leistungssport weit hinaus. Sie bringen sich in unsere Gesellschaft ein, denn hinter den Medaillen steht ein unermüdlicher Einsatz, unermüdliche Arbeit, steht das ehrenamtliche Engagement, was ich im „Internationalen Jahr des Ehrenamtes und der freiwilligen Dienste“ ganz besonders betonen möchte und steht auch das Bemühen, jungen Menschen im sportlichen Wettkampf, Disziplin, Ausdauer und Leistungsbereitschaft zu vermitteln. Sportliches Gedankengut, sportliches Kräftemessen trägt entscheidend dazu bei, Gemeinschaftsgeist und Verantwortungsbewusstsein im Verein, aber auch in unserer Gesellschaft insgesamt zu stärken. Auch für diese wichtige Arbeit, die Sie leisten, auch im Hinblick auf die jüngere Generation, meinen ganz herzlichen Dank für Ihre Arbeit.“

Zum Abschluss ergriff der Präsident des Deutschen Schützenbundes noch einmal das Wort: „Der heutige Festakt zum 150-jährigen Gründungsjubiläum war ein bewegendes Ereignis. Er hat gezeigt, welche Bedeutung die Schützinnen und Schützen noch immer für unsere Gesellschaft haben. Sie sind eine feste Größe im Sport und für das Gemeinwohl und darauf können wir zu Recht stolz sein.

Ich danke Ihnen herzlich für Ihr Kommen, ein besonderes Dankeschön richte ich an die Festredner für Ihre angenehmen, konstruktiven Worte an unseren Deutschen Schützenbund.“

Anschließend nahmen die Schützinnen und Schützen am großen Umzug anlässlich des 13. „Thüringentag“ in Gotha teil.