International

„Ganz neues Wettkampferlebnis mit der Schnellfeuerpistole“

01.04.2005 00:00

Die drastischen Regeländerungen des Internationalen Schießsport Verbandes (ISSF) in der Disziplin Schnellfeuerpistole haben bei der 12. Internationalen Schnellfeuerwoche in Wiesbaden ihre Auswirkungen deutlich gezeigt. Zum ersten Mal traten die weltbesten Schützen in diesem olympischen Wettbewerb auf internationaler Ebene nach dem neuen Reglement an, das seit diesem Jahr in Kraft getreten ist.

 

Mit einer normalen Sportpistole und bei nun 1000 Gramm Abzugsgewicht fielen die Leistungen der Topschützen doch recht unterschiedlich aus. „Es ist eine ganz neue Wettkampferfahrung“, so der Europameister von 2001, Klaus-Dieter Schmidt (Lauscha/Foto), „wenn du jetzt nur etwas unkonzentriert bist, hast du bei der 4-Sekunden-Serie gleich acht bis zehn Ringe verloren. Die Waffe verzeiht keine Fehler mehr.“ Klaus-Dieter Schmidt belegte heute mit 569 Ringen den 16. Platz.

Auch Nationalmannschaftsschütze Mario Spangenberg (Oberwallmenach), der nach dem Vorkampf mit 566 Ringen auf Platz 21 notiert wurde, machte sich seine Gedanken zu den Änderungen bei den Sportgeräten: „Die Zeiten der hohen Ergebnisse von früher, wo häufig über 590 Ringe und noch höher geschossen wurde, sind wohl vorerst einmal vorbei. Ich denke, es wird eine Weile dauern, bis wir uns an diesen Maßstab wieder herangekämpft haben. Schließlich gab es die alte Schnellfeuerpistole ja Jahrzehnte.“

Sein Bruder Marco (Foto), amtierender Weltmeister, zeigte jedoch, dass es auch anders geht. Nach 290 Ringen im ersten Halbprogramm stellte der junge Bundeswehrangehörige bei diesem Wettkampf durch seine 295 Ringe im zweiten Halbprogramm mit insgesamt 585 Ringen gleich einen ersten neuen Deutschen Rekord auf und zog als Führender nach dem Vorkampf in das erste Finale ein, das ebenfalls nach neuen Regeln ausgetragen wurde. Waren es früher zwei Serien a fünf Schuss im 4-Sekunden-Rhythmus, müssen die Finalisten zukünftig vier Serien schießen.

Das Finale war spannend bis zum letzten Schuss. Konnte Marco Spangenberg nach der ersten Serie noch seine Führung knapp behaupten, zog der Olympiadritte von Athen, Sergej Alifirenko (Russland), nach der Hälfte der Endrunde an ihm vorbei und hielt seine Spitzenposition bis zum Ende. Sergej Alifirenko gewann den Wettkampf in Wiesbaden mit 782,4 Ringen.

Marco Spangenberg sah bis zum letzten Schuss wie der sichere Zweite aus, überzog dann jedoch die 4-Sekunden-Phase beim letzten Schuss um wenige Hundertstel, so dass dieser Schuss als Null gezählt wurde und fiel damit bei 771,2 Ringen auf Rang fünf zurück. Zweiter wurde somit Alexei Klimow (Russland) mit 776,2 Ringen vor Jan Truelsson (Dänemark), der auf 775,0 Zähler kam. Marcel Goelden (Warburg), der zweite deutsche Finalteilnehmer wurde mit 768,3 Ringen Sechster.

„Ich sehe die Regeländerung ganz positiv, habe mich gut darauf eingestellt und der Wettkampf lief auch so, wie ich ihn mir vorgestellt habe. Es war nicht schwerer als im Training, aber es ist definitiv um einiges schwieriger als früher mit der 22er-kurz. Die Bewegung von Scheibe zu Scheibe wird nicht mehr so routiniert ablaufen können wie vorher. Allein auch durch den Rückstoß kommen immer andere Impulse, mal kommt der Arm von oben, mal von unten, es ist also schon ganz schön hart. Mein Ziel war eigentlich, hier eine Ringzahl von 565 bis 570 Ringen zu erreichen, dass es jetzt mehr geworden ist, freut mich natürlich ganz besonders“, so Marco Spangenberg vor dem Finale.

Auch Marcel Goelden (Foto), der sich über seinen sechsten Rang und seine gute Leistung freuen konnte, resümierte seinen ersten großen Wettkampf mit der neuen Waffe: „Es war sehr spannend und aufschlussreich für mich. Es war eine erste Standortbestimmung gegen einen großen Teil der Weltelite nach der umfangreichen Trainingsphase. Ich bin zufrieden, wobei das Hauptaugenmerk bei mir erst einmal auf der Abstimmung von Waffe und Munition lag. Ich habe sehr gutes Material, bin sehr zufrieden und bei dieser Gelegenheit möchte ich mich auch einmal bei den Schießsportfirmen bedanken, die uns in der Umstellungs- und Trainingsphase so großzügig unterstützt haben. Ohne ihre Mithilfe wären wir sicherlich noch nicht so weit und das sollte auch einmal erwähnt werden.“

Auch der Olympiasieger von Athen, Ralf Schumann (Stockheim/Foto), der in Wiesbaden im ersten großen Wettkampf sich an die neuen Gegebenheiten herantastete, analysierte seinen Wettkampf mit dem neuen Sportgerät: „Die Scheiben stehen immer noch 25 Meter entfernt, aber Spaß beiseite, es war heute schon ein Unterschied zum Training, vor allem im Abziehen, wo sich das Kilo nun schon bemerkbar macht. Aber wir stehen ja erst am Anfang des Jahres, schauen, dass die Technik stimmt, dass die technischen Parameter funktionieren, die Grundlage sind für den ganzen Jahresaufbau. Darauf habe ich mich erst einmal konzentriert. Mir ging halt heute das Kilo abhanden, ich habe einfach schlecht abgedrückt, deshalb waren heute auch meine Trefferzahlen katastrophal. Vor allem in den Langserien weiß ich noch nicht, warum ein solches Ergebnis herauskam. Weil ich mich derzeit auf andere Sachen konzentriere, schaue ich vielleicht nicht aufs Korn, das ich uns gerade nach dem Wettkampf richtig aufgefallen. Da war wohl zieltechnisch noch etwas falsch. Ich bin trotzdem aber schon zu 90 Prozent zufrieden, so wie es derzeit bei mir passt, ich bin auf dem richtigen Weg. Jetzt muss ich weiter trainieren, es kommt nun die Trainingsphase, wo man nicht nur Schusszahlen knüppelt, sondern wo man auch den Kopf wieder richtig einschalten muss.“

Ralf Schumann kam heute mit insgesamt 568 Ringen auf Rang 19, doch ist dies eine reine Momentaufnahme, wie auch Bundestrainer Peter Kraneis bestätigt: „Wir mach im Augenblick erst einmal Techniktraining, legen eine Grundlage, da es eben doch ein anderes Schießen ist als mit der alten Schnellfeuerpistole. Man muss ein ganz anderes Gefühl aufbauen und das geht einfach nicht so schnell.“

Zu den gezeigten Leistungen ganz allgemein, äußerte sich Peter Kraneis eher kritisch: „Ich war überrascht, dass die Leistungen heute doch sehr niedrig waren, wenn man sich die Ergebnisse vom internationalen Standard aus betrachtet. Gerechnet haben wir mit der breiteren Differenzierung, das hat sich voll bestätigt. Ich hatte Resultate Ende der 570, Anfang der 580 Ringe erwartet, weil ein Großteil der Weltspitze hier in Wiesbaden an den Start ging. Es war aber der erste Wettkampf der Saison, da sind noch Standortbestimmungen im Spiel. Ich denke aber, dass langfristig Ergebnisse über 580 Ringe für eine Finalteilnahme auf internationaler Ebene notwendig sein werden.“

Übrigens: auch der Silbermedaillengewinner von Athen, Sergej Poliakow (Russland), hatte im Berufsschulzentrum der hessischen Landeshauptstadt einen schweren Start. Nach 282 Ringen im ersten und 291 Ringen im zweiten Halbprogramm kam der Olympiazweite mit 573 Ringen auf den 10. Platz.

Bei den Junioren gab es einen deutschen Doppelsieg. Es gewann Christian Reitz (Löbau) mit 760,1 Ringen vor Torsten Moses (Salz), der 756,3 Zähler auf dem Konto hatte. Dritter wurde Marius Cenadan (Rumänien) mit 745,3 Ringen. Am morgigen Samstag finden die Mannschaftswettbewerbe statt.

Alle Ergebnisse der bisher abgeschlossenen Wettkämpfe finden Sie hier.