Olympische Spiele

„Größter Teil der Olympiamannschaft steht am 28. Juni“

07.04.2004 00:00

Nachdem sich am vergangenen Wochenende während der 11. Olympischen Schnellfeuerwoche in Wiesbaden mit Marco Spangenberg (Oberwallmenach) der sechste Kandidat im Bereich des Deutschen Schützenbundes für die Spiele im kommenden August qualifiziert hat, sprachen wir mit DSB-Sportdirektor Heiner Gabelmann (Foto) über den Stand der Vorbereitungen und die weiteren Schritte auf dem Weg nach Athen.

 

„Herr Gabelmann, mit Ralf Schumann, Marco Spangenberg, Munkhbayar Dorjsuren (alle Pistole), Sonja Pfeilschifter (Gewehr), Manfred Kurzer (Laufende Scheibe) und Karsten Bindrich (Wurfscheibe) sind die ersten sechs Schützen ermittelt, die seitens des Deutschen Schützenbundes am 19. April dem Nationalen Olympischen Komitee für Deutschland für die erste Nominierungsrunde am 4. Juni vorgeschlagen werden. Wie sieht es für die weiteren Kandidaten in den Disziplinen bezüglich der Qualifikationskriterien aus ?“
 
„Im Wurfscheibenbereich werden wir die Ergebnisse des Weltcups in Kairo – dies gilt nur für die Herren – und des anschließenden Weltcups in Athen abwarten. Hier sieht es so aus, dass Olaf Kirchstein im Trap und Waldemar Schanz im Doppeltrap quasi DSB-Intern qualifiziert sind. Bei den Damen und im Skeet der Herren könnte es noch zu einer Qualifikation kommen, wenn sich Sonja Scheibl oder Tino Wenzel in einem Weltcupfinale vor die auf Grund ihrer internationalen Leistungsstärke bisher zur Nominierung vorgesehenen Susanne Kiermayer und Axel Wegner platzieren. Formal schließt das Qualifikationsverfahren in der Wurfscheibe am 1. Mai für die Männer bzw. 15. Mai für die Frauen ab und am 7. Juni gehen dann die Vorschläge des Deutschen Schützenbundes an das NOK.
 
In der Laufenden Scheibe ist Manfred Kurzer schon gesetzt, während sich anlässlich des Internationalen Wettkampfes in Suhl der zweite Kandidat herauskristallisieren wird. Michael Jakosits hat durch das Bonuspunktesystem hier im Augenblick einen recht komfortablen Vorsprung von ungefähr 15 Ringen auf seinen Konkurrenten Marko Schulze, aber gerade in dieser Disziplin sind immer Veränderungen möglich.
 
In der Pistole haben wir ja einen von vier gewonnenen Quotenplätzen Luftpistole/Freie Pistole von den Herren auf die Damen Luftpistole/Sportpistole übertragen. Wir werden also dem NOK neben Munkhbayar Dorjsuren, die in der ersten NOK-Runde zur Nominierung ansteht, dann auch noch Claudia Verdicchio Frank Seeger, Artur Gevorgjan und Abdullah Ustaoglu, alle vier Olympiakader mit nachgewiesener Endkampfchance, vorschlagen können.
 
Im Gewehrbereich muss man zwischen Damen und Herren differenzieren. Bei den Herren fallen die Entscheidungen nach dem Weltcup Athen und dem Internationalen Wettkampf in Pilsen, der vom 05.-09. Mai ausgetragen wird. Bei den Damen wird es eine Olympiaqualifikation in zwei Etappen geben, die am 30. Mai, abgeschlossen wird. Auch hier gehen die Vorschläge am 7. Juni an das NOK, das in seiner zweiten Nominierungsrunde am 28. Juni dann über den größten Teil der Olympiamannschaft Schießen entscheiden wird.“
 
„Die Schützen des DSB haben im Bereich der ISSF-Disziplinen 20 Quotenplätze für die Olympischen Spiele in Athen gewonnen. Wie sieht diese Zahl im Verhältnis zu der Situation vor Sydney 2000 aus ?“
 
„Vor vier Jahren hatten wir 23 plus 4 Quotenplätze inklusive Bogenschießen gewonnen, aber man kann die Zahlen nicht ganz vergleichen, da wir nun seitens der ISSF eine andere Quotenregelung haben. Für Athen kann eine Schützin oder ein Schütze nur noch einen einzigen Platz gewinnen und nicht wie vor Sydney mehrere Plätze. Wer jetzt einmal ein Ticket gewonnen hatte, wurde in der zweiten Disziplin schon übergangen. Daher ist es diesmal viel schwieriger gewesen, auf die gleiche Anzahl zu kommen.“
 
„Hat sich über die Quantität auch etwas in den Disziplinen im Vergleich mit dem Jahr 2000 verändert ?“
 
„Ganz klar, im Bogenbereich, und hier speziell bei den Damen, haben wir im Vergleich zu der Situation vor Sydney schlechter abgeschnitten. Nach dem Ausscheiden zum Beispiel von Sandra Sachse aus der Nationalmannschaft konnten sich die jungen Bogenschützinnen wie Anja Hitzler oder Sabine Striegl, um nur zwei Namen zu nennen, bisher noch nicht international platzieren. In den anderen Disziplinen sind wir mit der Ausgangsposition vor Sydney ungefähr vergleichbar, ein wenig Boden verloren haben wir im Gewehrbereich der Herren, wo zur Zeit Torsten Krebs unser Spitzenschütze ist, der sich aber ebenfalls noch qualifizieren muss. Die Weltspitze im Kleinkaliberbereich ist weiter weggerückt, sichtbar auch durch die fehlenden Quotenplätze für uns. In den Wurfscheibendisziplinen sind wir allerdings erfolgreicher gewesen als vor vier Jahren. Mit den fünf Startplätzen liegen wir über dem Resultat aus dem Jahr 2000.“
 
„Wie sieht der Fahrplan für das Olympiateam nach den Qualifikationen aus ?“
 
„Nach den Qualifikationen geht es primär um die Teambildung für Athen, denn Sportschießen ist bekanntlich ein Einzelwettkampf. Wir werden innerhalb der einzelnen Disziplingruppen zunächst einmal eine Regenerationsphase von zwei Wochen einlegen. Für Mitte Juni steht dann der letzte diesjährige Weltcup in Mailand auf dem Programm. Er bildet den Auftakt zur letzten Phase der Olympiavorbereitung. Im Kugelbereich wird dann noch ein Wettkampf in Spanien besucht, der als letzter Vergleichstest benutzt wird und dann schließlich wird es noch ein gemeinsames einwöchiges Trainingslager aller Olympiateilnehmer Anfang August in Suhl geben, bevor die Mannschaft dann jeweils in kleinen Gruppen nach Athen fliegen wird. Vor Ort in Griechenland wird es keine lange Vorbereitung geben, da wir noch nicht genau wissen, welche Verhältnisse wir dort antreffen. Wir ziehen eine Vorbereitung in Deutschland vor und reisen kurzfristig, d.h. drei Tage vor dem Wettkampf an.“
 
„Zum Abschluss noch einmal das Thema Bogenschießen. Hier gibt es ja noch Chancen auf weitere Quotenplätze neben dem einzigen bisherigen Platz, den Alexander Fröse bei den Weltmeisterschaften im vergangenen Jahr in New York für Deutschland gewonnen hat.“ 
 
„In Brüssel findet vom 19.-23. Mai die EM Bogenschießen statt. Eingebettet in diese EM wird ein so genanntes CQT-Turnier, also ein kontinentales Qualifikationsturnier, organisiert. Wir setzen alles daran, noch Quotenplätze bei den Damen und bei den Herren zu gewinnen. Athen ohne deutsche Bogenschützen wäre nach den großen Erfolgen von Atlanta und Sydney sicher ein großer Rückschritt.“