Deutsche Meisterschaften

Hubert Bichler erster Deutscher Meister 2006 in Garching-Hochbrück

18.08.2006 00:00

Hubert Bichler (München/Foto) hat in der „Königsdisziplin“ Freie Waffe den ersten Titel bei den diesjährigen Deutschen Meisterschaften für Gewehr, Pistole, Laufende Scheibe, Wurfscheibe und 10-Meter Armbrust gewonnen. Der schon 47-jährige Polizeibeamte (1262,2 Ringe) siegte vor Thomas Harbach (Baunatal/1259,8 Ringe) und Maik Eckhardt (Dortmund/1259,3 Ringe).

 

Der Weltmeister von 1990 mit dem Kleinkalibergewehr war schon mit 1165 Zählern und damit drei Ringen Vorsprung als Führender in das Finale der besten Acht gegangen, nachdem er im Vorkampf 396 Ringe im Liegend-, 382 Zähler im Stehend- und 387 Ringe im Kniendanschlag erzielt hatte.

Trotzdem wurde es kein leichtes Finale für den 23-maligen Deutschen Titelträger, denn Maik Eckhardt, der Olympiafünfte von Athen 2004 mit dem Luftgewehr, hatte schon nach dem zweiten Durchgang in dieser Endrunde den Drei-Ringe-Vorsprung auf 0,7 Ringe verkürzt.

Schuss für Schuss schmolz dann die Differenz zwischen den beiden Schützen um Zehntelringe, bis es nach dem sechsten Durchgang nur noch 0,1 Ringe waren, die die beiden Routiniers trennten. Dahinter zeigte auch der 37-jährige Nordhesse Thomas Harbach seine Klasse, der seinerseits nur noch 0,2 Ringe hinter Maik Eckhardt lag.

Im siebten Schuss kam dann die erste Zehn in diesem Finale für Hubert Bichler, der sich damit zunächst gegenüber Maik Eckhardt, der eine 9,0 erzielte, etwas Luft verschaffte. Thomas Harbach jedoch blieb durch seine 10,2 dicht hinter dem Bayern auf Rang zwei.

Während Hubert Bichler nun mit 10,1, 10,5 und 10,2 seine Führung festigen konnte, leistete sich Thomas Harbach (Foto), der erst mit 17 Jahren mit dem Sportschießen begann, eine 9,1 im achten und sogar eine 8,8 in der letzten Serie und fiel weiter zurück. Es reichte jedoch zur Silbermedaille für den auch schon 37-jährigen Baunataler.

Maik Eckhardt musste sogar noch in ein Stechen um Rang drei, denn auch Nationalkaderschütze Claus Hildebrand (Brigachtal) kam nach einem guten Finale auf 1259,3 Ringe. Die Entscheidung fiel schließlich mit 9,8:9,2 für den Westfalen, der damit Bronze gewann.

„Die drei Ringe Vorsprung nach dem Vorkampf hören sich zwar gut an, aber man muss sie erst einmal im Finale verteidigen“, so Hubert Bichler nach der Entscheidung, „wenn man jedoch Schwierigkeiten am Anfang hat, sind sie auch ganz schnell wieder weg. Ich habe mir im Finale immer wieder gesagt, dass ich sauber schießen muss. Der Wettkampf war heute sehr schwierig von den Witterungsbedingungen her, aber es hat wirklich Spaß gemacht.“

Bei den Junioren siegte in dieser Disziplin Daniel Schamel (Vöhringen/1249,7 Ringe) vor Philipp Rogner (Hamm/1243,5 Ringe) und Alexander Strehle (Grabenstetten/1236,7 Ringe).

Abdullah Ustaoglu (Riegel/Foto) war heute mit der Luftpistole nicht zu schlagen und siegte bei den Herren mit insgesamt 677,5 Ringen (Vorkampf 579/Finale 98,5) vor Sebastian Rosner (Traunstein), der mit 676,5 Ringen (Vorkampf 578/Finale 98,5) Silber gewann.

Einen spannenden Zweikampf lieferten sich beide Schützen im Finale, das durch einen häufigen Positionswechsel gekennzeichnet war. Der Bayer übernahm im dritten Durchgang die Führung, musste aber postwendend Abdullah Ustaoglu wieder vorbeiziehen lassen.

Einen weiteren Tausch an der Spitze des Feldes konterte der Südbadener abermals in der siebten Serie. Zwei etwas schwächere Versuche von Sebastian Rosner, er traf in der siebten und achten Serie nur eine 9,3 und eine 8,0, brachten die Vorentscheidung zugunsten des Weltmeisterschaftsteilnehmers von Zagreb, der sich schließlich recht deutlich durchsetzen konnte.

Sebastian Rosner musste dagegen noch die Angriffe von Frederic Dzierzon (Marpingen) abwehren, der sich von Platz acht nach dem Vorkampf auf den Bronzerang vorkämpfen konnte. Nur knapp behielt er die Oberhand vor dem jungen Schützen aus dem Saarland, der mit 676,3 Ringen (Vorkampf 574/Finale 102,3) die Bronzemedaille gewann.

Ein ganz enges Finale sahen die Zuschauer bei den Damen. Antje Noeske (Neubrandenburg/Foto Mitte) und Stefanie Thurmann (Frankfurt/Oder/Foto links) waren nach dem Vorkampf mit 379 Ringen als Beste in die Entscheidung gekommen.

Nach einer anfänglichen Führung von Antje Noeske, die ihren ersten Meisterschaftsauftritt bei den Damen hatte, übernahm Claudia Verdicchio (Freiburg) kurzfristig Position eins, doch nach der Hälfte des Finales standen Antje Noeske und Stefanie Thurmann im Mittelpunkt des Geschehens.

Nach dem achten Durchgang führte die 24-jährige Sportsoldatin aus Frankfurt mit 0,1 Ringen vor Antje Noeske, die jedoch im vorletzten Durchgang mit einer 10,4 wieder die Spitze übernahm und sie bis zum Schluss behielt, in dem sie den Wettbewerb mit 10,5 abschloss.

Ihre 477,5 Ringe (Vorkampf 379/Finale 98,5) bedeuteten den Meistertitel vor Stefanie Thurmann, die mit 476,6 Zähler (Vorkampf 379/Finale 97,6) vor Sandra Schönmetzler (Frauenzell/Foto rechts) auf Platz zwei kam. Die Bayerin gewann mit 474,3 Ringen (Vorkampf 378/Finale 96,3) die Bronzemedaille.

Nach dem Sieg war die Neubrandenburgerin überglücklich: "Zum ersten Mal bei den Damen wollte ich unbedingt ins Finale. Mit mehr hatte ich aber wirklich nicht gerechnet. Im Finale habe ich nichts von den Ergebnissen meiner Konkurrenz mitbekommen, denn ich konnte keine Zahlen erkennen und habe mich nur auf meinen eigenen Wettkampf konzentriert. Es ist jetzt natürlich ein unbeschreibliches Gefühl im Augenblick, ich bin richtig happy und den Titel feiern wir heute Abend im Hotel sicher noch."

Munkhbayar Dorjsuren (Moosach), die erfolgreichste Pistolenschützin des DSB in den letzten Jahren, war aufgrund einer Einladung in ihre alte Heimat, der Mongolei, nicht am Start.

Den ersten Titel 2006 beim Nachwuchs gewann der Junioren-Weltmeister von Zagreb mit der Schnellfeuerpistole, Christian Reitz (Löbau/Foto). Nicht nur mit der Schnellfeuerpistole ist der 19-jährige Sachse ist der junge Schütze nationale und internationale Spitze, den Titel gewann er diesmal mit 668,4 Ringen in der Disziplin Luftpistole vor Florian Brunner (Freiberg/664,8 Ringe) und Wolfgang Geppert (Potsdam/664,0 Ringe).

Christian Reitz - er startet bei den Deutschen Meisterschaften gleich in fünf Wettbewerben - hat schon heute ein umfangreiches Programm zu absolvieren. Zunächst schoss er den Vorkampf Luftpistole, dann seine Halbserie in der Schnellfeuerpistole, gewann den Titel mit der Luftpistole und holte sich dann um 17.00 Uhr die zweite Deutsche Meisterschaft an einem Tag.

Mit seiner angestammten Waffe, der Schnellfeuerpistole, ging der junge Sachse mit neuem deutschen Rekord von 578 Ringen - der alte stand bei 574 Ringen - als klar führender Schütze in die Endrunde der besten Sechs. Fünf Ringe Vorsprung hatte der Junioren-Weltmeister vor seinem Vereinskollegen Philipp Wagenitz (Löbau), der bei der WM in Zagreb die Silbermedaille gewinnen konnte.

Doch schon nach der ersten von vier Finalserien setzte sich Tim Goelden (Warburg) an die Verfolgerposition und gab den zweiten Rang bis zum Schluss nicht mehr ab. Mit 773,9 Ringen (Vorkampf 578/Finale 195,9) gewann Christian Reitz vor Tim Goelden (Vorkampf 570/Finale 195,6), der sich mit 765,6 Zählern Silber sicherte. Dritter wurde mit 762,8 Ringen Philipp Wagenitz (Vorkampf 573/Finale 189,8).

Martina Peter (Pötzmes/Foto links/477,0 Ringe) war die beste Juniorin mit der Luftpistole. Die 20-jährige Konditorin war mit drei Ringen Vorsprung in das Finale gegangen und hatte am Ende erhebliche Mühe, sich gegen Stephanie Baur (Dettenschwang/476,4 Ringe) zu wehren. Mit einem ausgezeichneten Finale von 99,4 Ringen kämpfte sich Anne Brandt (Demmin/473,4 Ringe) vom fünften auf den dritten Rang vor, während sich die Vorkampfzweite, Julia Hochmuth (Ludwigsburg/Foto rechts/470,6 Ringe), durch zwei Siebener und eine 8,1 im letzten Schuss aus den Medaillenrängen schoss.

Alle Ergebnisse der Deutschen Meisterschaften 2006 auf der Olympiaschießanlage in Garching-Hochbrück finden Sie nach den jeweiligen Wettbewerben hier.