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ISSF: Anna Janßen mit Mental-Tipps
In einer mehrteiligen Serie gibt Anna Janßen auf der Seite des Schießsport-Weltverbandes ISSF Einblicke in die Gedankenwelt eines internationalen Top-Schützen. Interessierte können sich auch das Buch „Mentale Wettkampfstärke“ von Anna Janßen & Thomas Leyendecker im Shop des Rheinischen Schützenbundes bestellen.

Im Schießsport entscheidet nicht Kraft oder Schnelligkeit über den Erfolg, sondern die mentale Stärke. Anna Janssen erklärt, warum die mentale Vorbereitung ein entscheidender Faktor für Höchstleistungen in ihrem Sport ist. Natürlich spielen auch im Schießsport technisches Können und eine gute Ausrüstung eine wichtige Rolle, doch auf dem höchsten Wettkampfniveau, dort, wo „die Luft ganz dünn“ wird, gibt die mentale Vorbereitung und Verfassung oftmals den Ausschlag. Athleten und Trainer sind sich weitgehend einig, dass die mentale Vorbereitung häufig den Ausschlag gibt. Was Medaillengewinner oft von den anderen unterscheidet, ist die Fähigkeit, das volle Leistungspotenzial unter Druck abzurufen.
Die mentale Vorbereitung ist mindestens genauso wichtig wie technisches und physisches Training!
Anna Janßen
So, wie Anna Janßen, die bereits mit zahlreichen WM-, EM- und Weltcup-Medaillen dekoriert ist. Und deshalb sagt die Gewehrschützin: „Die mentale Vorbereitung ist mindestens genauso wichtig wie technisches und physisches Training!“ Sie beschreibt mentales Training als dritte Säule der Leistung, neben technischer Perfektion und körperlicher Kondition. Diese psychische Stärke ist besonders wichtig bei ISSF-Finals, da das Wettkampfformat die Athleten unter ständigen Druck setzt. „ISSF-Finals sind mental sehr anspruchsvoll, weil jeder einzelne Schuss die Platzierung in der Rangliste verändern kann. Nach der ersten Serie beginnen die Ausscheidungsrunden, und man schießt in dem Bewusstsein, dass ein schwacher Schuss das Ausscheiden aus dem Finale bedeuten kann.“ Gleichzeitig müssen die Athleten die Anzeigetafel, die Kameras und das Publikum im Blick behalten und sich dennoch voll und ganz auf ihren Schuss konzentrieren. Die Aufrechterhaltung dieses Gleichgewichts zwischen Aufmerksamkeit und Konzentration macht den Schießsport zu einer der mental anspruchsvollsten Disziplinen im internationalen Sport.
Um die Konzentration über längere Zeiträume aufrechtzuerhalten, entwickeln Spitzensportler persönliche Routinen, die ihnen helfen, Aufmerksamkeit, Emotionen und körperliche Anspannung zu regulieren. Für Anna Janssen beinhalten diese Routinen oft kleine körperliche und mentale Hinweise, die es ihr ermöglichen, sich zwischen den Schüssen neu zu fokussieren: „Während des Wettkampfs nutze ich oft kleine, rhythmische Bewegungen, um mich wieder zu konzentrieren und mein optimales Aktivierungsniveau zu finden. In Kombination mit verschiedenen Atemtechniken hilft mir das, mich entweder zu beruhigen oder etwas aufzuwecken, sodass mein Körper und Geist wieder im richtigen Zustand sind.“
Eine starke mentale Vorbereitung ist entscheidend, um sich von Fehlern zu erholen!
Anna Janßen
Neben der Atemkontrolle ist für Janßen die Visualisierung ein weiterer wichtiger Bestandteil ihrer mentalen Vorbereitung: „Ich übe regelmäßig meinen idealen Schuss im Geiste – wie ich die Position einnehme, wie sich das Zielbild um die Mitte stabilisiert und wie der Abzug sanft auslöst.“ Aber nicht nur der perfekte Schuss wird visualisiert, sondern auch schwierige Momente und Situationen: „Ich visualisiere auch typische schwierige Momente und wie ich ruhig und professionell reagiere.“
Janßen vertraut dabei auch auf Hilfe von professionellen Sportpsychologen und begründet das folgendermaßen: „Sportpsychologen helfen Schützinnen wie mir, besser zu verstehen, wie Gedanken, Emotionen und Körperreaktionen im Wettkampf zusammenwirken. In unserer Disziplin können kleine Veränderungen in Anspannung, Erwartungen oder Selbstgesprächen die Leistung der Gruppe auf der Zielscheibe sichtbar beeinflussen. Gemeinsam arbeiten wir an Instrumenten wie Zielsetzung, Routinen für verschiedene Wettkampfphasen und Strategien zum Umgang mit Druck bei Meisterschaften.“ Dabei hilft ein stabiles mentales Korsett und Rüstzeug vor allem auch, um Rückschläge zu verkraften und sich von Fehlern zu erholen: „Eine starke mentale Vorbereitung ist entscheidend, um sich von Fehlern zu erholen. Wie man in den nächsten 30 bis 50 Sekunden reagiert, ist oft wichtiger als der Fehler selbst.“ Auch deshalb gibt Janßen die Empfehlung, neben dem technischen und physischen Training auch möglichst früh im mentalen Bereich zu arbeiten: „Idealerweise beginnt das Mentaltraining bereits im Jugendbereich. Junge Schützen können in kleinen Wettkämpfen einfache Routinen, Atemkontrolle und einen konstruktiven inneren Dialog erlernen.“
