International

Michael Frankenberg zielt auf EM-Gold

15.09.2006 00:00

Bei den Europameisterschaften der Bogenschützen in Athen (Griechenland) zielt Michael Frankenberg (Hagen a.T.W./Foto links) morgen auf Gold, denn er entschied das Halbfinale gegen Piotr Piatek (Polen/Foto rechts) mit 100:97 für sich. Sein Gegner morgen im Goldfinale wird Magnus Petersson (Schweden) sein, der sich im zweiten Semifinale gegen Daniel Morillo (Spanien) knapp mit 97:96 durchsetzen konnte.

 

Die entscheidende Phase des Matchs gegen den Polen lag in der ersten Passe, als der Westfale nach den drei Pfeilen sich eine 25:22-Führung erkämpfen konnte. Nach dem zweiten Durchgang konnte Michael Frankenberg die Differenz bei 52:48 sogar noch einen Ring erhöhen. Zwei 24er-Serien zementierten bei 76:72 den Vorsprung und mit einer Acht, einer Zehn und einer abschließenden Sechs ließ der Sportler des Deutschen Schützenbundes nichts mehr anbrennen und gewann das Match.

Heute Morgen trat der Gegner von Michael Frankenberg in der ersten Runde, Emil Akchurin (Aserbaidschan), nicht an und der Deutsche Olympiateilnehmer von Athen 2004 behielt in der zweiten Runde dann gegen Alain Autem (Belgien) am Ende mit 102:87 die Oberhand.

Im Achtelfinale besiegte er Germain Beauge (Frankreich) mit 100:98 und ließ sich auch im Viertelfinale von dem erfahrenen Wietse van Alten (Niederlande) nicht auf seinem Weg ins Finale aufhalten. Am Ende stand es 99:94 für Michael Frankenberg, der seinen heutigen Wettkampf hocherfreut kommentierte: „Das war nach der Teilnahme an den Olympischen Spiele sicherlich jetzt schon mein größter Erfolg. Ich bin natürlich sehr zufrieden, bei diesen Wetterverhältnissen so gut geschossen zu haben, denn ein Schnitt von 25 Ringen ist bei diesem Wind absolut in Ordnung. Ich bin mit dem böigen Wind gut zurecht gekommen, das hatte sich gestern in der Qualifikation schon gezeigt und gehe jetzt natürlich mit aller Zuversicht in das Finale morgen.“

Auch Christian Weiss (Erbach/Foto links) zeigte einen hervorragenden Wettkampf, kam ins Viertelfinale und unterlag erst dort mit 97:99 gegen Piotr Piatek. Diese Platzierung bedeutet die Bestätigung seiner Zugehörigkeit zum „Top Team Peking 2008“ des Deutschen Schützenbundes, in das nun auch Michael Frankenberg aufgenommen wird.

Christian Weiss erreichte das Achtelfinale zunächst durch einen Sieg gegen Bahadir Agdere (Türkei) mit 99:93 und dann brachte er das Kunststück fertig, den Weltklasseschützen Ilario Di Buo (Italien/Foto rechts) mit 104:103 zu besiegen.

Tunc Kucukkayalar (Türkei) konnte den jungen DSB-Schützen im Achtelfinale ebenfalls nicht stoppen und unterlag mit 103:104 gegen den mutig angreifenden Deutschen, der sich erst kurz vor Erreichen der Medaillenrunde einem Gegner heute beugen musste.

„Ich hätte mir hier nicht so viel erwartet, das ich so weit gekommen bin, überrascht mich doch ein wenig. Es ist aber eine reine Glück-Europameisterschaft durch diesen Wind, da zählen vorherige Leistungen nicht. Wer im richtigen Augenblick das Glück mit weniger Wind hat, kommt weiter. Ich hatte zum Beispiel in meiner zweiten Passe des letzten Wettkampfes durch den böigen Wind zu lange gewartet und das hat mir letztlich das Weiterkommen verdorben. Aber trotzdem bin ich mit meinem fünften Rang hier sehr zufrieden“, zog Christian Weiss ein positives Fazit seines Wettkampfes.

Peter Sach (Falkensee), der dritte DSB-Schütze, scheiterte nur knapp mit 103:105 in der ersten Runde der Direktausscheidung gegen den erfahrenen Pieter Custers (Niederlande), der nach der Qualifikation den 20. Rang belegte.

Bei den Compound-Damen schieden die deutschen Schützinnen recht schnell aus. Sabrina Jagemann (Duderstadt/Foto) verlor in der ersten Runde mit 108:111 gegen Julia Benito (Spanien). In Runde zwei kam dann für Dorith Landesfeind (Felsberg) mit 105:107 gegen Ivana Buden (Kroatien) und für Andrea Weihe (Saalfeld) gegen Sofia Gontscharowa (Russland) mit 103:108 das Ende, nachdem die Saalfelderin zuvor Vasiliki Spithouraki (Griechenland) in der ersten Runde mit 106:105 bezwingen konnte, während Dorith Landesfeind hier ein Freilos hatte.

Trainer Falk Thiele haderte mit der Vergabe der EM an solch einen Standort: „Die Leute die das entschieden haben, sollten sich darüber Gedanken machen, dass es Leute gibt, die ein ganzes Jahr daran feilen, ihre Leistungen zu verbessern. Wenn man dann ein Turnier schießt, wo wirklich nur das Glück entscheidet, dann ist das weder für den Sportler, noch für die Sportart förderlich. Das ist genauso, wie wenn bei der Formel Eins alle ihre Wagen bis in die Spitze tunen und dann weiß an der Zapfsäule keiner, ob Diesel oder Super getankt werden muss.“

Gute Nachrichten auch von den Damen mit dem Recurvebogen, denn alle drei deutschen Schützinnen hatten die erste Runde überstanden. Lisa Unruh (Berlin/Foto) hatte dabei nicht nur mit ihrer Gegnerin zu kämpfen, sondern auch mit sich selbst, denn durch den Wind hatten sich die Augen der jungen Berlinerin entzündet und ein Mediziner musste mit Augentropfen helfen. Trotzdem gewann sie ihr Auftaktmatch gegen Jelena Malasa (Lettland) mit 98:94.

Veronika Haidn-Tchalova (Deggendorf) besiegte in ihrem Auftaktmatch Elena Mousikou (Zypern) klar mit 99:88 und Karina Winter (Berlin), die nach der ersten Passe noch im Rückstand lag, drehte die Partie in der zweiten Hälfte um und gewann gegen Anita-Avi Atla (Giechenland) mit 100:94.

Karina Winter war es dann, die als erste aus diesem deutschen Terzett ausscheiden musste. In der zweiten Runde war Tatjana Borodai (Russland) heute eine zu hohe Hürde und das Match ging für die Schützin aus der Hauptstadt mit 99:106 verloren.

Veronika Haidn-Tchalova kam zu einem deutlichen 108:100 gegen Lora Malavinuk (Israel) und auch Lisa Unruh siegte mit 107:104 trotz anhaltender Beschwerden mit dem Auge nach anfänglichem Rückstand gegen die starke Gohy Foulon (Spanien).

Erst Naomi Folkard (Großbritannien) stoppte die junge Berlinerin im Achtelfinale. Von Anfang an geriet Lisa Unruh in Rückstand und musste sich am Ende mit 99:105 der Britin beugen, während Veronika Haidn-Tchalova (Foto rechts) auch diese Runde durch einen 105:101-Erfolg gegen Louise Laursen (Dänemark) siegreich beendete.

Im Viertelfinale traf sie auf Tatjana Borodai (Foto links), die zuvor für Karina Winter zum Stolperstein geworden war, und diese Auseinandersetzung wurde hochspannend. Nach der ersten Passen führte die deutsche Schützin knapp mit 28:27. Nach dem zweiten Durchgang hatte die Russin durch eine perfekte Passe von 30 Ringen gleichgezogen und ging nun ihrerseits in der nächste Serie mit 85:84 in Führung.

Veronika Haidn-Tchalova kämpfte, schoss in der letzten Passe eine Acht und zwei Mal Neun, wobei ein Neuner für die Zuschauer auch eine Zehn hätte sein können. Exakt aber die gleiche Ringzahl erzielte die Russin und damit war klar, dass Tatjana Borodai mit 111:110 die Oberhand behalten hatte und ins Halbfinale vorgestoßen war.

„Ich habe mein Ziel hier in Athen erfüllt“, so Veronika Haidn-Tchalova nach dem Wettkampf, „morgen gehe ich mit der Mannschaft ins kleine Finale um Bronze und mit dem Erreichen des Viertelfinales habe ich meine Zugehörigkeit zum Top Team für Peking bestätigt. Dazu bin ich Fünfte geworden. Ich glaube, dass ich mit meinem Abschneiden sehr zufrieden sein kann.“

Für die deutschen Herren mit dem Compoundbogen war es nicht der große Tag. Thomas Hasenfuss (Hohenberg) zeigte gegen Stephane Dardenne (Frankreich) in der ersten Runde der Direktausscheidung eine sehr gute Leistung und scheiterte am Franzosen erst nach einem Stechen, dass er mit 9:10 verlor. Zuvor hatten beide Schützen 111 Ringe erzielt.

In der nächsten Runde erwischte es auch den erst 19-jährigen Paul Titscher (Glindow), der im ersten Match Jonathan Mynott (Großbritannien) mit 113:111 bezwungen hatte. Gegen Itzok Fink (Slowenien) zog er diesmal aber mit 112:114 den Kürzeren und musste ausscheiden.

Nicht anders erging es Stefan Griem (Berlin/Foto), der zunächst gegen Robert Janak (Slowakei) mit 106:101 erfolgreich war, in der zweiten Runde sich aber mit einem 113:115 gegen Stefano Mazzi (Italien) aus dem Wettbewerb verabschieden musste.

Die kompletten Resultate der Europameisterschaften der Bogenschützen in Athen finden Sie nach Abschluss der jeweiligen Wettkämpfe hier.