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Oktoberfest-Landesschießen mit neuem Teilnehmerrekord

14.10.2015 09:43

Mit dem Münchner Oktoberfest und seinem Oktoberfest-Landesschießen endet die Saison der großen Schützenfeste in der Republik. Und mit einer Rekordbeteiligung von 10.205 Teilnehmern ist das Oktoberfest-Landesschießen ein eindrucksvoller Beweis der Stärke des bayerischen Schützenwesens.

Allein 3.547 Schützinnen und Schützen schossen bei der Oktoberfest-Meisterschaft, das mit dem Landes-Schützenkönigsschießen verbunden ist, mit. Damit ist dieses Freischießen nicht nur das weltweit größte seiner Art, sondern auch ein wertvoller Beitrag zur positiven Imagebildung des Schützenwesens. Denn am Oktoberfest-Landesschießen können im Rahmen von Gruppenschießen auch Nicht-Schützen teilnehmen. Und jeder, der sich in der neu gestalteten Schießanlage im Schützen-Festzelt mit dem Luftgewehr bzw. -pistole maß, erhielt am Ende des Schießens ein Faltblatt mit wertvollen Informationen zum Schießsport und zur Schützentradition, aber auch Hinweisen, wie schnell der passende Schützenverein gefunden werden kann. Damit war das Oktoberfest-Landesschießen auch eine wertvolle Werbeveranstaltung für das Schützenwesen.


Selbstverständlich versuchten sich auf Einladung des Bayerischen Sportschützenbundes (BSSB) auch Medienvertreter aus dem Bereich der Sportberichterstattung mit dem Luftgewehr. Die Mitglieder des Verbands Deutscher Sport-Journalisten waren zu einer Präsentationsveranstaltung gekommen, in deren Rahmen 1. Landesschützenmeister Wolfgang Kink den neuen BSSB-Facebook-Auftritt (www.facebook.com/bssbev) vorstellte. Im Zusammenspiel mit der Homepage ist der bayerische Landesverband nun in der Lage, schnell und vor allem breit Informationen und Hinweise an Schützen und Nichtschützen zu streuen. Damit nutzt der BSSB nicht nur die neuen Medien, sondern auch die sozialen Netzwerke und leistet wie schon so oft eine Vorreiterrolle. Die Zugriffszahlen auf die Oktoberfest-Beiträge zeigten dann auch, dass der eingeschlagene Weg der richtige ist.


Aber nicht nur Journalisten und Redakteure nutzten die Schießanlage, sondern auch Abgeordnete aus Bundes- und Landtag, Bürgermeister mit Stadt- und Gemeinderäten stellten sich dem sportlichen Wettkampf. Kurzum – das Oktoberfest-Landesschießen brachte die Menschen zusammen, zumal neben den BSSB-Mitgliedern Schützen aus aller Welt antraten. Schießsportgrößen wie Peter Sidi (Ungarn), Aleksandar Todorov (Bulgarien) oder Olena Kostevych (Ukraine), die Kaderschützen Tino Mohaupt (Kgl. priv. HSG München), Alexander Kindig (Kgl. priv. FSG Burgau) oder Andreas und Michael Heise (Kgl. priv. HSG München), aber auch die mehrfachen Paralympicsteilnehmer Josef Neumaier (Huberwirtschützen Oberholzhausen) und Norbert Gau (Kgl. priv. FSG „Der Bund“ München) lieferten bei der Gesellschaftsmeisterschaft Spitzenergebnisse.


Maßgeblich zum Erfolg des Oktoberfest-Landesschießens beigetragen haben die Jungschützen, deren Zahl deutlich gegenüber den Vorjahren wuchs. In seiner Abschlussansprache bedankte sich dann auch Wolfgang Kink für den Einsatz der Jugendleiter und -betreuer, die Busfahrten teilweise von weit her organisiert hatten, um ihren Schützlingen einen ereignisreichen Tag zu bescheren. Die Kombination eines sportlichen Wettkampfes bei der weltgrößten Breitensportveranstaltung des Schützenwesens mit dem Besuch des weltgrößten Volksfestes zieht wieder verstärkt den Nachwuchs auf die Münchner Theresienwiese.


Mit einem umfassenden Wettkampfprogramm lockten die Ausrichter auch die Senioren, denn das Oktoberfest-Landesschießen ist gleichermaßen eine Sport- wie auch Traditions-Veranstaltung für Jung und Alt. Allerdings sei die Zahl der teilnehmenden „Best-Ager“ noch ausbaufähig, wie der Landesschützenmeister anmerkte.


Aber trotz der sportlichen Ausrichtung ist der Höherpunkt des Oktoberfest-Landesschießens die Proklamation der neuen Landesschützenkönige, die anschließend auf der Bühne unter der Bavaria öffentlich ausgerufen werden und dort auch ihren Ehren-Salut entgegennehmen dürfen. Der neue Landesschützenkönig mit dem Luftgewehr kommt aus Seeshaupt am Starnberger See. Der aus der DSB-Bundesliga bekannte Marcin Szyja (Kgl. privil. Hauptschützengesellschaft München) setzte sich mit einem 9,8-Teiler gegen die harte Konkurrenz durch. Der gelernte Sport- und Fitnesskaufmann stand schon mehrfach im Luftgewehr-Finale der Deutschen Meisterschaft. Er ist 25 Jahre alt und betreibt neben dem Schießsport als Hobby „alles, was mit Bergen zu tun hat“, also im Sommer Bergwandern und im Winter Skifahren und Snowboarden.


Die neue Landesschützenkönigin der Jugend heißt Julia Schlagmüller (Schützengesellschaft Helmstadt) und kommt aus Helmstadt in Unterfranken. Ihr 17,0-Teiler konnte nicht mehr unterboten werden. Die 19-Jährige hat soeben ihre Lehre zur Einzelhandels-Kauffrau mit Erfolg abgeschlossen und arbeitet nun in einem großen Möbelhaus in der Region. Die stets fröhliche, noch amtierende Vereins-Schützenkönigin kann schon auf einige sportliche Erfolge verweisen, so ist sie dreifache Gau- und zweifache Bezirksmeisterin. Bei der Deutschen Meisterschaft trat sie in der Luftgewehr-Disziplin an, musste sich aber mit einem Platz im Mittelfeld zufriedengeben. Neben dem Sportschießen gilt ihre große Liebe der Musik. Als Altistin singt sie in der Melomania Helmstadt, einem weit über Franken hinaus bekannten Chor. Und in einem Vokalquartett bringt sie ein Repertoire von Klassik bis Pop bei Vereinsfesten, Hochzeiten und anderen Veranstaltungen zur Aufführung.


Mathias Böck (Rechberg-Rothenlöwen Ettringen) ist der neue Landesschützenkönig mit der Luftpistole. Der 22-jährige Fachwirt im Einkauf ist ein ausgesprochen geselliger Mensch. Er ist nicht nur bei den Schützen Mitglied, sondern ist auch im Vorstand des örtlichen Faschingsvereins. Außerdem spielt er aktiv Fußball als Libero beim TSV Ettringen.. Aber auch im Schießsport ist Mathias Böck kein unbeschriebenes Blatt; er ist einer der Stützen der Luftpistolen-Rundenwettkampf-Mannschaft, die nach dieser Saison nun in die Bayernliga aufgestiegen ist. Und selbstverständlich war er schon seit seiner Jugendzeit immer wieder bei der Bayerischen Meisterschaft dabei. Der Schwabe holte die Landesschützenkönigs-Ehre mit einem 74,0-Teiler


Bei der von mehr als 30.000 Zuschauern besuchten Ausrufungs- und Abschlussfeier, an der u. a. Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter und Staatssekretär Georg Eisenreich teilnahmen, sprach 1. Landesschützenmeister Wolfgang Kink von der gesellschaftlichen Bedeutung der Schützenvereine und ihrem sozialen Auftrag. Er betonte, dass die Vereine bei der anstehenden Arbeit der Eingliederung von Menschen mit Migrationshintergrund eine wesentliche Rolle übernehmen müssten, weil sie Heimat geben und schaffen können. Oberbürgermeister Dieter Reiter lobte die Münchner Schützen als Bewahrer der Heimat, und Staatssekretär Georg Eisenreich bezeichnete die Schützenvereine im Land als „Botschafter Bayerns“.


Das Oktoberfest-Landesschießen wurde erstmal 1896 als Verbandsmeisterschaft des Oberbayerischen Zimmerstutzen-Schützenverbands ausgetragen und ist in der Satzung des Bayerischen Sportschützenbundes verankert. Der bei diesem Schießen ermittelte Landesschützenkönig vertritt den Bayerischen Sportschützenbund beim Bundes-Königsschießen des Deutschen Schützenbundes und darf beim nächsten Oktoberfest-Trachten- und Schützenzug unter einer geschmückten Girlandenkrone mitmarschieren. Mit der Präsenz dieser beiden von Funk und TV in viele Länder übertragenen Veranstaltungen leistet der BSSB einen wertvollen Beitrag zur Öffentlichkeitsarbeit. Mit Fug und Recht kann man behaupten, dass dies bayernweit auch die größte Aktion im Rahmen der DSB-Aktion „Ziel im Visier“ war. Bekanntlich war das alljährliche „Wochenende der Schützenvereine“ wieder auf dieses Abschluss-Wochenende des Oktoberfest-Landesschießens gelegt worden.

Beitrag und Fotos: Claus-Peter Schlagenhauf/BSSB

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