Europameisterschaften

Para-Trap WM Granada: Thomas Höfs im Interview

30.05.2024 15:53

Vor der Para-Trap WM in Granada/ESP (30. Mai bis 7. Juni) haben wir die Chance, mit Thomas Höfs ein Interview zu führen. Der sympathische Norddeutsche spricht mit uns über seinen Sport, seine Ziele und Träume. Nach dem Grand Prix in Italien wartet nun das Saisonhighlight auf ihn.

Foto: Thomas Höfs / Thomas Höfs zeigt sich zielsicher
Foto: Thomas Höfs / Thomas Höfs zeigt sich zielsicher

Für alle die dich noch nicht kennen – wer bist du und welche Disziplin schießt du?
Ich bin Thomas, 53 Jahre alt, bin verheiratet und habe zwei Töchter. Durch einen schweren Arbeitsunfall im Jahr 2016 bin ich körperlich eingeschränkt und kann meinen Beruf nicht mehr ausführen. Als neue Aufgabe in meinem Leben habe ich den Schießsport gefunden und hier speziell das Para-Trap. Dabei handelt es sich um das Wurfscheibenschießen, hier aber ausgeführt von Menschen mit Behinderungen.

Die Para-WM in Granada steht vor der Tür. Für dich das Saisonhighlight, oder sogar deiner Karriere?
Diese WM in Granada ist definitiv mein Saisonhighlight, hier kann ich mich mit den besten Athleten in meiner Sportart messen. Bei keinem anderen Wettkampf gibt es ein so großes Starterfeld. Für Granada zeichnet sich ab, dass es ein großes Teilnehmerfeld geben wird, was die Sache noch interessanter macht und die Bedeutung Saisonhighlight noch unterstreicht.

Wie bereitest du dich auf diese Wettkämpfe vor?
Meine Vorbereitung auf die WM war sehr vielfältig, dazu gehören die Trainingseinheiten bei meinem Verein Linden04 in Hannover, aber auch die neu entstandene Möglichkeit, zusammen mit dem Nationalkader Trap Trainingseinheiten und Qualifikationswettkämpfe zu bestreiten. Seite an Seite mit unseren Nationalkaderschützen kann man viel dazulernen, Erfahrungen sammeln und die Möglichkeiten der individuellen Betreuung nutzen. Diese Chance habe ich durch das Engagement der DSB-Standortleiterin Sara Franke erhalten. Zusammen mit dem Sportbund Niedersachsen und dem Olympiastützpunkt Frankfurt/Oder wurden und werden mir optimale Trainingsbedingungen geboten, die ich dankend annehme. Besonders erwähnen möchte ich in diesem Zuge die Arbeit von Sara Franke (DSB-Standortleiterin Frankfurt Oder) und Philip Bernhard (Landestrainer NSSV Hannover), ohne sie wäre ich nicht in dieser Form und die gesamte Trainings-Logistik wäre so nicht machbar. Auch meinen Verein Linden04 in Hannover ist hier zu erwähnen, der bei meinen Trainingseinheiten genauso eine wichtige Rolle spielt. Denn hier begann meine „Karriere“ und es wurde und wird sehr viel für mich getan, wofür ich dem Verein zutiefst dankbar bin.

Foto: Thomas Höfs / Thomas auf einem der vielen sportlichen Wettkämpfe, die er das ganze Jahr bereist.
Foto: Thomas Höfs / Thomas auf einem der vielen sportlichen Wettkämpfe, die er das ganze Jahr bereist.

Was bedeutet dir dein Sport?
Dieser Sport ist zu meiner Lebensaufgabe geworden, ein tristes Rentnerleben kam und kommt für mich nicht in Frage. Ich liebe und lebe diesen Sport mit all seinen Höhen und Tiefen, das gehört genauso dazu, wie der Kontakt zu all den Menschen national wie international. Es ist die viel zitierte Teilhabe am Leben.

Welchen Traum verfolgst du?
Darauf gibt es eine ganz einfache Antwort, Weltmeister werden!

Welche Ziele und Erwartungen hast du für die Para-WM?
Als Ziel für diese WM habe ich mir eine gute Qualifikation und den Einzug ins Finale gesetzt. Alles, was danach kommt, wäre ein super Erfolg und im Finale ist bekanntlich alles möglich. Ansonsten freue ich mich auf das Ereignis und bin schon ziemlich aufgeregt…

Bei der WM gehen mit dir und Jennifer Kelle (Gockenholz) erstmals zwei Para Trap-Schützen an den Start. Du warst bisher ein absoluter Einzelkämpfer in deiner Disziplin. Wie fühlt sich das an, nun kein Einzelkämpfer mehr zu sein und mit doppelter Kraft vertreten zu sein?
Zu Beginn dieses Jahres sah es schon danach aus, dass gar kein Sportler bei der WM in Granada starten darf. Allein durch meine Hartnäckigkeit, die Hilfe und die Unterstützung diverser Institutionen, Befürworter und den Rückhalt meiner Familie und meiner Freunde, konnten wir den Deutschen Behinderten Sportverband davon überzeugen, diese Richtlinie wieder zu streichen. Infolgedessen ist es nun möglich, dass wir mit mehreren Sportlern an den Start gehen können. Jetzt in Granada sind wir zu zweit und ein dritter Sportler steht bereits in den Startlöchern. Somit wächst das Team Para-Trap Deutschland so langsam, aber stetig. Das freut mich sehr und ich glaube, dass wir ein riesiges Potenzial haben. Hat sich doch mein Einsatz für diesen Sport in den letzten Jahren gelohnt. Die Perspektiven in Frankfurt Oder und den ambitionierten Plänen dort, was das Thema Para-Trap angeht, lassen mich sehr hoffnungsvoll in die Zukunft schauen.  

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