Weltmeisterschaften
Para-WM Changwon: Silber-Coup und erstes Ticket für LA 2028
Erfolgreicher WM-Abschluss für die deutsche Nationalmannschaft der Para-Sportschützen: Zum Finale der Weltmeisterschaften im südkoreanischen Changwon (10.-15. September) gewann das Team des Deutschen Behindertensportverbandes (DBS) die erhoffte Silbermedaille und löste gleichzeitig das erste Ticket für die Paralympischen Spiele in Los Angeles 2028.

Team-Silber und ein Meilenstein auf dem Weg nach Los Angeles
Im Liegendkampf mit dem Kleinkalibergewehr (Klasse SH1) zeigte das deutsche Trio eine geschlossene Mannschaftsleistung auf absolutem Top-Niveau. Natascha Hiltrop (Wiesbaden/620,3 Ringe), Bernhard Fendt (Neu-Ulm/619,0 Ringe) und Tjark Liestmann (Klein Meckelsen/612,3 Ringe) sicherten sich mit insgesamt 1851,6 Ringen die viel umjubelte Silbermedaille. Das DBS-Team musste sich lediglich der Auswahl aus Polen (1858,0 Ringe) geschlagen geben und verwies die starke Konkurrenz aus China (1846,3 Ringe) auf den Bronzerang.
Auch im anschließenden Finale der besten acht Athleten der Welt überzeugte die deutsche Auswahl. Bernhard Fendt erreichte einen hervorragenden fünften Platz. Natascha Hiltrop folgte direkt dahinter auf Rang sechs – ein Resultat von doppelter Bedeutung: Da der Liegendkampf als Mixed-Format ausgetragen wird und die einzige vor Hiltrop platzierte Schützin bereits im KK-Dreistellungskampf einen Quotenplatz erreicht hatte, sicherte die Wiesbadenerin damit den ersten, heiß begehrten Startplatz für die Paralympics 2028. Tjark Liestmann beendete den Vorkampf in dieser Disziplin auf dem 27. Platz.
Youngster Philipp Zahner sorgt für internationales Ausrufezeichen
Für ein weiteres sportliches Highlight sorgte der erst 19-jährige Philipp Zahner (Köln). Im Liegendschießen mit dem Luftgewehr (Klasse SH2) untermauerte das Nachwuchstalent seine Klasse bereits in der Qualifikation, die er mit einer absoluten Weltklasseleistung von 638,7 Ringen als Dritter abschloss. Im hochkarätig besetzten Finale bewies Zahner enorme Nervenstärke und belohnte sich mit einem starken fünften Platz. In derselben Disziplin belegte Tim Focken (Oldenburg) mit 633,7 Ringen den 29. Rang. Focken trat zudem im KK-Liegendkampf der Klasse SH2 an, wo er mit 614,5 Ringen ebenfalls Platz 29 erreichte.
Hauchdünne Entscheidungen verhindern weitere Medaillenchancen
Wie eng Freud und Leid im Para Sportschießen beieinanderliegen, zeigten die weiteren Wettbewerbe, in denen dem deutschen Team das nötige Quäntchen Glück fehlte. Im KK-Dreistellungskampf verpasste Natascha Hiltrop das Finale als Neunte nur denkbar knapp. Mit 575 Ringen war sie ringgleich mit der achtplatzierten Australierin Natalie Smith, die sich lediglich aufgrund der höheren Anzahl an Innenzehnern durchsetzte.

Ähnlich dramatisch verlief die neue Mixed-Disziplin Luftgewehr liegend: Das Duo Natascha Hiltrop (315,9) und Bernhard Fendt (314,4) schrammte mit insgesamt 630,3 Ringen um winzige 0,5 Ringe am Finaleinzug der besten vier Teams vorbei.
Im Wettbewerb Liegendschießen mit dem Luftgewehr (Klasse SH1) erzielten Hiltrop (632,3 Ringe) und Fendt (632,2 Ringe) die Plätze 16 und 17. Hier fehlten nur hauchdünne 1,1 bzw. 1,2 Ringe für den Sprung ins Finale. Gemeinsam mit Tjark Liestmann (623,9 Ringe/Platz 54) holte das Trio in der Teamwertung mit 1888,4 Ringen dennoch einen hervorragenden vierten Platz.
Bundestrainer Rudi Krenn zieht positives Fazit und blickt auf 2027
„Wir ziehen ein positives Fazit dieser Weltmeisterschaft. Die Silbermedaille für das KK-Team sowie die drei Finalplatzierungen sind der verdiente Lohn für die harte Arbeit der letzten Monate“, resümierte Bundestrainer Rudi Krenn. „Besonders stolz macht uns natürlich, dass wir durch Natascha Hiltrop bereits frühzeitig den ersten Quotenplatz für Los Angeles 2028 sichern konnten – das nimmt enormen Druck von der Mannschaft für die kommenden Aufgaben. Auch der Auftritt unseres Youngsters Philipp Zahner zeigt, dass wir im Nachwuchsbereich hervorragend aufgestellt sind. Natürlich schmerzen die extrem knappen Entscheidungen, bei denen uns nur wenige Zehntelringe oder Innenzehner zum Finaleinzug gefehlt haben. Aber die Leistungsdichte an der Weltspitze ist enorm hoch, und wir haben bewiesen, dass wir in fast allen Disziplinen ganz vorne mitschießen können. Darauf bauen wir auf.“
Nach der WM wirft die kommende Saison 2027 bereits ihre Schatten voraus. Vom 12. bis 22. Mai geht die Jagd nach den begehrten Quotenplätzen beim Weltcup auf der Olympia-Schießanlage in Sydney sowie bei der Weltmeisterschaft im September im kroatischen Osijek in die nächste Runde.
Das DBS-Aufgebot in Changwon
Athleten: Natascha Hiltrop (Wiesbaden), Bernhard Fendt (Neu-Ulm), Philipp Zahner (Köln), Tim Focken (Oldenburg), Tjark Liestmann (Klein Meckelsen)
Trainer- & Betreuerteam: Rudi Krenn (Bundestrainer, Hauzenberg), Jörg Dietrich (Co-Trainer, St. Augustin), Ronja Rudolph (Physiotherapeutin, Erfurt)
