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Parlamentarischer Abend Berlin: Waffenrecht, Ehrenamt und ein Überraschungsgast
Nach der äußerst gelungenen Premiere im Vorjahr war die Erwartung und Vorfreude auf den zweiten Parlamentarischen Abend für Ehrenamt, Brauchtum und Sport am Dienstagabend, 3. November, im Kaisersaal der Deutschen Parlamentarischen Gesellschaft in Berlin groß. Und die Vertreter des Deutschen Schützenbundes (DSB), des Deutschen Jagdverbandes (DJV) und des Parlamentskreises Schützenwesen wurden nicht enttäuscht, tauschten sich über Themen aus, die Jäger und Schützen bewegen und hatten am Ende des Tages mit Bundeskanzler Friedrich Merz als Überraschungsgast einen absoluten Höhepunkt.

Florian Müller, CDU-Bundestagsmitglied und zugleich Initiator und Vorsitzender des Parlamentskreises Schützenwesen, begrüßte die geladenen Gäste aus Politik, Schützenwesen und Jägerschaft und meinte mit einem Augenzwinkern: „Beim zweiten Mal sprechen einige schon von einer Tradition, bei mir im Sauerland ist es eher das Wort Verlässlichkeit!“
Und traditionell gab es einen Gastredner. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) zog als Ehrengast des Abends die Anwesenden bereits mit seinem Eingangs-Statement auf seine Seite: „Ich bin seit über 30 Jahren Mitglied der Königlich privilegierten Hauptschützengesellschaft Erlangen von 1456. Mein Herz schlägt für den Schießsport und die Tradition des Schützenwesens.“ In der Folge streifte er die Themen Ehrenamt („Wir müssen dankbar für das ehrenamtliche Engagement in den Schützenvereinen und Jagdgenossenschaften sein!“), Tradition und Brauchtum („Allein die Tatsache, dass das Schützenwesen immaterielles Kulturerbe ist, zeigt dessen Bedeutung in der Geschichte Deutschlands.“), Sport („Wir stehen zum Schießsport, unterstützen diesen und freuen uns über die Medaillen, die dort gewonnen werden!“) und nicht zuletzt das Waffenrecht: „Das Waffenrecht ist in den vergangenen Jahren mehrfach verschärft worden, und das gilt es zu evaluieren. Wir in Bayern haben die niedrigste Kriminalitätsrate, weil wir die geltenden Gesetze vollziehen und nicht immer gleich verschärfen.“
In der sich anschließenden Gesprächsrunde wurden die aktuellen Themen mit Innenminister Herrmann, Helmut Dammann-Tamke (Präsident des Deutschen Jagdverbandes), DSB-Präsident Hans-Heinrich von Schönfels und Petra Horneber vertieft. Horneber, u.a. olympische Silbermedaillengewinnerin in Atlanta 1996 und frisch gewählte Erste Bürgermeisterin der Gemeinde Kranzberg, hielt ein Plädoyer für Olympische und Paralympische Spiele in München: „Ich glaube und hoffe, dass wir mit der Münchener Bewerbung auf einem sehr guten Weg sind, wie die große Zustimmung der Münchener beim Bürgerentscheid bewiesen hat. Wir haben tolle Sportstätten, u.a. die Olympia-Schießanlage von 1972, die zum einen ein perfektes Beispiel für Nachhaltigkeit liefern, aber auch für Spitzenqualität der Sportstätten. Ich glaube deshalb, dass das Münchener Konzept mit den Argumenten Nachhaltigkeit, Kompaktheit und Qualität der Sportstätten auch international überzeugen kann.“ DSB-Präsident von Schönfels sprang der ehemaligen Spitzen-Athletin zur Seite und sagte: „Natürlich müssen wir bei der Infrastruktur etwas tun: Die wunderbare Olympia-Schießsport-Anlage von 1972 in Garching-Hochbrück muss modernisiert werden, damit sie den zukünftigen Erfordernissen genügt. Zum anderen muss aber auch der rechtliche Rahmen passen. Und hier spreche ich vor allem das Thema Waffenrecht an. Wir müssen unter anderem schauen, dass unser nationales Waffenrecht weiterhin alle Disziplinen zulässt, denn sonst hinken wir stets den anderen Nationen hinterher. Und wir wünschen uns doch alle, dass die Kinder von heute die Olympiasieger von München sind.“ Damit sprach er das Thema Waffenrecht an, das mit der aktuellen Evaluation sehr präsent ist und DJV-Präsident Dammann-Tamke mit einer konkreten Forderung auf den Plan rief: „Wir reden seit Jahren davon, aber nichts ist passiert: Wir benötigen dringend eine polizeiliche Kriminalstatistik, die nach Taten mit legalen und illegalen Waffen differenziert.“

Ausführlich wurde von den Gesprächspartnern auch das Thema Ehrenamt aufgegriffen. Für Horneber sei es die Basis für das Zusammenleben, und deshalb müssten Ehrenamtliche weiter entlastet werden, u.a. durch weniger Bürokratie. Von Schönfels stimmte zu, hinterlegte dies mit Zahlen: „Allein die Ehrenamtlichen in unseren 13500 Schützenvereinen haben nach Berechnungen eine volkswirtschaftliche Wertschöpfung von über eine Milliarde Euro jährlich. Wir können uns nicht erlauben, diese Säule in unserer Gesellschaft zu vernachlässigen, wir müssen das Ehrenamt weiter fördern, anerkennen und wertschätzen. Der DSB hat ein Ehrenamtskonzept erstellt mit praktischen Hinweisen, um die Vereine an unserer Basis zu unterstützen, und ich hoffe, dass dies angenommen wird und Früchte trägt.“
Nach der Gesprächsrunde tauschten sich Politiker, Sportschützen und Jäger in lockerer Atmosphäre aus und ließen den Abend vor dem Bundestag ausklingen. Denn dort spielte der Musikverein Frenkhausen und hatte einen Überraschungsgast als Zuhörer: Nach einem langen Arbeitstag, u.a. mit zwei Staatsbesuchen, ließ es sich Bundeskanzler Friedrich Merz nicht nehmen, aus dem wenige Minuten entfernten Bundeskanzleramt zu kommen. Und so standen Schützen, Jäger und Bundeskanzler Seite an Seite. und sorgten für einen würdigen Abschluss des zweiten Parlamentarischen Abends in Berlin.
