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Rede DSB-Präsident Josef Ambacher beim 55. Deutschen Schützentag

28.04.2007 00:00

Die Rede des Präsidenten des Deutschen Schützenbundes, Josef Ambacher (Foto), vor den rund 600 Delegierten des 55. Deutschen Schützentages in Saarbrücken.

Liebe Schützenschwestern und Schützenbrüder,
sehr geehrte Damen und Herren,

der 55. Deutsche Schützentag findet in diesem Jahr in Saarbrücken statt, im Herzen des Saarlandes, das man zusammen mit Lothringen und Luxemburg als Wiege des gemeinsamen Europas sehen kann, denn mit Frankreich, Deutschland und Luxemburg sind drei der Urheber und Triebfedern des gemeinsamen Europas, wie wir es heute kennen, genannt.

Europa wächst immer stärker zusammen. Die gemeinsamen Interessen der europäischen Staaten können auf einem globalisierten Feld der Finanzen, der Märkte und der Warenströme nur noch durch die Koordination und Bündelung der einzelnen Nationalstaaten Europas verfolgt werden.

In größeren Dimensionen und größeren Zeiträumen denken, dies wird immer wichtiger auch für die nationale Politik. Aber was finden wir bei uns in Deutschland, wenn es zum Beispiel um die berechtigten Interessen einer großen Vereinigung von Bürgerinnen und Bürger – ich spreche hier von den 1,5 Millionen Mitgliedern im Deutschen Schützenbund und von den Schützinnen und Schützen, die ihrem Sport außerhalb unseres Verbandes nachgehen, geht ?

Nehmen wir nur die neuesten Entwicklungen im Waffenrecht, die mich doch sehr besorgt um den ordnungsgemäßen Fortbestand des Schießwesens in Deutschland machen.

Kleinstaaterei würde man meinen – aber zu der Staaterei reicht es nicht.

Da spricht eine staatliche Institution mit, wenn es um die sportlichen Belange unseres Verbandes geht – und dies, bei einer garantierten Autonomie des Sports in Deutschland. Wie geht das denn zusammen, frage ich die hier anwesenden Vertreter der Politik und Sie alle hier im Saal ?

Nach 50 Jahren ist dies die Dankbarkeit, dass wir im großen Umfang Jugendarbeit leisten, dass wir die ältere Generation mit einbinden, sie nicht alleine lassen, sondern sie in unsere Vereine einbinden.

Haben wir das verdient ? Ganz klar – Nein !

Dies alles wegen Erfurt, dass nicht auf Unzulänglichkeiten unsererseits erfolgt ist. Eine Änderung in der neuen Novellierung des Waffengesetzes ist hier dringend angesagt.

Da mischt sich massiv ein Bundesverwaltungsamt ein, wenn es um die Sportordnung des Deutschen Schützenbundes geht.

Wir wissen selbst, was wir mit Anscheinswaffen zu tun haben. In unserem Verband wird es keine derartigen Disziplinen geben.

Da sprechen Verwaltungsbeamte mit, wenn es um den sportlichen Leitfaden eines Verbandes geht, der bei Olympischen Spielen, Welt- und Europameisterschaften immer brav Medaillen holen soll, was in den bekannten Sonntagsreden von Politikern jedweder Couleur dann auch zum Wohle des Landes gelobt wird.

Diese Verwaltungsbeamten lassen dann aber kaum eine Gelegenheit aus, wenn es um die Beeinträchtigung der Ausführung des Schießbetriebes im Deutschen Schützenbund geht.

Diese Einmischungen von staatlichen Stellen und Behörden in die internen Abläufe eines Sportverbandes stellen in Europa eine Einmaligkeit dar. Dies ist nicht zu akzeptieren und ist mit dem hehren Satz der „Autonomie des Sports“ auch nicht vereinbar. Diese Autonomie wird gerade von Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble als ein besonders wichtiger Faktor im deutschen Sport angesehen

Ich nenne hier nur einmal das Beispiel des griechischen Fußballverbandes, der vor knapp zwei Jahren von den internationalen Wettbewerben beinahe ausgeschlossen worden wäre, weil sich nationale Institutionen in den Sportbetrieb massiv eingemischt hatten.

Im Augenblick ist der Deutsche Schützenbund, zusammen mit weiteren interessierten Verbänden, dabei, die Fehlentwicklungen auf dem Gebiet des neuen Waffengesetzes und seiner Verordnungen, die nach Erfurt Eingang in die Gesetzbücher fanden, zu korrigieren.

Wir haben eine solche Situation schon einmal erlebt und ich denke, es gibt dazu viele Parallelen zu den heutigen Umständen.

Mit einem neugeschaffenen Waffengesetz wollte der Gesetzgeber im Jahre 1972 einen wesentlichen Beitrag zur inneren Sicherheit leisten, nachdem die unter Verwendung von Schusswaffen verübten Straftaten drastisch zugenommen hatten.

Jedoch stellte sich bald heraus, dass man ein wenig zu weit gegangen war und änderte 1976 deshalb einige besonders belastende Vorschriften, wie die grundsätzliche Befristung der Waffenbesitzkarte.

Unter den Eindrücken der Bluttat von Erfurt und vor dem Hintergrund der Terrorismusdebatte wurde dann jedoch erneut eine Änderung des Waffengesetzes als notwendig angesehen, die Verschlechterungen der Bedingungen insbesondere für die vielen Jäger und Sportschützen in unserem Lande enthielten und dies, ohne den kriminellen Waffenbesitz einzudämmen.

Wenn es dem Gesetzgeber um Sicherheit geht, steht der Deutsche Schützenbund mit seinen Mitgliedern in vorderster Reihe. Wir unterstützen alles, was zum berechtigten Sicherheitsempfinden unserer Mitbürgerinnen und Mitbürger notwendig und nützlich ist.

Wir wehren uns aber dagegen, dass durch übertriebene und nutzlose Gesetze und Verordnungen, der Schießsport in Deutschland behindert oder gar bekämpft wird.

Die Mitglieder im Deutschen Schützenbund sowie die Mitglieder der Historischen Schützenbruderschaft und des Sauserländer Schützenbundes – insgesamt mehr als zwei Millionen Menschen in Deutschland – gelten als besonders sachkundig im Umgang mit ihren Sportgeräten und als treue und loyale Bundesbürger.

Allein die strengen Überprüfungen der Sachkunde und die gesetzeskonformen Regelungen bei der Ausstellung des Bedürfnisses eines Schützen stellen eine extrem hohe Hürde für den Missbrauch im Umgang mit unseren Sportgeräten dar.

Hinzu kommen regelmäßige Überprüfungen der Zuverlässigkeit unserer Schützen durch die Behörden, die für die rechtstreuen Schützen offenkundig mehr Zeit aufwenden, als für die Bekämpfung der wahren Waffenkriminalität, der wahren Herausforderung für unseren Staat.

Ich bin diese Art der Gängelung leid ! Wir sind keine Wehrsportgruppe !

Auch im Deutschen Schützenbund stehen uns Jahre bevor, die an Herausforderungen nicht gerade arm sind. Wir haben im vergangenen Jahr mit der Sanierung unseres Wurfscheibenstandes in Wiesbaden-Klarenthal begonnen und werden diese Umbaumaßnahme alsbald erfolgreich abschließen können.

Dann folgt die Ausrichtung der Weltmeisterschaften im Bogenschießen. Das wichtigste Ereignis in dieser olympischen Sportart findet vom 7. bis zum 15. Juli auf der Leipziger Festwiese statt und wird für unseren Verband und für das Bogenschießen in Deutschland ein Meilenstein in der Geschichte sein.

Es ist wunderbar, eine Weltmeisterschaft wieder einmal zu erleben. Jeder von Ihnen ist herzlich eingeladen.

Wir sollten es nicht versäumen, unsere guten Sportlerinnen und Sportler in Leipzig zu unterstützen und wir wollen für die vielen Bogenschützen aus aller Welt gute Gastgeber sein.

Deswegen meine Bitte: Gehen Sie hin, fahren Sie nach Leipzig, feuern Sie unsere Mannschaft im Wettbewerb an. Unsere Bogenschützen haben Ihre Unterstützung verdient.

Sportminister Wolfgang Schäuble wird die Veranstaltung in Leipzig besuchen. Er wird zum Abschluss, am Sonntag, den 15. Juli, unter uns sein. Darüber hinaus hat Bundeskanzlerin Angela Merkel die Schirmherrschaft über diese Weltmeisterschaften übernommen, wofür ich von dieser Stelle aus noch einmal herzlichen Dank sage.

Dass der gesamte deutsche Sport eine positive Außendarstellung benötigt, liegt auf der Hand, denn Gerüchte über Nachlässigkeiten von Sportlerinnen und Sportlern im Dopingbereich haben in den letzten Wochen und Monaten für dunkle Schatten über dem deutschen Sport gesorgt.

Doping ist und bleibt eine nicht zu entschuldbare Handlung – es ist kein Kavaliersdelikt. Wer dopt, gehört nicht in den Leistungssport und muss daraus verbannt werden.

Der „saubere Athlet“ ist zwingend erforderlich. Die Regierungen, die Nationalen Olympischen Komitees, die Sportverbände und auch die Athleten selbst haben dies weitgehend erkannt.

Zig-tausend Euro lässt sich der Deutsche Schützenbund den Anti-Doping-Kampf pro Jahr kosten. Im vergangenen Jahr sind an unseren Schützinnen und Schützen insgesamt 308 Proben durchgeführt worden – keine einzige war positiv.

Während früher schon einmal zwischen zwei Serien eine Halbe gestemmt wurde, könnte heutzutage sogar schon der Möhrensaft und die Milch verpönt sein, weil keiner mehr richtig weiß, ob nicht ein kleiner Bestandteil auf der „roten Liste“ steht.

Zum Beispiel Reste von Melkfett – früher ein probates Mittel, um sich die Füße einzuschmieren.

Die NADA-Kontrolleure haben im vergangenen Jahr alle unsere Schützinnen und Schützen angetroffen oder unsere Athleten haben sich ordnungsgemäß abgemeldet. Sie haben peinlich genau ihre Aufenthaltsorte angegeben und damit die Bedingungen der NADA vorbehaltlos erfüllt.

Unseren Spitzensportlern gilt mein Respekt – sie haben den Verband vorbildlich vertreten.

Ein wichtiges Aufgabenfeld wird für uns sein, wie wir es schaffen, mehr junge Menschen an unsere Vereine in ganz Deutschland zu binden und dabei die Senioren wieder mehr zu aktivieren.

Wie können wir Jugendliche und Schüler für das Sportschießen begeistern ? Dazu müssen wir die Voraussetzungen schaffen, dass wir schon in der Entscheidungsphase für eine Sportart – nämlich zwischen sechs und zehn Jahren – den jungen Menschen die Möglichkeit geben, mit dem Sportschießen spielerisch in Kontakt zu kommen.

Es geht sicherlich nicht mit optisch verwechselbaren Halbautomaten in Plastik oder dergleichen. Dazu von uns ein klares Nein !

Offiziell ist uns der Weg zu den ganz Jungen bisher versperrt, weil laut Gesetz erst ab zwölf Jahren mit dem Luftgewehr oder der Luftpistole geschossen werden darf.

Wir sind jedoch bemüht, hier Lösungen zu finden und mit dem Lichtschießen sind wir, so glaube ich, auf dem richtigen Weg.

Lichtschießen ist ohne jegliche sicherheitsrelevanten Bedingungen auszuführen und kann mit jedem Alter begonnen werden, wobei wir die 10 Jahre als Normallösung nach wie vor wieder anstreben. Ideal also, um einen Einstieg in unsere Sportart zu finden.

Dieses Einstiegsalter von 10 Jahren war im Jahre 2002 vom Bundestag bereits beschlossen, bevor Erfurt passierte und alle unsere Bemühungen gestoppt wurden.

Darüber hinaus können mit dem Lichtschießen Bedenken, wie sie früher von vielen Pädagogen in den Schulen geäußert wurden, entgegen getreten werden. Dieser Sport eignet sich, im Gegenteil, ausgezeichnet zu Kooperationen zwischen Schulen und Schützenvereinen.

Das Lichtschießen ist weder gefährlich noch martialisch, sondern es bringt Spaß in den Sport und Spaß gehört dazu heutzutage, wenn ich Nachwuchs in die Sportvereine bekommen will und vor allem auch unsere älteren Schützen im Verein halten will.

Ohne unsere Senioren, die die Vereine über lange Jahre mitaufgebaut haben, geht im Deutschen Schützenbund gar nichts.

Darum findet in diesem Jahr das 1. Deutsche Bundesschießen im Luftgewehr-Auflageschießen in München in der zeit des Oktoberfestes statt. Die ideale Verbindung zwischen Sport und Freizeitspaß.

Jung und Alt müssen wieder Spaß mit unserem Sport haben - ohne Spaß geht nichts mehr und nur pure Leistungserbringung kaum noch jemand. Und wenn ich das Wort Spaß höre, fällt mir das Bundesligafinale ein.

In Paderborn waren über tausend Besucher in der Halle. Die Zuschauer haben ihre Teams frenetisch angefeuert und es war spannend bis zum Schluss.

Die Sportler fühlten sich trotz der ungewohnten Lautstärke wohl – im Gegenteil, die Anfeuerung hat sie bis in die Fußspitzen motiviert. Eine Sonja Pfeilschifter schoss unter diesen Bedingungen optimale 400 Ringe bei 40 Schuss.

Die Organisatoren in Paderborn vom ausrichtenden Verein Hubertus Elsen haben hervorragende Arbeit geleistet, eine perfekte Veranstaltung geboten und mein Dank gilt allen Kräften, die dort im Einsatz waren.

Das Gleiche gilt natürlich auch für den Bogenbereich, der seine Endrunde zwei Wochen später im saarländischen Lebach stattfinden ließ, wo der Verein Hubertus Dörsdorf Ausrichter war.

Wir sollten dieser modernen Form des Sportschießens in den nächsten Jahren weitaus mehr Beachtung schenken und die Bundesliga und ihre nachfolgenden Ligen ausbauen. Wenn die Leute zum Sportschießen in die Hallen kommen, sind wir auf dem richtigen Weg. Die Zeit der Abgeschiedenheit sollte ein für alle Mal der Vergangenheit angehören.

Doch das alles geht nicht ohne die nötige Finanzierung. Auf der anderen Seite: Umsonst ist der Tod und der kostet’s Leben.

Am Ende meiner Worte angekommen, danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.

Darüber hinaus danke ich meinem Präsidium, das mich vorbehaltlos und nachhaltig unterstützt hat. Ich danke den Landesverbänden und den Ausschüssen des DSB für die gute und fruchtbare Zusammenarbeit.

Mein Dank gilt der Hauptamtlichkeit in der DSB-Geschäftsleitung, die uns im Ehrenamt mit Rat und Tat zur Seite steht sowie deren Mitarbeitern in Wiesbaden einschließlich Hausmeister und der Gastronomie im Bundesleistungszentrum und natürlich Ihnen, liebe Schützenschwestern und Schützenbrüder, die als Delegierte hierher nach Saarbrücken gekommen sind.

Spaß und Freude gehören zum Sportschießen genau so dazu, wie unsere Tradition und das Brauchtum und damit wünsche ich Ihnen allen noch einen schönen Delegiertentag und ein schönes Wochenende.

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