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„Reformen waren nötig, um bei Olympia zu bleiben“

16.07.2003 00:00

Jim Easton (Foto), seit 1989 Präsident des Bogen-Weltverbandes FITA, stand bei den Weltmeisterschaften in New York einmal mehr im Mittelpunkt. Unter seiner Präsidentschaft entschieden die Delegierten des Kongresses, die Welttitelkämpfe für 2007, bei denen es erneut um die Olympia-Qualifikation gehen wird, nach Leipzig zu vergeben.

Der US-Amerikaner kann generell auf eine sehr erfolgreiche Periode unter seiner Führung zurück blicken. Mit dem FITA-Präsidenten führten wir das folgende Gespräch:

 „Jim Easton, aus deutscher Sicht ist der erste Erfolg schon gelungen, bevor hier die ersten Pfeile geflogen sind. Die nächsten Weltmeisterschaften 2007, wenn es um die Qualifikation für Olympia in Peking 2008 gehen wird, werden in der deutschen Olympia-Bewerberstadt für 2012, Leipzig, stattfinden. Was erwarten Sie von diesen Titelkämpfen ?“

 „Wir haben eine überzeugende Präsentation gesehen. Leipzig ist nicht eine wirklich kleine Stadt, denn es leben 1,5 Millionen Menschen in dieser Region. Uns hat für die WM besonders das Konzept der kurzen Wege überzeugt. Die Wettkampfstätten, die Stadtmitte, die Hotels, das alte Rathaus, wo der Kongress stattfinden wird – alles liegt in einer Umkreis, der zu Fuß einfach zu bewältigen ist. Es gibt in Deutschland eine große Menge an Schützen, die Finanzierung ist extrem solide. Außerdem wird der Bogensport in Deutschland durch die WM gefördert, etwa durch Projekte wie Bogenschießen an der Schule. Solche Projekte sind sehr sinnvoll, wir haben das in Italien erlebt, und auch in Deutschland gibt es ja, wie ich mit Freude höre, erste Bemühungen in diese Richtung.“

„Durch die Austragung der WM wird Leipzig versuchen, seine Chancen zu verbessern, 2005 vom Internationalen Olympischen Komitee ausgewählt zu werden, die Spiele 2012 auszutragen. Eine Frage an den IOC-Vizepräsidenten Easton: Welche Ratschläge können Sie den Sachsen geben ?“

„Auch für Olympia gibt es das Konzept der kurzen Wege zu den Wettkampfstätten. Das ist sicher gut, denn unser Präsident Jacques Rogge legt darauf Wert, genau wie auf den Faktor Nachaltigkeit. Leipzig will gewisse Sportstätten nur für Olympia aufbauen, sie verschwinden zwar nach den Spielen wieder, aber die Aufbauten werden anderweitig verwendet. Natürlich hat Leipzig eine Chance zu gewinnen. Sollte es aber nicht im ersten Anlauf klappen, wäre die Stadt und die Region gestärkt, es 2016 erneut zu versuchen.“

„Der Schießsport muss zwei Disziplinen bei Olympia 2008 abgeben, der Bogensport ist, was das Olympische Programm angeht, nicht einmal in der Diskussion. Worauf führen Sie das zurück ?“

„Für uns war entscheidend und absolut nötig, dass wir unseren Modus geändert haben. Das ist uns von Seiten des IOC auch klar signalisiert worden. Das Schießen in einer langen Reihe war unattraktiv, für Zuschauer nicht nachvollziehbar und für die Medien, insbesondere das Fernsehen, nicht darzustellen. Seit wir in Barcelona 1992 erstmals mit der finalen Ausscheidungsrunde schießen, genießen wir vor allem im Fernsehen große Aufmerksamkeit. Dazu haben wir auch eine Portion Glück gehabt: In Barcelona gewann das spanische Team, in Atlanta ein Amerikaner und in Sydney ein Australier. Entscheidend ist jedoch, dass Bogenschießen dank des neuen Modus spannend ist und einfach im Fernsehen zu übertragen.“

 „Nach diesen erfolgreichen Änderungen: Planen Sie weitere Neuerungen ?“

 „Wir diskutieren, ob wir bereits in der Vorrunde acht Gruppen organisieren, in denen kleine Achter-Turniere geschossen werden, um auch hier schon für mehr Spannung zu sorgen. Das werden wir testen, vielleicht bei kommenden Weltmeisterschaften der Schützen oder der Junioren.“

„Sehen Sie Möglichkeiten, weitere Sportarten aus dem Bogenbereich in das Olympiaprogramm zu integrieren ?“

„Sicher ist: Wir werden nicht mehr Sportler zu den Spielen bringen dürfen als bisher. Dafür steht die strikte Linie des IOC-Präsidenten, die er klar und stetig verfolgt. Wir könnten also Compound nur olympisch machen, indem wir die Zahl der Recurve-Starter reduzieren. Das würde aber dem Gedanken der Universalität von Olympia widersprechen, denn damit hätten wir statt 50 oder 55 Nationen bei Olympia nur rund 30. Bei dieser WM haben wir Teilnehmer aus 80 Ländern. Compound hat also aus meiner Sicht nur eine kleine Chance, vielleicht in acht Jahren. Für Bogenbiathlon muss ich sagen: Ich glaube nicht, dass ich diese Sportart noch bei Olympia erleben werde.“

Jim Easton wird beim nächsten Wahl-Kongress des Internationalen Bogensport Verbandes 2005 in Madrid keine neue Kandidatur mehr anstreben. Dies bekräftigte er in einem Schreiben an die Delegierten hier in New York erneut.