Olympische Spiele

Silber und Bronze für deutsche Schnellfeuerschützen

16.08.2008 00:00

Ralf Schumann (Stockheim/Foto links) hat nach drei Olympiasiegen 1992, 1996 und 2004 sowie einem zweiten Platz in Seoul 1988 mit 779,5 Ringen (Vorkampf 579/Finale 200,5) seine zweite Silbermedaille bei Olympischen Spielen gewonnen. Christian Reitz (Kriftel/Foto rechts), der Weltrekordler in dieser Disziplin, gewinnt bei seinem ersten olympischen Auftritt nach einem dramatischen Finale mit 779,3 Ringen (Vorkampf 579/Finale 200,3) die Bronzemedaille. Olympiasieger wurde Oleksandr Petriv (Ukraine/Foto Mitte) mit neuem olympischen Rekord von 780,2 Ringen (Vorkampf 580/Finale 200,2).

 

Mit jeweils 579 Ringen waren Ralf Schumann (Stockheim) und Christian Reitz (Kriftel) auf den Plätzen fünf und sechs in das Finale gegangen. In Führung lag Keith Sanderson (USA), der Amerikaner erzielte mit 583 Ringen einen neuen olympischen Rekord. Dahinter folgten Leonid Ekimow (Russland), der nach dem gestrigen ersten Halbprogramm das Feld anführte, mit 581 Ringen sowie Roman Bondaruk (Ukraine) und Oleksandr Petriv mit jeweils 580 Ringen.

Nicht die allerbesten Aussichten für die beiden deutschen Schützen, die zusammen mit dem Viertplatzierten nach dem Vorkampf, Oleksandr Petriv, zunächst zu ihren vier Finalserien antreten mussten, anschließend folgten dann die drei Erstplatzierten und in dieser Zweiteilung des Finales lag die ganze Dramatik dieses Wettkampfes.

Ralf Schumann begann mit einer Serie von 49,2, fiel damit zunächst auf Rang sechs zurück, da Christian Reitz und der aus dem Vorkampf mit einem Ring vor den beiden DSB-Schützen führende Ukrainer jeweils 50,8 Ringe erzielten. Der Seriensieger der letzten 20 Jahre bewies jedoch in den folgenden Durchgängen seine Klasse, steigerte sich über 49,5 und 50,2 auf 51,6 Ringe in der letzten Serie und musste mit insgesamt 779,5 Ringen erst einmal warten, was die besser platzierte Konkurrenz machen würde.

Christian Reitz erzielte 49,1 Ringe in der zweiten Serie, ließ ganz hervorragende 52,4 Zähler in Runde drei folgen und schoss mit einer 48,0 aus, die ihn um zwei Zehntel hinter Ralf Schumann zurückwarf. Beide mussten nun in der Finalhalle in bangen Minuten zuschauen, ob die Erstplatzierten nach dem Vorkampf vielleicht Schwächen zeigen würden.

Der führende Keith Sanderson tat den Deutschen gleich in der ersten Serie den Gefallen und startete mit einer 48,6, noch schwächer sogar Leonid Ekimow mit 46,6. Die drei Führenden zeigten Nerven, die Hoffnung im deutschen Lager wuchs.

Nach der letzten Serie dann der Aufschrei und der Riesenjubel in der kleinen deutschen Anhängerschaft auf den Tribünen, denn Ralf Schumann und Christian Reitz hatten sich noch auf das Siegerpodest vorgeschoben. Der Amerikaner fiel mit 193,6 Ringen im Finale auf Rang fünf zurück, Leonid Ekimow erzielte 197,2 Ringe in dieser Endrunde, dies bedeutete am Ende nur Rang vier für den jungen Russen und auch Roman Bondaruk, an dritter Stelle nach den beiden Halbprogrammen, zeigte mit 194,7 Ringen eine schwache Endrunde und belegte letztlich Rang sechs.  

„Ich bin rundherum glücklich“, diktierte der Silbermedaillengewinner Ralf Schumann den Journalisten in die Blöcke, „dies ist ein weiterer ganz großer Erfolg in meiner Karriere. Im Vorkampf haben sich einige kleine Fehler addiert, doch ich habe auch nach meinem Finale weiterhin an die Medaille geglaubt, weil ich genau weiß, wie das ist, wenn man da vorne steht. Da muss man erst einmal bestehen. Es ist toll, mit Christian gemeinsam eine Medaille zu bekommen. Es war ein riesengroßer Traum in Deutschland, einen Nachfolger für mich zu finden. Der ist jetzt gefunden.“

Christian Reitz hatte den Traum vom Edelmetall schon fast abgeschrieben: „Da war heute sehr viel Glück dabei, denn nach dem Vorkampf hatte ich die Medaille schon geistig abgehakt. Mein Ziel war das Finale und dort habe ich an meinem Puls gemerkt, dass ich doch sehr aufgeregt war. Mit Bronze bin ich bei meinem Olympiadebut absolut zufrieden.“

Bundestrainer Peter Kraneis war die Anspannung ins Gesicht geschrieben: „Das war ein typisches Schnellfeuerfinale. Ich habe immer für meine beiden Schützen gehofft, dass sie eine Medaille gewinnen, denn wer 200 Ringe im Finale schießt, ist ganz vorne mit dabei. Trotzdem war es eine Riesenanspannung, nicht nur im Finale, sondern auch schon beim Vorkampf, der unheimlich spannend ablief.“

Ralf Schumann konnte sich nach 288 Ringen im ersten Halbprogramm gestern, heute mit 291 Ringen in der zweiten Hälfte des Wettkampfes steigern. 99 Ringe in den ersten beiden Serien über acht Sekunden, 97 Ringe in den Durchgängen von sechs Sekunden und 95 Ringe bei vier Sekunden standen für ihn zu Buche.

Der erst 21-jährige Christian Reitz hatte gestern 289 Zähler im ersten Halbprogramm geschossen. Er eröffnete seinen Wettkampf heute mit zunächst 96 Ringen über acht Sekunden, ließ 97 Ringen in den beiden Serien über sechs Sekunden folgen und schloss den Vorkampf mit 94 Ringen über die beiden Serien von vier Sekunden ab.

Die deutschen Skeetschützen haben das Finale der besten Sechs nicht erreicht. Tino Wenzel (Ibbenbüren/Foto unten), der gestern 68 Treffer nach den ersten drei Durchgängen erzielt hatte, schoss heute Morgen zunächst eine optimale 25er-Serie und ließ im letzten Durchgang des Vorkampfes eine 24er-Runde folgen. Mit 117 Treffern belegte der Westfale den 13. Platz im Gesamtklassement.

Axel Wegner (Brandis) war gestern mit einem Treffer erfolgreicher als sein Nationalmannschaftskollege, konnte aber heute mit zwei Serien von jeweils 23 Treffern keine Ergebnisverbesserung erzielen und belegte mit 115 Treffern Rang 20.

Bundestrainer Wilhelm Metelmann: „Schade, dass Tino Wenzel um einen Treffer das Stechen für das Finale verpasst hat. Er hat heute mit 49 Treffern sehr gut geschossen, konnte aber den Rückstand, den er sich gestern durch zwei „Stockfehler“ eingefangen hatte, nicht mehr ganz aufholen. Mit 119 hätte er in der Endrunde gestanden, das war für ihn absolut drin.

Mit dem Abschneiden der Wurfscheibenschützen können wir sehr zufrieden sein, denn in der Bronzemedaille von Christine Brinker, die auch Gold hätte gewinnen können, zeigt sich ganz typisch die positive Entwicklung im Wurfscheibenbereich der letzten Jahre, wenn wir hier auch die letzten Welt- und Europameisterschaften mit einbeziehen. Die Bronzemedaille überstrahlt natürlich zunächst alles, aber wir wollen nicht vergessen, dass auch unsere anderen Schützen hier sehr gute Leistungen gebracht haben.“

Zwei Stechen mussten bei der Medaillenvergabe im Skeet der Herren entscheiden. Weltrekordler Vincent Hancock (USA), der mit neuem olympischen Rekord von 121 Treffern als Führender in das Finale gegangen war, musste sich nach 24 Treffern in der Endrunde noch einmal mit Tore Brovold (Norwegen) messen, der im Vorkampf 120 Mal traf, im Finale mit 25 Treffern jedoch optimal schoss. Der Amerikaner siegte in diesem Shoot-off mit 4:3 und gewann die Goldmedaille. Beide Schützen stellten mit 145 Treffern einen neuen olympischen Finalrekord auf.

Auch um Bronze wurde gestochen. Anthony Terras (Frankreich) und Antonis Nikolaidis (Zypern) kamen nach dem Finale auf 144 Treffer. Mit 3:2 behielt der Franzose die Oberhand und sicherte sich den dritten Rang.

Vor dem letzten Wettbewerb am morgigen Sonntag, dann beendet der Dreistellungskampf der Herren mit dem Kleinkalibergewehr die Schießsportdisziplinen, hat die Mannschaft des Deutschen Schützenbundes eine Silber- und drei Bronzemedaillen gewonnen. Eine erste Bilanz von DSB-Sportdirektor Heiner Gabelmann: „Zunächst bin ich sehr glücklich über die beiden Medaillen heute. Wir haben auf der Tribüne mitgezittert, wussten aber, dass die beiden Führenden Sanderson und Ekimow keine umfangreiche Finalerfahrung besaßen und hatten die Hoffnung, dass die guten Ergebnisse von Ralf Schumann und Christian Reitz – beide erzielten ja über 200 Ringe im Finale – vielleicht noch für Medaillen reichen könnten, was ja auch geschehen ist.

Natürlich hätten wir hier in Peking gerne eine Goldmedaille gewonnen. Das fehlt uns bisher, wobei morgen ja noch ein Wettkampf folgt, aber ich denke, wir können mit unserer Medaillenausbeute bis hierhin zufrieden sein. Wir haben hier in vielen Wettbewerben gute Leistungen gezeigt, fliegen daher erhobenen Hauptes nach Deutschland zurück und brauchen uns nicht zu verstecken. Selbstverständlich werden wir in der nächsten Zeit die Ergebnisse analysieren und Schwachpunkte aufarbeiten, da haben wir sicherlich genügend Arbeit noch vor uns.“

Fotos Schnellfeuerpistole: © picture-alliance

Alle Ergebnisse der Olympischen Spiele in Peking finden Sie wie hier.

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