Deutsche Meisterschaften

Sonja Pfeilschifter ganz souverän mit dem Sportgewehr

20.08.2006 00:00

Die erste Entscheidung des letzten Tages der olympischen Kugeldisziplinen bei den Deutschen Meisterschaften im Sportschießen sahen eine überlegene Vorstellung der mehrfachen Welt- und Europameisterin Sonja Pfeilschifter (Ismaning/Foto Mitte) mit dem Sportgewehr. Die 35-jährige Sportsoldatin siegte mit 689,0 Ringen (Vorkampf 589/Finale 100,0) deutlich vor Dorothee Bauer (Speyer/Foto links), die mit 676,8 Ringen (Vorkampf 579/Finale 97,8) den zweiten Platz belegte. Dritte wurde Jessica Kregel (Hemslingen/Foto rechts) mit 676,7 (Vorkampf 580/Finale 96,7).

 

Sonja Pfeilschifter war schon nach dem Vorkampf eine Klasse für sich. Ihre 589 Ringe hatten sich in optimale 200 Zähler im Liegendschießen, 195 Zähler im Stehendanschlag und noch einmal 194 Ringen in kniender Position aufgegliedert, wobei sie besonders mit der Kniendstellung nicht zufrieden war.

Trotzdem bedeutete dies Ergebnis, das sie mit sieben Ringen Vorsprung vor ihrer Nationalmannschaftskollegin Barbara Lechner (Triftern) in diese Entscheidung gehen konnte. Dahinter auf Rang drei nach dem Vorkampf mit 581 Ringen Britta Kurth (Hamm), die unter ihrem Mädchennamen Großecappenberg in Schießsportkreisen gut bekannt ist.

Das Finale jedoch hatte andere Gesetze. Zwar zog Sonja Pfeilschifter (Foto) vorne völlig einsam ihre Kreise und war durch nichts und niemand zu gefährden, aber hinter ihr wurde es doch sehr spannend. Zunächst sah es nach einem Zweikampf zwischen Barbara Lechner und Britta Kurth aus, die sich bis kurz vor Ende des Finales um Platz zwei stritten.

Im vorletzten Durchgang eine völlig neue Entwicklung, denn Barbara Lechner erzielte eine 8,9, Britta Kurth, bis dahin auf dem zweiten Platz, erlaubte sich eine 7,6 und dies bedeutete, dass Jessica Kregel und Dorothee Bauer, die an Position vier und sechs in diese Entscheidung kamen, beide plötzlich noch Medaillenchancen hatten.

Mit einer 10,4 machte Dorothee Bauer die Überraschung perfekt und gewann Silber vor Jessica Kregel, die mit einer 10,0 Barbara Lechner und Britta Kurth, die auf 8,6 und 9,1 kamen, überholen konnte. Sonja Pfeilschifter jedoch machte mit dem allerletzten Schuss dieses Finales und einer 10,4 ihren Sieg perfekt. 12,2 Ringe betrug die Differenz am Ende zwischen der Siegerin und der Zweiten.

„12,2 Ringe Vorsprung sind zwar keine Lichtjahre, aber doch kleine Welten“, gab die glückliche Siegerin zu, „es ist schon ein bedeutender Abstand. Trotzdem war ich mit dem Vorkampf, vor allem mit dem Kniendschießen gar nicht zufrieden. Über den Sieg freue ich mich natürlich sehr, besonders weil ich gestern den Titel im Luftgewehr so knapp verloren habe.

Ich werde morgen noch die Liegendkonkurrenz schießen und die 100-Meter Disziplin, beide Wettkämpfe sind nichtolympische Sportarten, und dann zum Abschluss noch die Großkaliberdisziplin über 300 Meter. Dort, anders als beim Luft- oder Sportgewehr, schaut keiner so genau hin, wie Sonja Pfeilschifter nun den Vorkampf und das Finale schießt. Dies ist einfach nur Spaß und das mag ich ganz besonders.“

Mit dem Luftgewehr der Herren hatte Matthias Dierolf (Hachtel/Foto) zwei Ringe Vorsprung in das Finale gerettet. Mit 596 Ringen lag der Armbrustspezialist, in dieser Disziplin war er zwei Mal Weltmeister, vor einem Sechserfeld, das jeweils 594 Zähler nach dem Vorkampf aufweisen konnte.

In der Anfangsphase konnte Routinier Maik Eckhardt (Dortmund) dem Baden-Württemberger nahe kommen, denn nach 10,4, 10,7 und 10,2 lag der Westfale nur noch 0,9 Ringe hinter dem Führenden, bevor er mit einer 9,4 in der vierten Serie zurückfiel und auch später nicht mehr in die Entscheidung um die Medaillen eingreifen konnte.

Bis zur Hälfte des Finales hatte sich eine Dreierspitze aus Matthias Dierolf, Erich Schmul (Odendorf) und Thomas Hoche (Wetzdorf-Rockau) gebildet, die in dieser Reihenfolge auch bis zum letzten Durchgang konstant blieb.

Zu einem Duell kam es dabei um Silber und Bronze, denn die Schützen aus dem Rheinland und aus Thüringen waren zeitweilig nur durch einen Zehntelring voneinander getrennt. Im letzten Schuss jedoch entschied Erich Schmul das Duell für sich und gewann mit 697,9 Ringen (Vorkampf 594/Finale 103,9) und dem besten Finalergebnis die Silbermedaille vor Thomas Hoche, der mit 697,3 Ringen (Vorkampf 594/Finale 103,3) seinen Wettkampf beendete.

Am Sieger Matthias Dierolf gab es keine Zweifel mehr. Seine 698,5 Ringe (Vorkampf 596/Finale 102,5) waren heute das Maß aller Dinge in diesem Wettkampf.

Bei den Junioren gewann Andreas Bachl (Welchenberg/691,2 Ringe) diese Disziplin vor Philipp Rogner (Möhnesee/689,0 Ringe) und Florian Beier (Vöhringen/688,9 Ringe).

Ganz spannend war es auch im Sportgewehr der Juniorinnen, denn erst im letzten Schuss fiel erst die Entscheidung um den Meistertitel. Ramona Gößler (Foto rechts), die vor der letzten Serie noch auf Rang zwei lag, konnte mit einer 10,5 zum Schluss noch Michaela Grötzner (Berlin/Foto links) auf den Silberrang verweisen. Die beiden jungen Schützinnen hatten sich während des gesamten Finales einen packenden Zweikampf geliefert.

Ramona Gößler gewann mit 674,2 Ringen vor Michaela Grötzner, die auf 672,3 Ringe kam. Dahinter auf Rang drei Nadine Schüller (Schmalbroich) mit 668,8 Ringen.

Alle Ergebnisse der Deutschen Meisterschaften 2006 auf der Olympiaschießanlage in Garching-Hochbrück finden Sie nach den jeweiligen Wettbewerben hier.