Deutsche Meisterschaften

Sylvia Aumann gewinnt Luftgewehrtitel nach Herzschlagfinale

19.08.2006 00:00

Bekannte Namen dominierten das Luftgewehr der Damen. In der vollbesetzten Finalhalle sahen die Zuschauer eine höchst spannende Endrunde, in dem die drei Nationalkaderschützinnen, die den DSB so erfolgreich bei den Weltmeisterschaften in Zagreb vertreten hatten, die Hauptrollen spielten und die mit einem Herzschlagfinale endete.

 

Im letzten Durchgang gewann Sylvia Aumann (Landshut/Foto Mitte) den Wettbewerb und wurde mit 502,2 Ringen (Vorkampf 398/Finale 104,2) Deutsche Meisterin vor Sonja Pfeilschifter (Ismaning/Foto links), die knapp hinter der neuen Titelträgerin mit 502,0 Zählern (Vorkampf 399/Finale 103,0) Zweite wurde. Barbara Lechner (Triftern/Foto rechts) gewann die Bronzemedaille mit 501,7 Ringen (Vorkampf 398/Finale 103,7).

Sonja Pfeilschifter startete in das Finale mit einer 9,8, die ihren Vorsprung von einem Ring zunächst etwas schmälerte denn den besten Start der drei Spitzenschützinnen des DSB hatte Barbara Lechner mit einer 10,4.

Sylvia Aumann kam jedoch nach ihrer 9,7 zur Eröffnung mit hohen Zehnern im Verlauf des Finales immer stärker auf und belegte nach einer optimalen 10,9 im fünften Durchgang Rang zwei hinter Sonja Pfeilschifter, die sich ihrer Konkurrenz zunächst erfolgreich erwehrte. Jeweils zwischen 0,6 und 0,8 Ringe betrug ihr Vorsprung auch noch bis in die Schlussphase hinein.

Vor dem letzten Schuss waren es exakt 0,7 Ringe, die zwischen ihr und Sylvia Aumann lagen, dahinter behaupteten sich Barbara Lechner und Julia Ziegler (Neumarkt) gemeinsam auf Rang drei. Eine 9,8 in der zehnten Serie für Sonja Pfeilschifter reichten nicht zum Sieg, denn Sylvia Aumann hatte zuvor mit einer 10,7 ihren deutschen Meistertitel perfekt gemacht und in der Halle zu Hochspannung geführt.

Im direkten Kampf um Bronze gewann Barbara Lechner mit einer abschließenden 10,8 gegen die in diesem Wettkampf starke Julia Ziegler, die ihr Finale mit einer 10,0 beendete. Die Zuschauer verfolgten eine Entscheidung auf höchstem Niveau und sahen Klasseleistungen der deutschen Spitze im Gewehr der Damen.

Mit einer kleinen Überraschung endete dagegen das erste Finale in den olympischen Disziplinen am zweiten Tag der Deutschen Meisterschaften für Gewehr, Pistole, Laufende Scheibe, Wurfscheibe und Armbrust 10-Meter auf der Olympiaschießanlage in Garching-Hochbrück. Der erst 21-jährige Manuel Schwarz (Bruchmühlen/Foto rechts) gewann das Liegendschießen mit dem Kleinkalibergewehr mit insgesamt 700,6 Ringen (Vorkampf 596/Finale 104,6) vor den beiden Nationalkaderschützen Claus Hildebrand (Brigachtal), der mit 699,7 Zählern (Vorkampf 596/Finale 103,7) Silber gewann, und Ferdinand Stipberger (Lappersdorf/Foto links), der knapp dahinter mit 699,3 Ringen (Vorkampf 597/Finale 102,3) auf dem dritten Rang ins Ziel kam.

Nachdem zunächst der nach dem Vorkampf mit einem Ring führende Ferdinand Stipberger auch in der Endrunde seinen Vorsprung verteidigen konnte, musste der 34-jährige Lehrer aus der Oberpfalz im fünften Schuss nach einer 9,5 seine Führung zunächst an Claus Hildebrand abgeben, der aber ebenfalls nach dem siebten Durchgang von Manuel Schwarz, der das weitaus beste Finale schoss, überrundet wurde.

Mit zwei Mal 10,5 behielt der jüngste Finalteilnehmer, der im Vorkampf persönliche Bestleistung schoss, die Nerven und schloss seinen Wettkampf als Sieger ab.

Nach dem Finale sagte ein strahlender Titelträger: „Es ist jetzt ein tolles Gefühl, ich kann es noch gar nicht beschreiben. Nach dem ersten Schuss, einer 9,7, dachte ich mir, dass es für mich ganz schwierig sein würde, in diesem Klassefeld mit vorne dabei zu sein. Doch dann kamen nur noch Zehner, die ich sauber abgezogen habe und die alle passten. Ich habe mich während des gesamten Wettkampfes nur auf die Scheibe konzentriert, alles andere um mich herum ausgeblendet und nur gehofft, dass es gut läuft. Selbstverständlich werden wir heute Abend meinen Titel feiern, das habe ich mir verdient.“

Bei den Junioren gab es im Finale des Liegendschießens einen Wechsel an der Spitze, denn Daniel Schamel (Augsburg/Foto links), der nach dem Vorkampf noch mit 595 Ringen an Position eins lag, musste mit insgesamt 695,6 Ringen dem Vizeweltmeister von Zagreb, Daniel Brodmeier (Saal/Foto rechts), der mit 699,8 Ringen den nationalen Titel gewann, den Vortritt lassen. Der junge Augsburger gewann Silber vor Matthias Müller (Malschenberg), der auf insgesamt 693,3 Ringe kam.

Eine Glanzleistung zeigte Andrea Hartl (Oberhinkofen/Foto links) im Luftgewehr der Juniorinnen, denn die 397 Ringe, die die junge Schützin im Vorkampf erzielte, hätte auch im Erwachsenenbereich zum Eintritt in das Finale gereicht.

Mit vier Ringen Vorsprung ging sie in die Endrunde und zehrte während des gesamten Finales von dieser Differenz auf ihre Konkurrentinnen. Mit 497,6 Ringen gewann sie sicher vor Nadine Schüller (Hamminkeln/495,9 Ringe) und Julia Palm (Düssledorf/Foto rechts/495,8 Ringe).

Einen furiosen Auftakt im Finale der Freien Pistole zeigte Patrik Lengerer (Lichtenstein/Foto rechts). Als Vorkampfzweiter lag er mit 550 Ringen fünf Zähler hinter dem Führenden Abdullah Ustaoglu (Riegel/Foto links). Zwei Mal 10,6 schaffte er zum Auftakt, damit hatte er die Differenz zum Olympiateilnehmer von Athen 2004 um die Hälfte verringert.

Doch schon im nächsten Versuch schloss sich an die glanzvolle Eröffnung eine 6,2 an und damit war alle Bemühung dahin. Der 24-jährige Student aus Baden-Württemberg musste dann im achten Durchgang noch eine 5,2 schlucken und dies warf ihn aussichtslos zurück.

Ganz vorne zog Abdullah Ustaoglu nun seinen Wettkampf durch, hatte eigentlich keinen ernsthaften Gegner mehr und siegte am Ende dementsprechend völlig verdient mit insgesamt 648,4 Ringen (Vorkampf 555/Finale 93,4) vor Wolfgang Renner (Waldenburg), der sich im vorletzten Durchgang auf den zweiten Rang schoss und diesen Platz mit 643,9 Ringen (Vorkampf 549/Finale 94,9) auch bis zum Schluss behielt.

Dritter wurde ein alter Bekannter, der schon lange nicht mehr im Rampenlicht stand, diesmal aber wieder seine alte Klasse zeigte. Hans-Jürgen Bauer Neumaier (Landau), Olympiateilnehmer 1996 in Atlanta, schaffte es mit 641,6 Ringen (Vorkampf 549/Finale 92,6) auf den Bronzerang.

In der Sportpistole diesmal nicht die arrivierten Schützinnen im Mittelpunkt. Stefanie Thurmann (Frankfurt/Oder) und Claudia Verdicchio (Freiburg) verpassten knapp das Finale der besten Acht und Munkhbayar Dorjsuren (Moosach) weilt auf Einladung ihres ehemaligen Heimatlandes in der Mongolei.

Daher waren es Kerstin Nelson (Freudenberg/Foto links), Doreen Müller (Berlin/Foto rechts) und Monika Martin (Rott), die sich um die Medaillen stritten. Kerstin Nelson hatte mit 573 Ringen im Vorkampf einen Vorsprung von zwei Zählern zu Doreen Müller, die noch einmal zwei Ringe vor Monika Martin lag.

Diese Differenzen waren aber bereits nach zwei von vier Serien dahin, denn Doreen Müller zog an der Schützin aus Baden-Württemberg vorbei an die Spitze. Knapp dahinter Monika Martin, die ein ausgezeichnetes Finale schoss.

Im letzten Durchgang konnte Monika Martin auch noch an Kerstin Nelson vorbeiziehen, nach ganz vorne jedoch blieben die Möglichkeiten versperrt. So gewann Doreen Müller mit 771,2 Ringen (Vorkampf 571/Finale 200,2) vor Monika Martin, die 770,3 Ringe (Vorkampf 569/Finale 201,3) auf ihrem Erfolgskonto letztlich stehen hatte, und Kerstin Nelson, die sich mit 769,4 Ringen (Vorkampf 573/Finale 196,4) trotzdem über die Bronzemedaille freuen konnte.

Die letzten beiden Entscheidungen des heutigen Tages – Freie Pistole der Junioren und Sportpistole der Juniorinnen hatten es in sich und jeweils ihre eigene Story – sehr zum Leidwesen der Führenden nach dem Vorkampf.

Bei den Junioren erwischte es Florian Schmidt (Frankfurt/Oder/Foto links) heftig. Zunächst wurde er, der mit drei Ringen Vorsprung in das Finale ging, nach einer 7,5 und einer 6,2 von seinem Nationalmannschaftskollegen Florian Brunner (Freiberg/Foto rechts) auf Rang zwei verdrängt.

Im fünften Durchgang löste sich der Schuss, aber die Kleinkaliberkugel traf das 50 Meter entfernte Ziel nicht – eine Null. In der siebten Serie folgte dann noch eine 5,7. Der junge Schütze, der in dieser Saison so gut abgeschnitten hatte, wurde am Ende mit 616,2 Ringen sogar nur Fünfter.

„Der Abzugsfinger hat bei ihm so gewackelt, dass er ihn beim Hochnehmen der Pistole schon an den Bügel anlehnen musste, damit er ihn unter Kontrolle bekommt“, so Junioren-Bundestrainerin Bärbel Georgi, „als er ihn dann wegnahm hat er so gewackelt, dass sich der Schuss gelöst hat. Das Abzugsgewicht in der Freien Pistole bewegt sich ja bei den Junioren meist nur zwischen 30 und 40 Gramm.“

Florian Brunner (635,3 Ringe) gewann schließlich den Meistertitel vor Sebastian Schramm (Gera/633,7 Ringe) und Christian Reitz (Löbau/618,3 Ringe), der damit schon seine dritte Medaille in den olympischen Einzeldisziplinen bei diesen Deutschen Meisterschaften gewinnen konnte.

Kathrin Göpfrich (Walldorf) nutzten die sechs Ringe Differenz nichts, die sie aus dem Vorkampf in das Finale mitbrachte. Mit 565 Zählern lag sie vor Ina Steinicke (Siegen), die mit 559 Zählern Rang zwei belegte, dahinter Martina Peter (Pötzmes/Foto) mit 556 Ringen.

Für die Westfälin begann das Finale mit einer kleinen Katastrophe, denn der letzte Schuss der ersten Serie war eine 5,0, womit Ina Steinicke sich auf Rang drei wiederfand, fast zehn Ringe hinter der Führenden Kathrin Göpfrich. Über acht Ringe waren es noch nach der zweiten Serie.

Mit 51,8 Ringen – einer herausragenden Leistung – begann die unglaubliche Aufholjagd der 19-jährigen Abiturientin, die nach dem dritten Durchgang noch 3,6 Zähler hinter Kathrin Göpfrich wieder auf Rang zwei lag.

Die letzten fünf Schuss brachten die Entscheidung. Mit 48,4 Ringen schaffte Ina Steinicke die kleine Sensation, denn mit einer Finalleistung von 195,5 Ringen verwies sie Kathrin Göpfrich, die mit 44,4 Ringen ihre letzte Serie beendete, auf Rang zwei. Mit 754,5 Ringen wurde Ina Steinicke Deutsche Meisterin vor Kathrin Göpfert (754,1 Ringe) und Martina Peter (750,8 Ringe), die mit 194,8 Ringen ein gutes Finale schoss.

Alle Ergebnisse der Deutschen Meisterschaften 2006 auf der Olympiaschießanlage in Garching-Hochbrück finden Sie nach den jeweiligen Wettbewerben hier.