International

Unruh, Jagemann und Titscher scheitern im Viertelfinale

14.05.2008 00:00

Lisa Unruh (Berlin/Foto) mit dem olympischen Recurvebogen sowie Sabrina Jagemann (Duderstadt) und Paul Titscher (Glindow) mit dem nichtolympischen Compoundbogen sind bei den Europameisterschaften der Bogenschützen in Vittel (Frankreich) heute erst im Viertelfinale des Einzelwettbewerbs gescheitert.

 

Lisa Unruh, als Neunte des Vorkampfes ins Rennen gegangen, traf in der ersten Partie auf Martina Mackova (Tschechische Republik) und ließ ihrer Gegnerin beim klaren 104:88 keine Chance. Ecatarina Buliga (Moldawien) war da in Runde zwei schon eine weitaus stärkere Gegnerin, doch die 20-jährige Berlinerin setzte sich am Ende mit 107:104 durch.

Auch im Achtelfinale hatte sie gegen Viktoria Koval (Ukraine), die eine Runde zuvor Anja Hitzler (Berlin) mit 108:103 ausgeschaltet hatte, kein Probleme und konnte nach einem klaren 110:100 das Viertelfinale erreichen. Hier war allerdings gegen Elena Perosini (Italien) heute kein Durchkommen und Lisa Unruh musste nach einer 97:110-Niederlage als Verliererin den Platz verlassen.

Karina Winter (Berlin), gestern in der Qualifikation mit glänzenden 661 Ringen als Erste platziert, schaltete in der ersten Runde zwar Kristina Melicharova (Slowakei) aus, musste sich dann aber überraschend für alle Anita Evi Atla (Griechenland) mit 107:112 beugen. Die Griechin hatte kaum einer wirklich auf der Rechnung. Anja Hitzler bezwang im ersten Durchgang Kristina Esebua (Georgien) mit 106:100, bevor das Aus, wie schon erwähnt, gegen Viktoria Koval kam.

Bei den Herren überstanden alle drei Teilnehmer des Deutschen Schützenbundes die erste Runde. Jens Pieper (Braunschweig/Foto), der bei den Weltmeisterschaften 2007 in Leipzig dem DSB den einzigen Quotenplatz für die Olympischen Spiele in Peking sicherte, bezwang Viktor Ruban (Ukraine) mit 104:100. Daniel Hartmann setzte sich gegen Gilles Decker (Luxemburg) mit 113:98 durch und Sebastian Rohrberg (Langwedel), der amtierende Hallenweltmeister gewann gegen Anton Prylepav (Weißrussland) mit 112:109, nachdem er nach den ersten sechs Pfeilen noch einen Ring Rückstand aufwies.

In der zweiten Runde musste er jedoch gegen Daniel Kravacek (Slowakei) bei seiner 107:108-Niederlage den Wettbewerb verlassen, genau wie Daniel Hartmann, der gegen Semion Popov (Moldaiwen) mit 102:106 den Kürzeren zog.

Einzig Jens Pieper konnte die Runde durch seinen 108:105-Erfolg gegen Jacek Proc (Polen) meistern. Gegen Semion Popov entwickelte sich im Achtelfinale eine gleichwertige Partie. Nach der ersten Passe stand die Begegnung 54:54 und die zweiten sechs Pfeile mussten den Ausschlag geben. Diesmal war der Niedersachse jedoch nicht vom Glück verfolgt, denn er unterlag schließlich mit 109:110.

„Diese Sieben in der zweiten Hälfte des Wettkampfes musste nicht sein,“ zog Jens Pieper nach dem Match seine Bilanz, „ich hätte den Schuss absetzen sollen, aber ich wollte unbedingt den Druck auf dem gegner halten, daher habe ich schnell geschossen und dabei ist mir das Missgeschick passiert.“

Sabrina Jagemann (Foto) besiegte mit dem Compoundbogen zunächst Julja Oleksejenko (Lettland) mit 110:104, schaffte die zweite Runde durch einen hart erkämpften 105:103-Erfolg über Doris Walch (Österreich) und zog nach dem etwas überraschenden 113:112 gegen die starke Eugenia Salvi (Italien) in das Viertelfinale ein.

Dort traf sie auf Ivana Buden (Kroatien), eine der besten Schützinnen Europas. Schon nach der ersten Passe – ab dem Viertelfinale wurden vier Passen a drei Pfeile geschossen – lag die Sparkassenbetriebswirtin aus Duderstadt mit 23:28 zurück. Danach wurde die Partie unterbrochen, da sich in der „Stadt des Wassers“ alle himmlischen Schleusen öffneten und ein Gewitter mit wolkenbruchartigem Regen auf das Stadion niederging.

Nach rund dreißigminütiger Verzögerung wurde die Begegnungen wieder aufgenommen, doch Sabrina Jagemann konnte den Vorsprung der Kroatin nicht mehr egalisieren. Im Gegenteil: Ivana Buden zog immer weiter davon und hatte am Ende mit 115:100 das Match klar gewonnen.

Damit war die letzte Teilnehmerin aus dem Einzelwettbewerb ausgeschieden, denn zuvor hatten sich Melanie Mikala (Karlsbad) in der ersten Runde gegen Polymnia Tzanoglou (Griechenland) bei ihrer 104:107-Niederlage verabschiedet. Andrea Weihe (Saalfeld) gewann zwar ihr Auftaktmatch mit 116:114 gegen June Svenson (Norwegen), gegen Nichola Simpson (Großbritannien) hatte sie jedoch mit 111:116 das Nachsehen.

Paul Titscher (Foto) war als Neunter der Qualifikation und damit bester Deutscher in die Direktausscheidung gegangen, hatte dort zunächst in der ersten Runde Joao Nobre (Portugal) mit 116:101 klar dominiert und war auch in Runde zwei Mathieu van de Poele (Belgien) mit 117:110 klar erfolgreich.

Im Achtelfinale wartete dann der Qualifikationsachte Neil Wakelin (Großbritannien) auf den 21-jährigen Student aus Brandenburg, der aber auch hier mit 117:112 das bessere Ende für sich hatte. Im Viertelfinale wartete jedoch kein Geringerer als der erfahrene Martin Damsbo (Dänermark), der viele internationale Meisterschaften schon gewonnen hat und in der Qualifikation mit 705 Ringen von der Spitze aus in diese Direktausscheidung gegangen war. Nach hartem Kampf musste Paul Titscher beim 113:119 die Überlegenheit des Dänen anerkennen.

Thomas Hasenfuß (Hohenberg-Krusemark) bezwang in der Auftaktrunde Jouko Simula (Finnland) mit 117:113, hatte aber dann gegen Eoin O’Donoghue (Irland) beim 111:112 knapp das Nachsehen. Rainer Voss (Berlin) traf gleich in Runde eins auf den international bekannten Dejan Sitar (Slowenien) und hatte beim 107:115 kaum eine Chance gegen hochklassigen Gegner.

Morgen geht es beim kontinentalen Quotenplatz-Turnier bei Damen und Herren mit dem Recurvebogen um jeweils drei Olympiatickets für Peking, wobei ein Land jedoch nur zwei Plätze gewinnen kann. Für die drei deutschen Damen und die beiden Herren – Jens Pieper hat den Quotenplatz bereits gewonnen – eine neue Herausforderung, die Bundestrainer Martin Frederick so kommentiert: „Morgen ist für uns der entscheidende Tag. Die Olympischen Spiele sind der sportliche Höhepunkt dieses Jahres und wir wollen alles daran setzen, dass der Quotenplatz von Jens Pieper von Leipzig 2007 nicht der einzige für Deutschland bleibt. Lisa Unruh hat durch ihre gute Platzierung heute gezeigt, dass sie ganz vorne dabei sein kann und Karina Winter, die sich in der Qualifikation so glänzend schlug, hat sicherlich ebenfalls ein starkes Selbstwertgefühl. Sie sind beide in guter Form und ich kann nur hoffen, dass sie dies alles morgen bestärken wird.“

Die Medaillenentscheidungen der Europameisterschaften in Vittel finden am kommenden Samstag statt.