International

Weltmeister Marco Spangenberg gewinnt 14. Quotenplatz

30.07.2006 00:00

Bei den Weltmeisterschaften der Sportschützen in Zagreb (Kroatien) hat der amtierende Weltmeister mit der Schnellfeuerpistole, Marco Spangenberg (Oberwallmenach/Foto), den vierten Platz belegt. Mit 778,4 Zählern verpasste der 25-jährige nur knapp die Medaillenränge, holte aber mit seiner Leistung den vierzehnten Quotenplatz für den Deutschen Schützenbund für die Olympischen Spiele 2008 in Peking.

 

Neuer Weltmeister wurde Penghui Zhang (China/786,6 Ringe) vor Zhongsheng Liu (China/781,7 Ringe) und dem Olympiasieger von Sydney 2000, Sergei Alifirenko (Russland/778,9 Ringe).

Der Titelverteidiger aus Nordrhein-Westfalen erzielte gestern im ersten Halbprogramm 290 Ringe, ließ heute noch einmal 292 Zähler folgen. Damit ging er als Vierter ringgleich mit dem Zweiten, Sergei Alifirenko, in das Finale, wo er mit einer 49,9 begann. Die weiteren Serien lagen bei 48,5, 49,4 und 48,6 Ringen, sodass er auf ein Finalresultat von 196,4 Ringen kam.

Da in der Finalhalle von Zagreb nur jeweils zwei Schützen antreten konnten und Marco Spangenberg gegen seinen direkten Gegner Zhongsheng Liu schon im Rückstand lag, musste er nun warten, bis die beiden Führenden Zhang und Alifirenko ihr Match absolvierten.

Während Zhang keinen Zweifel daran ließ, wer hier am Ende die Goldmedaille gewinnen würde, zog der Russe zunächst zwar an Marco Spangenberg vorbei, leistete sich aber in der dritten Serie eine 46,6 und lag vor seiner Abschlussserie zwei Ringe hinter dem Deutschen zurück. Mit einer 51,1 zum Schluss verdrängte er den Titelverteidiger wieder und sicherte sich die Bronzemedaille.

„Ich habe schon im Vorkampf zu viele Fehler gemacht“, sagte Marco Spangenberg nach dem Finale, „denn das Finale war nicht schlecht, die Technik war in Ordnung, aber ich war wohl ein wenig nervös und das Handgelenk war nicht stabil, daher waren nicht alle Schüsse in der Zehn. Wenn ich dann die Zehner hatte, waren sie jetzt hier im Finale bei der Zehntelwertung leider nicht hoch genug, dafür waren die Neuner dann aber tief. Also genauso, wie es nicht sein soll, daher hat mir etwas zur Medaille gefehlt. Alles in allem bin ich aber mit meiner Leistung hier zufrieden.“

Der dreifache Olympiasieger und Seriensieger der letzten zwei Dekaden, Ralf Schumann (Stockheim), versuchte nach seinen gestrigen 287 Ringen heute noch einmal mit aller Macht, den Rückstand aufzuholen, doch 292 Ringe reichten am Ende nicht ganz. Mit insgesamt 579 Zählern insgesamt wurde der 44-jährige Feinmechaniker Siebter und erreichte die Endrunde nicht.

„Verloren hat Ralf den Wettkampf schon gestern. Eine Sieben und drei Achter waren einfach zu wenig, um sich bei diesem Klassefeld ganz vorne zu platzieren“, erklärte Bundestrainer Peter Kraneis das Ausscheiden, „wir haben beide keine rechte Erklärung für diese vier Schüsse.“

Ralf Schumann (Foto) wusste die Sieben in der gestrigen Sechs-Sekunden-Serie genau zu erklären: „Das war ein grober technischer Fehler. Nach einer unerklärlich langen Pause bin ich in die Zehn gegangen, habe aber nicht sauber abgedrückt, nur Gewicht verringert. Dann bin ich runter mit der Waffe in die Acht, der Finger ging weg, wie das auch normal ist, und dies war eine langsame Bewegung. In die Gegenbewegung – einer schnellen Aufwärtsbewegung – habe ich dann abgedrückt und ihn dabei regelrecht „rausgesemmelt“.

Ich bin natürlich von meinem Abschneiden hier enttäuscht, aber das Leben geht weiter. Wir müssen erst einmal genau analysieren, woran es gelegen hat, dass mein Resultat nicht so war, wie ich es mir gewünscht hatte. Momentan sind die Trainer und ich der festen Überzeugung, dass wir alles richtig gemacht haben.

Wir hatten ein sehr erfolgreiches Jahr, haben stets auf höchstem Niveau geschossen, waren in den Weltcups immer ganz vorne dabei. Wir hatten eine Wettkampfvorbereitung für diese WM, die einfach optimal war. Der Mannschaftszusammenhalt ist hervorragend, wir passen menschlich sehr gut zueinander und es macht Spaß, in diesem Team zu sein, dass ich plane, bis zu den Olympischen Spielen 2012 in London als aktiver Schütze mitzumachen.

Wir haben auch in der WM-Vorbereitung, von der Leistung her gesehen, am absoluten oberen Limit geschossen. Warum wir hier so viele Neuner gesammelt habe, weiß ich im Augenblick wirklich nicht.“

Martin Behrendt (Frankfurt/Oder), der gestern das Pech zweier Waffenfehler hatte und damit weit zurückgeworfen wurde, zeigte heute mit 289 Ringen eine ordentliche Leistung, konnte sich mit insgesamt 555 Ringen dementsprechend nur auf Rang 59 im Gesamtklassement platzieren.

Die Mannschaftswertung ging in der Schnellfeuerpistole mit neuem Weltrekord an China (1743 Ringe) vor Russland (1736 Ringe) und Italien (1721 Ringe). Deutschland wurde Fünfter mit 1716 Ringen.

Bundestrainer Peter Kraneis: „Wir haben heute wieder einen Quotenplatz geholt. Damit ist das Kontingent für die Schnellfeuerpistole voll und wir können in Ruhe Richtung Olympische Spiele 2008 in Peking arbeiten. Marcos vierter Platz heute ist, wenn ich mir diese Saison betrachte, für ihn nicht schlecht. Als Fazit für die Pistolenwettbewerbe hier in Zagreb kann ich nur feststellen, dass wir sicher nicht das erreicht haben, was wir erreichen wollten.“

Die deutschen Herren haben sich nicht für das Finale in der Disziplin Freie Waffe qualifizieren können. Maik Eckhardt (Dortmund/Foto) war mit 1164 Ringen und dem 23. Platz bester deutscher Schütze. Armin Rothmund belegte mit 1161 Ringen den 29. Platz und Claus Hildebrand (beide Brigachtal) kam im Gesamtklassement auf Rang 42 mit 1153 Ringen.Der 36-jährige Westfale startete mit hervorragenden 399 Ringen im Liegendschießen in seinen Wettkampf hinein. 375 Ringe kamen im Stehendanschlag dazu, wobei ihn eine 90er-Serie etwas zurückfallen ließ. Mit wiederum starken 390 Ringen im Kniendanschlag beendete Maik Eckhardt seinen Wettkampf. Damit fehlte ihm nur ein Ring zum begehrten olympischen Quotenplatz.

„Ich habe einen ordentlichen Wettkampf geschossen, aber leider kein ausreichendes Ergebnis erzielt“, lautete das Fazit von Maik Eckhardt nach dem Wettkampf, „ich habe eine ganze Menge von gut vorbereiteten Schüssen abgegeben, die aber alle leider nicht in der Zehn waren. Vor allem im Stehendanschlag war es für mich bitter, dass ich mit zehn Neunern hintereinander nur eine 90er-Serie zusammengekratzt habe. Da war nicht einmal eine Glückszehn dabei.

Schade ist, dass ich zum Beispiel im letzten Schuss des Wettkampfs eine 9,9 erzielt habe. Nur ein einziges Zehntel mehr hätte gleich einen Ring gebracht und mit der Zehn hätten wir jetzt den vierzehnten Quotenplatz für den Deutschen Schützenbund gefeiert. So eng lag das hier beieinander.“

Armin Rothmund (Foto) eröffnete seinen Wettkampf mit 396 Ringen in der liegenden Position, ließ 377 Ringe im Stehendanschlag folgen und schoss mit 388 Ringen im Kniendanschlag aus. Claus Hildebrand kam auf 397 Ringe im Liegendanschlag, ließ 372 Ringe im Stehendanschlag folgen und anschließende 384 Ringe im Kniendanschlag rundeten den Wettkampf des Südbadeners ab.

Weltmeister 2006 wurde Artem Kadschibekow (Russland/1273,5 Ringe). Er gewann das Finale vor Stevan Pletikosic (Serbien und Montenegro/1269,1 Ringe) und Lei Zhang (China/1268,4 Ringe).

Das deutsche Team platzierte sich mit 3464 Zählern auf dem siebten Platz. Neuer Weltmeister wurde Russland (3498 Ringe) souverän vor Österreich (3482 Ringe) und den Schützen aus den USA (3479 Ringe).

Bundestrainer Claus-Dieter Roth mit einem Fazit nach den Gewehrwettbewerben: „Wir hatten heute bei den Herren vor allem im Stehendanschlag Schwierigkeiten, dort haben wir die meisten Ringe verloren. Leider haben wir darüber hinaus um einen Ring den Quotenplatz verpasst, aber damit müssen wir leben und wir werden jetzt im nächsten Jahr wieder angreifen.

Die Leistungen der Herren waren hier in Zagreb insgesamt nicht zufriedenstellend. Wir hatten keine Finalteilnahme, wo ich doch schon den einen oder anderen gerne dort gesehen hätte. Ambitionen hatten wir auch auf eine Mannschaftsmedaille, sicher nicht Gold, aber mit Bronze hätte ich schon einmal gerechnet.

Wenn jeder das geschossen hätte, wozu er in der Lage ist, selbst ohne über sich herauszuwachsen, wäre eine Medaille im Bereich des Möglichen gewesen. Sehr enttäuscht war ich vom Liegendschießen, das war unter der Gürtellinie. Mit nur einem Schützen im Vorkampf und dem Scheitern von zwei Schützen in der Elimination war das wirklich nur enttäuschend.

Bei den Damen können wir von den Mannschaftsleistungen sehr zufrieden sein. Mit zwei Mal Gold und einmal Silber haben wir unsere Leistung gebracht. Die zweimaligen Finalteilnahmen durch Sonja Pfeilschifter und Barbara Lechner sind ebenfalls sehr positive Resultate und die Einzelmedaille von Sonja Pfeilschifter in der olympischen Disziplin Sportgewehr ist sicherlich das Sahnehäubchen darauf.“

Die Junioren sammelten dagegen Medaillen. Silber im Mannschafts- und Bronzemedaille durch Daniel Brodmaier (Saal-Reißing/Foto) im Einzelwettbewerb hieß die positive Ausbeute am heutigen Nachmittag. Der junge DSB-Nachwuchsschütze, der bereits Silber im Einzel und Bronze mit der Mannschaft im Liegendschießen gewonnen hatte, wurde hinter Yifei Cao (China/1158 Ringe) und Vaclav Haman (Tschechische Republik/1156) mit 1155 Ringen auf Platz drei notiert.

Auf Rang 13 Sebastian Hahn (Weihenzell) mit 1142 Zählern und auf dem 23. Rang Matthias Müller (Malschenberg) mit 1138 Ringen.

Die Mannschaftswertung ging an China (2452 Ringe) vor Deutschland (3435 Ringe) und den Schützen aus den USA (3431 Ringe).

Die kompletten Resultate der Weltmeisterschaften 2006 in Zagreb finden Sie nach Abschluss der jeweiligen Wettkämpfe hier.