Olympische Spiele

„Wenn man nach oben will, braucht man gute Helfer“

05.05.2004 00:00

Mit dem 10. Platz beim vorolympischen Weltcup sicherte sich Skeet-Schütze Axel Wegner (Machern/Foto) die Nominierung des Deutschen Schützenbundes für die Olympischen Spiele 2004 in der griechischen Hauptstadt Athen. Die endgültige Mannschaftsbesetzung für die Spiele im kommenden August erfolgt durch das Nationale Olympischen Komitee für Deutschland (NOK). Die Kollegen der Sächsischen Schützenzeitung nutzten die Gelegenheit, den Goldmedaillengewinner von 1988 in Seoul zur Olympiaschießanlage, den Bedingungen in Athen und seinen persönlichen Wünschen zu befragen.

 

„Herr Wegner, erst einmal herzlichen Glückwunsch zur sportlichen Leistung und zur Qualifikation für die Olympischen Spiele 2004 in Athen. Wie war der Wettkampf und wie viel sieht man in Athen bereits von den Olympia-Vorbereitungen ?“
 
„Der Wettkampf nahm eigentlich einen guten Verlauf. Auch wenn die eine oder andere Serie noch etwas holprig lief, so bin ich dennoch mit dem Ergebnis zufrieden. Insbesondere weiß ich, dass ich noch deutliche Reserven habe. Ich persönlich habe den Olympia-Schießstand als sehr angenehm empfunden. Gerade wenn das Wetter mit spielt, sind sehr gute Leistungen möglich. Der Schießstand in Athen ist komplett neu „auf der grünen Wiese“ gebaut worden, entstanden ist ein moderner Schießstand mit einer großflächigen Raumaufteilung. Beispielsweise sind zwischen den einzelnen Wurfscheibenständen ca. 10 Meter Platz, was bei vergleichbare Anlagen eher selten zu finden ist. An vielen anderen Orten stehen Hochhaus und Niederhaus von benachbarten Ständen direkt beieinander. Etwas störend habe ich dagegen die Einflugschneise des Airports empfunden, die sich direkt gegenüber der Schießanlage befindet. Natürlich muss auch der Olympia-Schießstand noch baulich und gestalterisch vollendet werden. Etwas verwundert war ich über die fehlende Präsenz von Olympia in der Stadt Athen und auf der Olympia-Schießanlage selbst. Ich denke, wenn ich durch Leipzig fahre, sehe ich mehr von Leipzig 2012 als in Athen von den Olympischen Spielen 2004 ab Mitte August diesen Jahres."
 
„Wie bewerten Sie Ihr Weltcup-Ergebnis selbst?“
 
„Im wesentlichen bin ich zufrieden, wobei mehr drin war. Der erste Wettkampftag mit 73 getroffenen Scheiben (24, 24, 25) war gut, wenn auch nicht optimal. Am zweiten Tag kam dann eine 23 dazwischen, wo mir sogar noch auf Stand sechs eine Scheibe davonflog. Mit der abschließenden 24 wurden es dann im Ergebnis 120 getroffene Scheiben und Platz 10. Natürlich liegt in unserer Disziplin die Weltspitze sehr eng zusammen. Ein oder zwei Scheiben mehr bedeuten manchmal 25 Plätze. Zum Weltcup in Athen wären zwei Scheiben mehr schon ein Finalplatz gewesen. Aber wie gesagt, ich denke, ich kenne meine Reserven. Jetzt habe ich ja noch drei Monate Zeit zur intensiven Vorbereitung auf die Olympischen Spiele und dann kommt’s drauf an.“
 
„Wie sehen Sie selbst Ihre Olympia-Nominierung ?“
 
„Zuerst einmal habe ich mich riesig gefreut. Klar, geliebäugelt hatte ich mit der Nominierung schon. Mit dem Gewinn des Quotenplatzes im vergangenen Jahr durch die Bronzemedaille bei der Europameisterschaft hatte ich die Ausgangsvoraussetzungen geschaffen. Dann kam natürlich die nationale Ausscheidung und ich verrate sicherlich nichts neues, dass es in Deutschland sehr viele gute Sportschützen gibt. Ich habe mir die Qualifikation zugetraut und hatte auch Vertrauen in die eigene Leistung. Und mit ein, zwei Scheiben mehr ist man bei den Weltcups schon richtig im Geschäft.“
 
„Was sehen Sie selbst als realistisches Ziel für die Olympischen Spiele an ?“
 
„Eine Finalteilnahme in Athen habe ich mir fest vorgenommen. Sehen Sie, zu den Weltcups treten im Durchschnitt 120 Starter an, ich habe mit meinen 120 getroffenen Scheiben den 10. Platz erkämpft. Zu Olympia werden dann zwar nur die Hälfte der Starter in der Skeet-Konkurrenz antreten, aber eben die besten aus allen Nationen dieser Welt. Das heißt für mich, dass ich in den einzelnen Serien noch die eine oder andere Scheibe drauf legen muss und auch weitere „Volle“  - also 25 getroffene von 25 möglichen Scheiben - kommen müssen.“
 
„Mehrfach erwähnten Sie bereits, dass Sie Unterstützung aus vielen Bereichen erfahren haben. Sagen Sie doch mal danke und geben Sie der Unterstützung einen Namen.“
 
„Gerade in den letzten zwei bis drei Jahren konnte ich deutlich spüren, dass ich unterstützt werde. Man muss ganz klar sagen, wenn man nach oben will, braucht man gute Helfer. Und die habe ich mit einigen Partnern gefunden. Der Olympiastützpunkt Leipzig mit seinem Leiter Dr. Winfried Nowack und Laufbahnberaterin Dr. Marion Mendel haben mir schon des öfteren den „Rücken freigeräumt“. Mit der LTB Leipziger Transport und Logistik Betriebe GmbH habe ich einen Arbeitgeber gefunden, der Verständnis für den erhöhten Trainingsaufwand hat. Zudem möchte ich auch ganz herzlich Dank vielen Kollegen der LTB sagen, die interessiert und solidarisch mir gegenüber auftreten. Dementsprechend war das „Gejohle“ am Montag groß, als ich mit der Olympia-Fahrkarte wieder zur Arbeit kam. Ja, dann gibt’s auch noch den Deutschen und Sächsischen Schützenbund. Gerade die Fan-Gemeinde der sächsischen Schützen gibt einem schon Kraft, wenn man merkt, dass auch andere an einen glauben. Zum Landesschützentag Ende April (Foto mit DSB-Vizepräsident Jürgen Kohlheim bei der Ehrung) wurde ich für bisherige sportliche Leistungen durch den Sächsischen Schützenbund ausgezeichnet, und der Applaus der Delegierten der 337 Mitgliedsvereine war schon ein schönes Gefühl für mich. Und nicht zuletzt ist da auch noch meine Familie, die mir ganz fest die Daumen hält.“
 
„Wie geht’s denn nun in den nächsten Wochen weiter und wie sieht Ihre sportliche Olympia-Vorbereitung aus ?“
 
„Regelmäßiges und intensives Wettkampftraining mit kleineren Wettkämpfen sehe ich als richtiges Konzept an. Ich werde verstärkt auch Training auf den WM-Anlagen in Suhl absolvieren, da dort ähnliche Bedingungen wie in Athen zu finden sind und die gleichen Wurfmaschinen und Wurfscheiben verwendet werden. Mit Bundestrainer Wilhelm Metelmann haben wir die nächsten Schritte abgesprochen. An der Europameisterschaftsqualifikation werde ich nicht teilnehmen, zur EM bin ich allerdings gesetzt und das soll dann auch die letzte große Kontrolle vor den Olympischen Spielen sein.“
 
„Und was macht Axel Wegner persönlich in den nächsten Wochen ?“
 
„Mein Haus bauen. Eigentlich habe ich mir fest vorgenommen, noch vor den Olympischen Spielen in die eigenen vier Wände einzuziehen. Diese Woche feiern wir Richtfest, ein wichtiger Abschnitt des eigenen Heims ist also schon fertig. Ansonsten ist es notwendig, viel für die Vorbereitung der Teilnahme an den Olympischen Spielen zu tun und da muss schon einiges an Persönlichem zurückstehen.“