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„Wir müssen mehr Netzwerke bilden“

18.03.2004 00:00

Das erste Frauensymposium des Deutschen Schützenbundes fand vom 24.-25. Oktober 2003 in Duderstadt statt. Die Veranstaltung, die unter der Schirmherrschaft der ehemaligen Bundestagspräsidentin Prof. Dr. Rita Süssmuth stand, befasste sich mit aktuellen Themen wie Gender Mainstreaming, der Gleichstellung von Mann und Frau im Ehrenamt sowie schützenspezifischen Fragestellungen wie zum Beispiel „Wie attraktiv ist der Schützenverein für Frauen ?“.

 

Über dieses Ereignis in Niedersachsen ist nun eine umfassende Dokumentation erhältlich. Mit der Frauenbeauftragten des DSB, Renate Koch (Foto), die maßgeblich an der Organisation und Durchführung des Symposiums beteiligt war, führten wir das folgende Gespräch:
 
„Frau Koch, die Damen im Deutschen Schützenbund sind, ein wenig provokant gefragt, vor allem im Leistungssport doch sicherlich gleichberechtigt ?“
 
„Sicherlich, da haben Sie recht, zumindest was das Sportliche betrifft. Im Gegenteil, ich würde sogar sagen, dass die Frauen auf Grund ihrer Leistung noch mehr hervorgehoben werden als die Männer. Dies gilt vor allem für die Medien und hier speziell für die Printmedien. Aber in den Ehrenämtern müssen die Frauen immer noch um die Gleichstellung kämpfen. Gerade wenn jemand für ein Ehrenamt vorgeschlagen werden soll, sind es die Männer, die ihre Geschlechtsgenossen weitaus eher in das Amt bringen wollen. Hier sehe ich noch großen Handlungsbedarf.“
 
„Woran liegt das ? Ziehen sich Frauen zu schnell zurück, wenn es zum Beispiel auf Kampfabstimmungen um ein Amt zugeht ?“
 
„Ich denke, man muss diese Fragen von zwei Seiten betrachten. Viele Frauen sind in ihrer beruflichen Stellung nicht in leitenden Positionen, dementsprechend wurden sie immer schon geführt und mussten sich beruflich oder familiär unterordnen. Da fehlt dann schon manchmal auch das Selbstvertrauen zu sagen: Ich will Präsident unseres Vereins werden. Die zweite Seite der Medaille ist, dass wir in der Vergangenheit kaum etwas speziell für die Frauen angeboten haben, um sich weiter fortzubilden. Es fehlt vielen Frauen am Blick über den Zaun ihres eigenen Ehrenamtes. Die meisten Frauen in unseren Ehrenämtern sehen nur ihren eigenen kleinen Bereich und dort sind sie auch gut, keine Frage. Aber zu schauen, was machen andere Frauen in anderen Verbänden zum Beispiel, das fehlt heutzutage meist noch. Frauen bilden einfach noch keine Netzwerke, wie es neuhochdeutsch heißt, aber sie haben es auch nie gelernt bzw. vorgeführt bekommen. Wie man mit anderen Frauen zusammenarbeitet, wie man von anderen Anregungen aufnimmt, sich neuzeitlicher aufzustellen, das ist ein wenig das Problem bei uns. Viele sind noch auf dem Stand der Siebziger Jahre des vorigen Jahrhunderts, aber die Zeit hat sich gewandelt und hier müssen wir etwas tun.“
 
„Hat dies alles aber nicht mit dem auch heute noch schwierigen Spagat vieler Frauen zwischen Berufsleben und Familie zu tun ?“
 
„Ich denke, die Frauen, die im Augenblick in den meisten Ehrenämtern sind, die haben diese Schwierigkeiten erlebt, das ist richtig. Die jungen Frauen aber, die nun langsam nachrücken, die ganz klar ihren Beruf in den Vordergrund gestellt haben und charakterlich viel selbständiger sind, die werden sich in Zukunft sicher ganz anders durchsetzen können. Das sind die Powerfrauen, die unwahrscheinlich gut arbeiten, die sagen „Ich will“ und dies dann auch dürfen, denn es ist ja nicht so, dass man Frauen Positionen im Ehrenamt verwehrt.“
 
„Was waren Ihre nachhaltigsten Eindrücke von Duderstadt im letzten Jahr ?“
 
„Zum ersten Mal bei einer so großen Menge Frauen habe ich die Verschiedenheit des Agierens gesehen. Da waren Symposiumsteilnehmerinnen, die standen auf und bekannten sich zu ihren Wünschen, auch in höchste Ämter des Sports zu gelangen, andererseits waren dort Frauen, denen es genügte – dies sage ich jetzt einmal überspitzt – das Schützenhaus zu putzen. Es ist aber schwierig, solch unterschiedlichen Verhaltensformen unter einen Hut zu bringen, deshalb wird es eine wichtige Zukunftsaufgabe für mich sein, Maßnahmen gerade für diejenigen Frauen anzubieten, die noch nachgeholt werden müssen. Wir benötigen alle, die gerne ein Ehrenamt übernehmen wollen.“
 
„Welche Projekt planen Sie für die Zukunft ?“
 
„Wir wollen im Jahre 2005 einen Kongress veranstalten. Das Thema wird dann wahrscheinlich „Frauen im europäischen Schießsport“ sein.“
 
Die komplette Dokumentation kann bei Renate Koch (email: Koch_bdl@hotmail.com) bestellt werden. Als weitere Veranstaltungen der Frauen im Deutschen Schützenbund sind geplant:
 
07.-09. Mai 2004
 
„Freies Reden – Argumentieren – Überzeugen“
 
22.-24. Oktober 2004
 
„Veranstaltungen planen – Verändern – Zum Erfolg führen“
 
Beide Veranstaltungen werden in der Bildungs- und Ferienstätte Eichsfeld in Uder/Thüringen stattfinden. Auch hierzu gibt Renate Koch gerne nähere Auskunft.