International

WM-Bronze für Sonja Pfeilschifter

27.07.2006 00:00

Nach einem dramatischen Finale hat Sonja Pfeilschifter (Foto rechts) mit ihrer Bronzemedaille im Sportgewehr der Damen die erste olympische Einzelmedaille für den Deutschen Schützenbund bei den Weltmeisterschaften im Sportschießen in Zagreb (Kroatien) gewonnen. Hinter der neuen Weltmeisterin Ljubow Galkina (Russland/684,3 Ringe/Foto Mitte) und Sylwia Bogacka (Polen 683,8 Ringe/Foto links) kam die 35-jährige Sportsoldatin mit 683,4 Ringen auf den dritten Platz. Barbara Lechner (Triftern) wurde mit 677,3 Ringen Siebte.

 

Sonja Pfeilschifter startete von fünfter Position aus in diese Entscheidung und hatte nach zwei Mal 10,0 zu Beginn des Finales schon die vierte Position erobert. Nach einer 10,4 war es kurzfristig sogar mit Sylwia Bogacka der Silberrang, bevor eine 9,1 die dreifache Einzelweltmeisterin wieder auf Rang vier zurückfallen ließ.

Doch schon zur Hälfte der Endrunde stand die DSB-Schützen wieder auf dem Bronzerang und verteidigte diese Position bis zum Ende. Im letzten Durchgang kam dann noch einmal große Spannung auf, denn Lidija Mihajlovic (Serbien und Montenegro) war bis auf 0,3 Zehntelringe an Sonja Pfeilschifter herangekommen.

Der letzte Schuss der Bayerin war eine 9,7 – ein Aufstöhnen ging durch die deutsche Anhängerschaft, die zahlreich in der heißen Finalhalle vertreten war – dann der Schuss der Serbin. Auf der Anzeigetafel leuchtete die 9,8 und dies war die sichere Bronzemedaille für Sonja Pfeilschifter. Riesenjubel über diese erste Einzelmedaille in den olympischen Disziplinen für den Deutschen Schützenbund.

„Jetzt herrscht nur noch Glück, Erleichterung, es ist einfach sensationell“, so die strahlende Dritte nach dem Finale, „der ganze Druck ist nun abgefallen, denn die Erwartungshaltung vor dem Finale war doch sehr hoch. Ich habe heute hier ein tolles Finale für Kleinkaliber geschossen, darüber freue ich mich riesig.

Mir ist es egal, ob ich Gold, Silber oder Bronze gewinne, jede Medaille zählt für mich, aber es ist schon eine ganz Wichtige, weil ich wusste, dass es die letzte Chance sein würde, eine olympische Medaille zu gewinnen. Die kommende Entscheidung hier in Zagreb, das Liegendschießen ist bei den Frauen eine nichtolympische Disziplin und das zählt eben nicht ganz soviel wie ein olympischer Wettbewerb.

Dazu kommt, dass es ja im Luftgewehr und auch gestern in der Elimination bei mir nicht so gut geklappt hat, da kann man sicherlich nachvollziehen, dass ich jetzt total happy bin.“

Das Resumee von Bundestrainer Claus-Dieter Roth, dem die Anspannung nach dem Finale noch deutlich anzumerken war: „Natürlich ist man als Trainer voll dabei und man spürt ebenfalls den Druck, denn es konnte ja die erste olympische Medaille bei dieser WM werden.

Es war ein hervorragendes Finale von Sonja, sie hat zu ihren alten Stärken zurückgefunden. Sie hat über 100 Ringe im Finale geschossen, das benötigt man, um ganz vorne mitzumischen und es haben weiter vorn platzierte Konkurrentinnen gepatzt.

Ich habe Sonja, wie wir es in den vergangenen Jahren gehalten haben, vor diesem Finale völlig in Ruhe gelassen. Sie hat ihr Ding heute hier in Zagreb gemacht und sie hat es toll hinbekommen.“

Sonja Pfeilschifter hatte die gestrige Durststrecke in der Elimination heute Morgen sehr gut weggesteckt und ging ihren Wettkampf rasant an. Mit 99 und 100 Ringen im Liegendanschlag war sie hervorragend gestartet, setzte zwei Mal 96 Ringe im Stehendanschlag nach und beendete den Vorkampf im Kniendanschlag wiederum mit zwei 96er-Serien, sodass am Ende der fünfte Rang nach dem Vorkampf für sie zu Buche stand.

Barbara Lechner (Foto) begann wie Sonja Pfeilschifter mit 99 und 100 Ringen in der Liegendposition, im Stehendanschlag waren es 97 und 98 Ringe, doch im Kniendanschlag folgten 93 und 95 Ringe, die sie mit 582 Ringen auf den siebten Rang zurückwarfen.

Claudia Keck (Grünbach), die dritte deutsche Schützin in dieser Disziplin, kam mit 576 Ringen auf den 22. Rang.

„Im Kniendschießen bin ich heute überhaupt nicht auf die Füße gekommen“, startete Barbara Lechner ihren Kommentar zum Wettkampf mit einem echten Bonmot, „das war eine echte Katastrophe. Ich bin froh, dass meine beiden anderen Anschlagpositionen das Ergebnis noch gerettet haben. Ich hatte aber in diesem Jahr mit dem Kniendanschlag permanent Probleme. Vor zwei Jahren noch war es meine stärkste Position, aber jetzt kommt im Finale das Stehendschießen und da greife ich von Platz sieben noch einmal richtig an.“

Claudia Keck (Foto) war ein wenig traurig: „In allen drei Anschlägen war ich heute nicht sicher. Das Liegendschießen habe ich noch einigermaßen absolviert, beim Stehndanschlag fingen die Probleme schon an und im Kniendschießen ging für meine Verhältnisse gar nichts mehr. Ich stand da auch schon im Probeschießen mehrmals auf, habe versucht, meine richtige Position zu finden, bin aber auf keinen grünen Zweig gekommen.“

Daniel Brodmaier (Saal-Reißing/Foto Mitte) gewann im Liegendschießen der Junioren hinter Matthew Thomson (Großbritannien/593 Ringe) mit 592 Zähler die Silbermedaille im Einzelwettbewerb. Die Bronzemedaille ging an Stefan Raser (Österreich/592 Ringe), wobei der junge Deutsche die bessere letzte Serie hatte.

Den 27. Platz belegte Daniel Butterweck (Eschweiler/Foto links) mit 584 Ringen und auf Rang 33 Sebastian Hahn (Weihenzell/Foto rechts) mit 583 Ringen. Die Teamwertung ging an Großbritannien (1764 Ringe) vor den USA (1759 Ringe) und mit der gleichen Ringzahl belegte das Team des Deutschen Schützenbundes den dritten Platz.

Im Liegendschießen der Juniorinnen lief es dagegen nicht ganz so gut für die deutschen Schützinnen. Anika Schroedter (Hitzhusen) wurde mit 584 Ringen 18., mit ebenfalls 584 Ringen belegte Nicole Stenzenberger (Utzwingen) den 20. Rang und Julia Palm (Bergisch-Gladbach) kam mit 575 Ringen auf den 47. Platz.

Walentina Protasowa gewann den Wettbewerb vor Daria Wdowina (beide Russland/589 Ringe) und Danielle Roth (Israel/589 Ringe). Die Mannschaftswertung entschied Russland (1764 Ringe) vor Israel (1752 Ringe) und Norwegen (1750 Ringe) für sich.

Bundesnachwuchstrainer Helmut Hoffmann: „Daniel Brodmaier hat seine Taktik hervorragend durchgezogen. Er hat kurz gezielt und schnell geschossen und das war heute hier auf dem Stand angesagt. Er war einer der ersten die fertig waren und das ist natürlich ein sehr gutes Ergebnis. Darüber hinaus gehören zu einem Team immer drei Schützen und dies war heute eine ganz starke Vorstellung von unseren Jungs.“

Die kompletten Resultate der Weltmeisterschaften 2006 in Zagreb finden Sie nach Abschluss der jeweiligen Wettkämpfe hier.