Weltmeisterschaften

WM in Changwon: Frauen erneut Weltmeister

07.09.2018 12:12

Isabella Straub, Jaqueline Orth und Jolyn Beer haben bei der WM in Changwon/Südkorea Gold im Kleinkaliber-Gewehr Dreistellungskampf gewonnen: Das Trio setzte sich souverän gegen die anderen Teams durch – für Straub und Orth war es nach Team-Gold im Liegendschießen bereits der zweite Titel in Changwon. Ein anderes Frauen-Trio macht ebenfalls Hoffnung: Die Sportpistolen-Schützinnen um Monika Karsch liegen nach Teil eins des Wettkampfes aussichtsreich im Rennen.

3x40 Kleinkaliber Frauen: Gold für Beer, Orth und Straub

Isabella Straub ist in Changwon in der Form ihres Lebens. Die 27-jährige Studentin stellte in der Elimination den bestehenden Weltrekord mit 1180 Ringen (387 kniend, 399 liegend, 394 stehend) ein und führte als Gesamt-Erste Team Deutschland zur dritten Goldmedaille. Denn auch Jolyn Beer (1172) und Jaqueline Ort (1169) „lieferten“, sodass die deutsche Mannschaft am Ende drei Ringe Vorsprung auf die zweitplatzierten Däninnen hatte. Das Trio hat sich natürlich auch für den morgen stattfindenden Hauptwettkampf qualifiziert. „Ich habe einen Lauf! Heute hatte ich viele knappe Zehner, aber ein bisschen Glück gehört halt auch dazu. Ich habe wieder gut durchgezogen, was ich mir vorgenommen hatte für die einzelnen Stellungen. Als ich am Ende etwas nervös war, habe ich mich nochmals zusammen gerissen, weil ich natürlich auch an das Team dachte. Doppel-Weltmeister ist natürlich ein schönes Gefühl“, so die nun zweifache Weltmeisterin Straub. Gleiches gilt für Orth, die mit Straub bereits im Liegend-Wettkampf im Team Weltmeister wurde und als Erklärung dafür „unseren Zusammenhalt im Team“ aufführte.

In ihrem Wettkampf musste Orth aber kämpfen: „Im Stehend-Anschlag war es ein harter Kampf. Irgendwie wollten sie nicht so reinfliegen, ich bin stehend immer ein wenig unruhig. Und als die Zehner nicht kamen, hat es mich ein wenig zum Verzweifeln gebracht.“ Beer musste „nur“ noch den Sack zumachen, sie startete in der zweiten Gruppe. Und die Sportsoldatin aus Hannover zeigte bei ihrem ersten WM-Auftritt in Changwon ihre ganze Klasse, begann den Wettkampf mit exzellenten 392 Ringen im Kniend-Anschlag. Aber auch bei ihr stellten sich einige Probleme im Stehend-Schießen ein, „das war heute zu wenig und muss ich morgen besser machen.“ „Klar ist es mega-geil, Weltmeister geworden zu sein, aber wichtiger ist morgen. Dann wollen wir den WM-Titel mit der Mannschaft im Einzel vergolden.“

Brodmeier holt das Beste raus

Bei der gestrigen Elimination hatte sich Daniel Brodmeier beim Liegendschießen eine schmerzhafte Nacken-Schulter-Blockade zugezogen. Über Nacht wurde die „mit allen legalen Mitteln bearbeitet, Physiotherapie und Spritze“, sagte Teamarzt Dr. Stefan Nolte. Somit konnte „Brodi“ den Wettkampf schießen, er war aber sichtlich gehemmt und massierte nahezu nach jedem Schuss die malade Stelle. „Es war ein harter Wettkampf und hat nur bedingt Spaß gemacht.“ Nach dem Kniend-Anschlag mit 386 Ringen war der Rückstand bereits beträchtlich, aber Brodmeier kämpfte und schoss eine perfekte 400 im Liegend-Anschlag. Die folgenden 384 Ringe im Stehend-Schießen waren unter diesen Bedingungen im Rahmen, die insgesamt 1170 Ringe (Platz 36) in Ordnung: „Ich wusste, ich muss richtig, richtig gut stehend schießen, wozu ich auch in der Lage bin. Aber es ging dann irgendwann einfach nicht mehr. Im Großen und Ganzen kann ich zufrieden sein, viele Sachen haben gut funktioniert, obwohl der körperliche Zustand nicht so ist, wie er sein soll. Aber man kann nicht 40 Schuss nur improvisieren“, so der Routinier danach.

André Link ließ in jedem Anschlag zu viele Ringe liegen (384, 394, 385) und belegte somit nur Platz 52. Brodmeier bilanzierte: „Ich bringe eine Goldmedaille mit nach Hause, das passt schon. Ansonsten haben die Gewehr-Herren noch viel zu tun bis zu den Olympischen Spielen. Bei 3x40 haben wir noch nicht das Niveau, dass wir regelmäßig vorne mitmischen können. In Einzelfällen schon, wenn man einen guten Tag hat, dann geht alles. Wir werden definitiv nicht aufgeben.“

Sportpistole Frauen: Gute Ausgangssituation für DSB-Trio

Nach dem Präzisionsdurchgang liegen die deutschen Frauen aussichtsreich auf den Plätzen sieben, 20 und 23. Zeigt das Trio Monika Karsch, Doreen Vennekamp und Michelle Skeries die gewohnte Stärke im Duell (Skeries: „Deutschland ist eine Duell-Nation!“) sind sehr gute Ergebnisse möglich. Dabei erwischte Monika Karsch einen schweren Start, schoss nur 94 Ringe. Und auch die zweite Serie begann sie mit einer Neun, der sie aber neun Zehner folgen ließ. Genau der gleiche Verlauf im dritten Durchgang, sodass die Silbermedaillengewinnerin von Rio auf Finalkurs liegend guter Dinge ist: „Es war gut, so ähnlich habe ich mir das vorgestellt. Es ist eine gute Ausgangsposition für morgen.“

Auch Vennekamp und Skeries hatten zwei starke und eine schwächere Serie. Bei Skeries lag diese in der Mitte (97, 93, 99), Vennekamps war am Ende (98, 98, 94). Vennekamp: „Die erste Hälfte vom Wettkampf lief. Klar wären ein, zwei Ringe mehr schön gewesen, aber das ist das, was ich mir vorgestellt habe. Das ist eine gute Ausgangsposition. Präzision ist bei mir der Pflichtteil, die Kür kommt jetzt mit dem Duell.“ Ähnlich sieht es Skeries: „Wir sind in einer guten Position, da ist noch alles möglich. Ich bin mit meinem Wettkampf zufrieden, ich habe die Sachen, die ich mir vorgenommen hatte, gut umgesetzt. Ich hatte im Mittelteil eine kleine Schwächephase, da kam ich kopftechnisch nicht ganz da war, habe es aber hinten heraus wieder gut rausgeholt.“

Trap Mixed: Keine Chance aufs Finale

Für die Frauen und Männer ist die WM beendet. Und sie endete ohne die erhoffte Finalteilnahme, weil im Mixed-Wettbewerb – wie von Bundestrainer Uwe Möller erwartet – die Trauben zu hoch hingen. Katrin Quooß/Andreas Löw und Sonja Scheibl/Paul Pigorsch schossen 135 bzw. 131 Treffer, bei diesem Weltklasse-Niveau bei weitem nicht genügend. Der Finaleingang lag bei 141 Scheiben – schon eine kleine Welt. Dementsprechend frustriert konstatierte Möller: „Wir haben das Finale heute um Welten verpasst, deswegen bin ich auch enttäuscht. Es ist uns nicht gelungen, dass Niveau aus dem Einzel-Wettkampf in das Mixed hinüber zu bringen. Pro Runde waren es ein bis zwei Scheiben zu wenig, und das summiert sich.“

Die Trap-Schützen machen nun Pause, die Bundeswehr-Sportler schießen im Oktober allerdings noch die Militär-Weltmeisterschaft. Der komplette Kader steigt Mitte November mit einem Trainingslager in Malta wieder ein, „wir wollen den Winter durchtrainieren im Hinblick auf die Weltcup-Saison und fit sein, denn wir wollen Quotenplätze für Tokio 2020 holen“, so Möllers Marschrichtung.

JuniorInnen: Haunerdinger und Seeger stark

Gleich drei Wettbewerbe standen für die Juniorinnen und Junioren auf dem Programm. Mit dem Luftgewehr ging ein deutsches Sextett an den Start und zeigte insgesamt eine gute Leistung. Vor allem Lisa-Marie Haunerdinger schoss exzellent und verfehlte bei ihrem WM-Debüt lediglich um 0,7 Ringe das Finale. Letztlich wurde sie starke 11. mit 625,3 Ringen (103,6 / 103,9 / 103,8 / 105,6, / 103,9 / 104,5). Haunerdinger war drittbeste Europäerin und viertbeste Nicht-Asiatin. Zugleich war sie beste deutsche Teilnehmerin und führte ihr Team, zu dem noch die Janshen-Schwestern Anna und Franka zählen, auf Platz sieben. „Ich bin sehr zufrieden. Der letzte Schuss hätte nicht mehr sein müssen, eine 9,9, aber dafür, dass ich so nervös war am Anfang und lange gebraucht habe, um meinen Rhythmus zu finden, bin ich sehr zufrieden.“ Auch Bundestrainerin Claudia Kulla lobte: „Mit dem Ergebnis soll sie sehr, sehr zufrieden sein. Das ist phantastisch, darüber haben wir uns alle sehr gefreut. Auch die Teamplatzierung ist völlig in Ordnung, es ist ein starkes Feld, wir schießen auch in diesem Alter schon gegen Profis." Die Janshen-Schwestern wurden 26. (Anna mit 622,6 Ringen) und 51. (Franka mit 616,8 Ringen): „Die Ergebnisse sind im Rahmen. Anna kann durchaus mehr schießen, ist aber völlig okay. Und Franka hat sich für das Team aufgerieben, das rechne ich ihr hoch an. Es war ein Kampf bis zum letzten Schuss.“

Auch bei den Junioren konnte mit Maximilian Ulbrich ein deutscher Junior als 18. überzeugen. Zwar konnte er sein tolles Eingangsniveau von 105,5 Ringen nicht halten, doch die 621,3 Ringe „haben seine Vorleistungen bestätigt, das ist völlig in Ordnung.“ Bastian Blos wurde 41. (617,6), „da fehlten nur die hohen Nach-Kommastellen, die das Ergebnis nach oben katapultieren“, so Kulla. Zu Colin Fix als 49. (615,6) sagte sie: „Es war das erste Mal, dass er auf so einem Höhepunkt dabei war. Dafür ist er die ersten 30 Schuss richtig gut gestartet, dann konnte er es nicht mehr fortsetzen, er ist zu vorsichtig geworden.“

Im Wettkampf mit der Sportpistole traten Vanessa Seeger, Lisa Schnaidt und Theresa Oblinger für den DSB an. Seeger zeigte nach ihrem Finaleinzug mit der Luftpistole erneut ihr großes Talent und liegt nach dem Präzisionsteil mit 286 Ringen auf Platz zwölf, lediglich einen Ring hinter dem Finaleingang. Dennoch ärgerte sie sich, denn der letzte Schuss war eine acht. Schnaidt schoss 280 Ringe, Oblinger 276, was die Plätze 34 und 41 bedeutet. Bundestrainerin Barbara Georgi lobte ihre Jüngste: „Ein schönes Ergebnis für Vanessa, das Ergebnis ist völlig in Ordnung. Wo man die „Miesen“ schießt, ist egal, das Endergebnis zählt. Sie hat eine 50 in der fünften Fünferserie geschossen, das muss man auch erst einmal im Kopf verarbeiten.“