International

„Wir müssen die Sensation schaffen“

17.07.2003 00:00

Mit dieser Devise von Bundestrainer Viktor Bachmann werden die Herren im Recurvebogen am kommenden Freitag an den Start gehen, denn wenn es zu den olympischen Quotenplätzen über die Mannschaftswertung gehen soll – nur die besten acht Teams werden komplett mit den begehrten Tickets für Athen 2004 belohnt – müssen im Achtelfinale der Weltmeisterschaften in New York die haushohen Favoriten aus Korea besiegt werden und dies geht eben nur mit einer außerordentlichen Leistungssteigerung und einer Riesenportion Glück.

 

Die deutschen Herren belegten nach der Qualifikationsrunde den 16. Platz mit insgesamt 3883 Ringen und müssen nun am Freitag gegen die Schützen aus Fernost antreten, die mit 4074 Ringen das Maß aller Dinge waren. Im Einzelwettbewerb heißen die vier Erstplatzierten vor der Direktausscheidung Yong Ho Jang, Young Kwang Choi, Dong Hyun Im sowie Kyung Mo Park und man verrät kein Geheimnis, wenn man die Frage nach dem Herkunftsland dieser vier Herren beantwortet – sie kommen alle aus Korea. Es gibt somit auch Aufgaben, die leichter zu lösen sind.

Natürlich herrschte zunächst Enttäuschung über das Abschneiden, denn das eindeutige Ziel für die Herren hieß, unter die besten Acht zu kommen und das Olympiaticket zu lösen. Viktor Bachmann resümierte denn auch: „Die Mannschaft hat trotz des 16. Platzes das beste Ergebnis des Jahres geschossen – Alex Fröse über 1300, Michael Frankenberg knapp unter 1300 Ringen – aber es hat nicht gereicht für einen besseren Rang. Es ist keiner unserer Schützen hier über sich hinaus gewachsen und wir waren nicht in der Lage, das hohe Niveau, das hier geschossen wurde, über den ganzen Wettkampf zu halten. Ich hatte den Jungs heute noch gesagt, dass sie an sich und ihre Fähigkeiten glauben sollten, aber jetzt heißt es für Freitag: Wir müssen die Sensation schaffen.“

Alexander Fröse (Lützenhausen/Foto) und Michael Frankenberg (Hagen a.T.W.) schafften den Cut der 64 besten Schützen, die in die Direktausscheidung gehen werden, mit Platz 32 und 45 sowie 1306 und 1296 Ringen und treffen auf Dennis Bager (Dänemark) und Matthew Gray (Australien).

Fröse war zwar mit seiner Leistung zufrieden, fand jedoch auch kritische Untertöne: „Die 1306 Ringe sind meine diesjährige Bestleistung, damit bin ich persönlich zufrieden, aber wir hätten uns natürlich im Team eine bessere Platzierung gewünscht. Es ist erstaunlich, welche Nationen hier vorne platziert sind, die wir früher nie bei großen Veranstaltungen gesehen haben. Anscheinend reicht unser Niveau nicht mehr aus, aber mit zweimal Training in der Woche bei voller Arbeitsbelastung ist einfach nicht mehr drin.“

Jens Pieper (Braunschweig) kam mit 1281 Ringen auf Platz 71, während Marcus Müller (Marburg) mit 1268 Ringen auf Rang 90 notiert wurde. Auch Pieper, der zum dritten Mal bei einer WM an den Start geht, sah seinen Wettkampf sehr realistisch: „Ich bin enttäuscht, das war mein schlechtestes Resultat. Ich bin nach der 90-Meter Distanz einfach nicht mehr in den Wettkampf gekommen und wenn man erst einmal hinterher läuft, dann ist es schwer, bei diesem hohen Niveau noch weiter nach vorne zu kommen. Auf der anderen Seite schießen wir hier gegen Leute, die täglich 600 Pfeile im Training absolvieren, weil sie sich auf nichts anderes als auf Bogenschießen konzentrieren und das sind nun einmal ungleiche Verhältnisse.“

Drei deutsche Damen werden im Recurvebogen in die Direktausscheidung gehen. Cornelia Pfohl (Berlin) beschloss die Qualifikation als beste DSB-Schützin mit Platz 36 und 1295 Ringen und trifft nun auf Petra Ericsson (Schweden). Auch Wiebke Nulle (Berlin) hat es mit Platz 47 und 1286 Ringen geschaftt. Ihre Gegnerin wird Yulia Lobzhenidze (Ukraine) sein. Zur Freude der deutschen Kolonie verbesserte sich Anja Hitzler (Alfdorf), die nach der Hälfte des Programms noch auf Rang 83 lag, mit insgesamt 1280 Ringen heute auf den 55. Rang und schob sich damit unter die besten 64 Schützen, die weiter im Wettbewerb bleiben und trifft nun auf Erika Reyes Evaristo (Mexiko). Lediglich für Barbara Kegelmann (Herten), die Bronzemedaillengewinnerin von Sydney 2000 mit dem deutschen Team, ist der Einzelwettkampf zu Ende, denn ihre 1253 Ringe bedeuteten am Ende Platz 83.

Das DSB-Team wurde mit 3861 Ringen Vierter und muss nun gegen die Damen aus der Ukraine am Freitag um die olympischen Quotenplätze kämpfen, denn nur der Sieger dieser Partie wird die begehrten Fahrkarten für Athen als Mannschaft erhalten.

Erfreuliche Nachrichten von den Damen im Compoundbogen, denn mit einer starken Leistung am heutigen zweiten Tag verbesserte sich Andrea Weihe (Saalfeld) mit 1364 Ringen vom 33. auf den 16. Rang. Über die 30-Meter Distanz zum Abschluss der Qualifikation schoss sie sogar mit 360 Ringen einen neuen Europarekord. Sie trifft in der Direktausscheidung auf Gery Hottentot (Niederlande).

Beste deutsche Schützin im DSB-Trio bleibt aber Petra Dortmund (Hamm) mit 1371 Ringen und dem 11. Platz. Die Weltranglistenerste trifft nun auf Marcela Prado (Guatemala). Dorit Landesfeind (Felsberg) verbesserte sich ebenfalls und kam mit 1350 Ringen auf Rang 32, nachdem sie noch nach 70- und 60-Meter Distanz auf dem 44. Platz zu finden war. Ihre Gegnerin in der Direktausscheidung wird Carmen Santacruz (Mexiko) sein.

Die Compoundmannschaft der Damen belegt nach der Qualifikation den 6. Rang mit 4085 Ringen und muss am Freitag im Achtelfinale gegen die Auswahl aus Dänemark antreten.

Die deutschen Herren konnten sich von Platz 13 auf den 11. Rang vorarbeiten und treffen im Achtelfinale auf die Schützen aus Australien. Stefan Griem (Berlin) war heute bester deutscher Schütze mit insgesamt 1361 Ringen und dem 29. Platz, eine Verbesserung gegenüber dem ersten Tag von 12 Rängen. Sein Gegner in der Direktausscheidung wird Jose Jerez (Spanien) sein. Robert Hesse (Hamm) erreichte ebenfalls sicher die nächste Runde, denn seine 1356 Ringe bedeuteten Rang 37, wodurch er nun auf Fred van Zutphen (Niederlande) treffen wird. Knapp dahinter bleibt auch Markus Groß (Berlin) weiterhin im Rennen. Für ihn heißt das Ergebnis 1352 Ringe und Platz 41. Sein kommender Gegner wird Simon Tarplee (Großbritannien) sein.

Coach Falk Thiele (Foto links) konnte ein positives Tagesfazit ziehen: „Wir haben uns heute bei den Herren um zwei Plätze verbessert, das will bei diesem Klassefeld schon etwas heißen. Aus unseren Fehlern vom ersten Tag haben wir gelernt und heute das umgesetzt, was ich mir von Anfang an vorgestellt habe. Auch bei den Damen sind wir einen Platz nach vorne gekommen und gehen daher voll motiviert morgen in die Direktausscheidung im Einzel- und dann am Freitag in die Duelle gegen Dänemark und gegen Australien im Mannschaftswettbewerb.“

Die komplette Ergebnisliste der bisherigen Wettbewerbe finden Sie hier.