Tradition

75 Jahre Wiedergründung DSB: Die lange Geschichte der Bürgergarde der SG Speyer e.V. gegr. 1529

11.02.2026 10:50

Die Schützentradition und das Brauchtum ist neben dem Sport ein fester und wichtiger Bestandteil der Schützenkultur im Deutschen Schützenbund, in den Landesschützenverbänden und ihren Untergliederungen. Schützentraditionen und Bräuche können dabei sehr unterschiedlich sein, wie die verschiedenen Beiträge der Landesverbände zeigen, die das gesamte Jahr über zum 75-jährigen Jubiläum der DSB-Wiedergründung veröffentlicht werden. Dieses Mal ist der Pfälzische Sportschützenbund an der Reihe, der über die lange Geschichte der SG Speyer erzählt.

Foto: PSSB / 1990 gründeten Mitglieder der SG Speyer unter dem Kommandant Hans Gliese die neue Stadt- und Bürgergarde.
Foto: PSSB / 1990 gründeten Mitglieder der SG Speyer unter dem Kommandant Hans Gliese die neue Stadt- und Bürgergarde.

Die Schützengesellschaft Speyer wurde 1529 gegründet und ist somit der zweitälteste Schützenverein in der Pfalz. Sie hat im Verlauf der Jahrhunderte und Jahrzehnte immer wieder mit zeitgeschichtlich bedingten Schwierigkeiten zu kämpfen, die den Betrieb zeitweise völlig zum Erliegen brachten.

Beispielhaft sei der pfälzische Erbfolgekrieg von 1689 genannt, in dessen Verlauf französische Truppen die Stadt niederbrannten. Einzig die Fahne der Schützengesellschaft konnte gerettet werden. Ein weiterer Wendepunkt war der Bezug des neuen Schützenhauses hinter der Waldeslust im Jahr 1913 und der Verlust einiger Mitglieder in den folgenden Jahren des Ersten Weltkriegs. Schließlich feierte die Schützengesellschaft im Mai 1929 ihr 400-jähriges Jubiläum, welches unter seltsamen Bedingungen stattfand. Die französische Militärverwaltung gestattete weder Festumzug, noch das Abfeuern eines Schusses. Im Jahr 1930 zogen die französischen Truppen ab, es blieben erhebliche Schäden am Schützenhaus und an den Schießanlagen. Durch den tatkräftigen Einsatz der Mitglieder wurden diese behoben und der Schießbetrieb wieder aufgenommen.

Bislang hatten die Speyerer Schützen, wie andere Sportvereine auch, parteipolitische Neutralität ausgeübt. Allerdings versuchten die NS-Machthaber von 1933 an, das gesamte Vereinswesen für ihre politischen und ideologischen Ziele zu instrumentalisieren. Zeitweise wurde die Schützengesellschaft durch NSDAP-Mitglieder vereinnahmt und hatte weit über 1000 „Mitglieder“. Am Ende des verlorenen Krieges waren die Schießstände zerstört, das Schützenhaus wurde ausgeplündert und verfiel. Dadurch kam das Schützenwesen völlig zum Erliegen. Das Vereinsvermögen wurde beschlagnahmt und bis ins Jahr 1950 gesperrt. Erst am 5. Juli 1951 wurde die Schützengesellschaft durch 14 Freunde des Schießsports wiedergegründet.

Foto: PSSB / Bei Stadtfesten und anderen Feierlichkeiten ist die Stadt- und Bürgergarde ein gern gesehener Gast und stets ein Höhepunkt.
Foto: PSSB / Bei Stadtfesten und anderen Feierlichkeiten ist die Stadt- und Bürgergarde ein gern gesehener Gast und stets ein Höhepunkt.

Die Bürgergarde Speyers wird wieder belebt
Die Stadt Speyer gründete zum Schutze der Stadt 1830 die Bürgergarde durch das Bürgermeisteramt. Die Kreishauptstadt Speyer war damals in sechs verschiedene Stadtviertel aufgeteilt. Die Gardisten dieser Viertel waren durch unterschiedliche Farben der Houppe (Federbusch) erkennbar. Insgesamt gab es zehn Kompanien mit jeweils 110 Gardisten.

Im Jahr 1990 stand das 2000-jährige Stadtjubiläum an. Dazu wurden vom Mitglied Jürgen Michels im Stadtarchiv die alten Daten der Bürgergarde gefunden. Mit guter Förderung der Stadt Speyer gründeten über 20 Mitglieder der SG Speyer unter dem Kommandant Hans Gliese die neue Stadt- und Bürgergarde. Die Gruppe stellt eine Verbindung zur Geschichte des 19. Jahrhunderts dar und ist ein geschätzter Bestandteil des Speyerer Brauchtums. Sie besteht weiterhin und ist bei festlichen Anlässen der Stadt Speyer, wie z.B. dem Bretzel-Fest und anderen Anlässen, mit ihren schönen Uniformen präsent.

(Klaus Baßler)

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