Deutsche Meisterschaften
Die Finals Hannover: Wenn der Vater mit der Tochter...
Was haben der amerikanische Basketball-Superstar LeBron James und Compoundschütze Matthias Raab gemeinsam? Richtig, sie gehen mit ihrem Kind gemeinsam auf Punktejagd. James macht es mit Sohn Bronny bei den LA Lakers, Raab (56 Jahre) mit Tochter Katharina (27 Jahre) bei Die Finals in Hannover (23.-26. Juli). Wie es dazu kam, erzählen die Titelverteidiger im Mixed im Doppel-Interview.

Das ist wahrscheinlich ein Novum bzw. sehr selten: Vater und Tochter gehen im Mixed gemeinsam an den Start. Seit wann macht ihr das?
Katharina Raab: „Zum ersten Mal gingen wir bei den Finals 2022 in Berlin gemeinsam im Mixed an den Start. Das hat damals sehr gut funktioniert, und deshalb haben wir dieses Team so aufrechterhalten.“
Wie und wann bist du zum Bogensport gekommen, Matthias?
Matthias Raab: „Vor dem Bogenschießen war ich sehr viel international im Gleitschirmsport unterwegs. Beim Testen eines neuen Prototyps für die WM 2007 bin ich in Slowenien abgestürzt und habe mir dabei zwei Wirbel gebrochen. Im Laufe der Reha riet mir mein Physiotherapeut dazu, einen Sport auszuüben, der die Rückenmuskulatur zur Linderung der Schmerzen stärkt. Als mögliche Alternativen nannte er mir Schwimmen oder Bogenschießen. Und da mir das Schwimmen deutlich zu nass war, bestellte ich am nächsten Tag auf eBay einen Recurvebogen. Eine Scheibe war schnell gebastelt und so starteten die ersten Versuche im eigenen Garten. Die Kinder (Kilian und Katharina) waren natürlich voll begeistert und wollten gleich mitmachen. Und nach einem halben Jahr war die ganze Familie, inklusive Mutter, vom Bogenschießvirus infiziert und sind es bis heute.“
D.h. die Sportart und Karriere im Bogensport war für dich vorgezeichnet, Katharina? Oder hast du auch etwas anderes gemacht/ausprobiert?
Katharina Raab: „Nicht zwingend. Ich habe einige verschiedene Sportarten ausprobiert. Dadurch, dass wir direkt in den Bergen wohnen, war ich schon im Alter von drei Jahren regelmäßig beim Skifahren. Außerdem bin ich gerne zum Reiten gegangen und habe dort auch an ein paar Turnieren teilgenommen. Neben dem Sport spiele ich auch - seitdem ich zwei Jahre alt war - verschiedenste Computerspiele, was mir jetzt beim Training von Koordination und Konzentration sehr hilft. Zum Schluss hat mir aber das Bogenschießen am meisten Spaß gemacht.“

Wenn ich richtig informiert bin, ist auch Ehefrau und Mutter Maria Bogenschützin und bei Die Finals am Start – als Gegnerin. Wie viele Stunden/Tage vor dem Wettkampf wird nicht mehr miteinander gesprochen?
Matthias Raab: „Gesprochen wird schon noch, wir haben jedoch einen riesigen Respekt vor ihr. Dadurch, dass wir immer alle zusammen trainieren, wissen wir ganz genau, dass sie in der Lage dazu ist, uns an einem guten Tag ernsthaft in Bedrängnis zu bringen. Es wäre nicht das erste Mal, dass wir gegen sie verlieren (2025 wurde Maria Raab mit Tobias Eder Vierter, Anm. d. Red.).“
Katharina Raab: „Mich hat es sogar immer angespornt, gegen Mama und auch Papa anzutreten und besser zu schießen als die beiden. Außerdem finde ich es immer schön, gemeinsam auf Wettkämpfe zu fahren. Wir haben z.B. bei den Deutschen Meisterschaften immer noch am jeweiligen Ort ein paar Tage angehängt und so eine Woche Familienurlaub daraus gemacht.“
Katharina hat sich in der Weltklasse etabliert und peilt die Olympischen Spiele in Los Angeles an. Wie stolz ist der Papa, und hättest du diese Entwicklung erwartet, Matthias?
Matthias Raab: „Als Papa bin ich natürlich sehr stolz. Vor allem, da Kathi nichts geschenkt wurde und sie sich alle ihre Erfolge hart erarbeiten musste. Als Trainer habe ich schon sehr früh das Potenzial in ihr gesehen. Und da sie schon mit dem Recurvebogen sehr erfolgreich war, war ein gewisser Erfolg auch mit dem Compoundbogen zu erwarten. Wir haben früher immer gemeinsam die Weltcup-Matches angeschaut und analysiert, und Kathi war schon immer ein großer Fan von Sara Lopez (Kolumbianerin, eine der weltbesten Compounderin, Anm. d. Red.). So halb im Spaß habe ich immer gesagt: "Irgendwann schießt du gegen sie im Weltcup!" Worauf Kathis Standard-Antwort immer war: "Träum weiter." Dass sie jetzt doch so weit gekommen ist, ist mega, war aber auch viele Jahre harte Arbeit und viel Training.“
Könnt ihr voneinander noch etwas lernen? Was hat der eine, was der andere nicht hat?
Katharina Raab: „Natürlich, jeden Tag. Wir trainieren ja gemeinsam, und dabei ist jeder sowohl Schütze als auch Trainer für den jeweils anderen. Wir haben viel gemeinsam - laut Mama ist das vor allem Sturheit - und deshalb ist diese doch schwierige Konstellation Papa - Tochter & Trainer - Schütze für uns kein Problem, wir sehen das eher als Vorteil.“
Wer ist Chef im Duo?
Katharina Raab (lacht): „Keiner von beiden, das ist Mama. Nein, im Ernst: das ist abhängig von der Situation. Jeder hat schon einmal in kritischen Situationen die Führung übernommen. Wir sind ein Team, da gibt es keinen festen Chef.“
Ihr geht als Titelverteidiger an den Start: Was ist das Ziel in Hannover?
Matthias Raab: „Spaß haben und unsere Freunde aus ganz Deutschland treffen. Wir wollen unser Bestes zeigen und wieder in der Finalarena stehen. Das ist jedes Mal ein ganz besonderes Gefühl. Die Finals sind immer ein Highlight in der Wettkampfsaison.“
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