Deutsche Meisterschaften

Bogen-DM: Ein Männer-Trio mit gleichen Zielen

Bogen-DM: Ein Männer-Trio mit gleichen Zielen

06.08.2018 – Sie sind ein starkes Bogen-Trio, dennoch stehen Florian Kahllund, Camilo Mayr und Konrad Komischke aktuell im Schatten der international sehr erfolgreichen deutschen Damen. Gemeinsam wollen sie den Weg in die Weltspitze schaffen.

Die großen internationalen Erfolge - mit Ausnahme des Bronzeplatzes beim Weltcup-Auftakt in Shanghai - gingen in diesem Jahr vor allem an die deutschen Bogen-Damen. Dreimal Silber gab es für Michelle Kroppen beim Weltcup in Salt Lake City, für Lisa Unruh beim Heim-Weltcup in Berlin und zudem für das Frauen-Team beim Weltcup in Antalya. Florian Kahllund hat für den Erfolg eine einfache Erklärung: „Die Damen sind alle Profis – wir nicht.“

Das soll sich ändern, doch nur ein einziger Platz wird in diesem Jahr in der Sportfördergruppe der Bundeswehr frei werden – bei zahlreichen Interessenten. Ein Platz, den der 25-Jährige Kahllund gerne für sich hätte, um konstant besser zu werden. Aber statt Neid den Damen gegenüber, reizt der Erfolg die Herren. „Sie zeigen, dass es auch mit unseren Bedingungen in Deutschland funktionieren kann, an die Weltspitze zu kommen“, gibt sich Camilo Mayr kämpferisch. Auch er hätte gerne einen Platz in der Sportfördergruppe, liegt jedoch in der Warteliste hinter seinem Teamkollegen Kahllund. Aufgeben? Keine Option für Mayr: „Wenn es dieses Jahr nicht klappt, dann im nächsten.“

Schließlich gibt es einen gemeinsamen Ansporn – Olympia! Dort wollen sie hin. Mayr kam 2012 in London bereits auf den Geschmack, durfte „das Feeling“ unter den Sportlern miterleben und erinnert sich noch gut an die Eröffnungsfeier: „Es war der Wahnsinn. Das ist ein so cooles Gefühl, dort zusammen aufzutreten. Man hat die gleichen Klamotten an, man läuft zusammen ins Stadion ein, ich hatte dort zwei Stunden lang Gänsehaut.“ Ein Moment, den Kahllund gerne noch erleben möchte. Er scheiterte damals knapp an seinem Olympiatraum, holte den ersehnten Quotenplatz, verlor aber die interne Ausscheidung. Eine „bittere Tatsache, die schon ein wenig gedauert habe, um sie zu verarbeiten.“ Mayr hingegen gönnte sich nach Olympia eine vierjährige Auszeit, konzentrierte sich voll und ganz auf sein Studium der Biophysik. „Es war nicht möglich, während des Studiums noch Leistungssport zu machen – zumindest nicht auf diesem Niveau“, so Mayr. Er habe es versucht, sei aber leistungsmäßig gnadenlos abgestürzt. Der Spaß am Sport ging verloren. Als Trainer stieg er vier Jahre später, 2017, wieder ein, machte selbst ein paar Trainingsschüsse und entdeckte seine Leidenschaft wieder. Kurzer Hand rief er Bundestrainer Oliver Haidn an, fuhr zur Rangliste und „jetzt bin ich wieder hier“.

Einer, der sich ebenfalls auf dem Weg nach oben befindet, ist Konrad Komischke. Der 21-Jährige ist in seinem ersten Jahr bei den Herren, gilt als großes Talent und kam durch seine Heimatstadt Jena zum Bogensport, ging dort aufs Sportgymnasium und wurde vom damaligen Nachwuchs-Bundestrainer Viktor Bachmann trainiert. „Ich durfte erstmals auf internationale Wettkämpfe mit, bin in den Bundeskader gekommen und konnte meine erste Weltmeisterschaft mitschießen. So bin ich immer dabei geblieben“, erzählt Komischke von seinen Anfängen. Auf die Frage, ob die Olympischen Spiele in Tokio für ihn bereits ein Ziel seien, antwortet er ganz cool: „Ich versuche schon, die alten Hasen 2020 zu ärgern.“ Ergänzt jedoch, dass natürlich auch 2024 ein Ziel für ihn sei.

Tokio 2020 – da will auch Kahllund dabei sein. Am liebsten mit seinen Kollegen, denn „das Team ist immer das Ziel“. Gemeinsam macht es schließlich am meisten Spaß, sich auf Medaillenjagd zu begeben. Bevor es jedoch darum geht, wer zu Olympia fährt, steht noch die WM in s’Hertogenbosch (10. bis 16. Juni 2019) an. „Das Ziel ist es, in der Qualifikations-Runde unter die besten Acht zu kommen, um das 1/12-Finale zu umgehen und direkt ins Achelfinale einzuziehen. Und das gilt es zu gewinnen“, erklärt Kahllund den schnellsten Weg nach Tokio. Ein Teil der Vorbereitung auf die WM wie auch auf die EM in Legnica (27. August bis 1. September 2018) ist die Deutsche Meisterschaft in Wiesbaden, die auf dem Bowling Green im Herzen der Stadt, stattfindet. „Eine ideale Plattform, um den Bogensport zu präsentieren und neue Leute für den Sport zu begeistern“, findet Mayr.

Auch wenn für die Sportler der Fokus auf den großen internationalen Wettkämpfen liegt, sei die Deutsche Meisterschaft der nationale Höhepunkt, so Komischke. „Dort muss man sich national zeigen und der nationalen Konkurrenz Stand halten. Manchmal ist das gar nicht so einfach, vor allem wenn man der Favorit ist und gegen den Außenseiter gewinnen muss“, erklärt der Newcomer. Auch für Mayr ist die Deutsche Meisterschaft von Bedeutung: „Sowohl die DM als auch die beiden Ranglisten sind Bestandteile der großen Rangliste. Man muss sich zuerst einmal in den Nationalkader schießen, um die Chance auf die großen internationalen Wettkämpfe zu haben.“

Ob am Ende der Newcomer Komischke, der Comebacker Mayr oder der Titelverteidiger Kahllund am 19. August ganz oben stehen, wird sich zeigen. Aber eines haben sich Komischke und Mayr vorgenommen: „Wir wollen Florian so lange wie möglich ärgern.“ Und Kahllund? Der wird alles dafür tun, um seinen Titel zu verteidigen.