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Das DSB-Ehrenamtskonzept: Schritt 3 – Ansprache, Gewinnung & Aufgabenübertragung

03.09.2026 09:43

Was wäre das Schützenwesen ohne seine ehrenamtlichen, engagierten Mitglieder, die sich mit Leib und Seele ihrem Verein und dem Schießsport verschrieben haben? Ohne sie würde ein Grundpfeiler des Schützenwesens wegbrechen. Immer mehr Schützen- und Bogensportvereinen fällt es jedoch schwer, genügend Ehrenamtliche zu finden und zu halten. In zehn Schritten wir das DSB-Ehrenamtskonzept vorgestellt, „Ansprache, Gewinnung & Aufgabenübertragung“ lautet Schritt 3.

Foto: KI generiert / In Schritt 3 des Ehrenamtskonzeptes geht es um Ansprache, Gewinnung & Aufgabenübertragung.
Foto: KI generiert / In Schritt 3 des Ehrenamtskonzeptes geht es um Ansprache, Gewinnung & Aufgabenübertragung.

In Schritt 3 geht es darum, genau die richtigen Personen für eine Aufgabe auszuwählen und sie persönlich anzusprechen. Statt allgemein zu fragen: „Wer möchte helfen?“, sucht der Verein ganz gezielt jemanden aus, der gut zur Aufgabe passt und erklärt der Person freundlich und klar, warum sie dafür geeignet ist. Das erhöht die Chance, dass sich jemand wirklich engagiert.

Kurz gesagt: Nicht alle auf einmal fragen, sondern die richtige Person für die ganz konkrete Aufgabe persönlich ansprechen.

Bevor man Freiwillige sucht, sollte der Verein zuerst überlegen.

Stellt Euch die Fragen 

  • Welche Aufgaben gibt es (siehe Schritt 2)?
  • Welche Fähigkeiten sollen Freiwillige mitbringen (z.B. Spaß am und Zeit für das Ehrenamt)?
  • Welche Fähigkeiten für das konkrete Ehrenamt soll der Freiwillige (z.B. Schatzmeister) mitbringen?
  • Was kann der Verein ihnen anbieten (z.B. Arbeitsmaterial und klare Strukturen / Aufgabenbeschreibung)?

Danach kann man entscheiden, wo man Freiwillige sucht. Es gibt zwei Orte:

  • Menschen im Verein fragen. (Gewinnungsstrategie 1)
  • Menschen außerhalb des Vereins suchen. (Gewinnungsstrategie 2)

Gewinnungsstrategie 1
Mitglieder, die sich noch nicht in die Vereinsarbeit einbringen, ansprechen. Viele Mitglieder helfen noch nicht aktiv mit.

Stellt Euch die Fragen

  • Wer hätte Zeit und Lust?
  • Wer bringt passende Fähigkeiten mit?
  • Kennen diese Mitglieder weitere Menschen, die helfen wollen?

Dann spricht man die Personen direkt an und führt ein erstes Gespräch.

Bereits aktive Ehrenamtliche im Verein besser einsetzen. Manchmal haben Ehrenamtliche Fähigkeiten, die noch nicht genutzt werden.

Stellt Euch die Fragen

  • Passt die Person gut zur Aufgabe?
  • Kann sie etwas anderes noch besser?
  • Möchte sie mehr oder weniger Zeit investieren?
  • Welche Stärken oder Wünsche hat sie?

Wichtig: Mit den Personen sprechen und gemeinsam entscheiden.

Gewinnungsstrategie 2
Wenn im Verein niemand gefunden wird, sucht man außerhalb.

Dafür erstellt man Werbetexte (Engagementangebote) zusammen. Darin steht:

  • Welche Aufgabe gilt es zu besetzten?
  • Welche Fähigkeiten werden gebraucht?
  • Was macht den Verein aus?
  • Was bietet der Verein?
  • Wie und wo kann man sich melden?

Bevor man Werbung macht, sollte der Verein überlegen:

  • Wer soll angesprochen werden? (z.B. Jugendliche, Eltern, Fachleute, Bekannte und Freunde der Mitglieder)
  • Wofür suchen wir? (z.B. Trainerin, Helfer, Website-Betreuung)
  • Wo finden wir diese Personen? (z.B. Schule, Internet, Veranstaltungen, Kommune)
  • Wie erreichen wir sie? (z.B. Social Media, Aushang, Website, lokale Zeitung)
  • Wer könnte als „Türöffner“ helfen?

Als hilfreiche Arbeitsmittel für die Ansprache, Gewinnung und Aufgabenübertragung gibt es Beispiele und eine Checkliste im Handbuch sowie die Stärken-Schwächen-Analyse auf Seite 127.

Zusammenfassende Informationen zum 3. Schritt inkl. kurzem Erklärfilm findet man hier: Deutscher Schützenbund: Schritt 3 

Praxisbeispiel

"Im Schützenverein Unterwurmbach e.V. haben wir seit zwei bis drei Jahren in unserem Mitglieder-Aufnahmeantrag das Abfragefeld „Beruf“ mitaufgenommen. Diese Eingaben können wir in unserer Mitgliederverwaltung (ZMI) eingeben und anschließend nach Berufen selektieren. Eine solche Abfrage ist insbesondere in großen Vereinen sinnvoll, weil der Vorstand nicht zwingend alle persönlichen und beruflichen Entwicklungen der Mitglieder kennt.

Bei einer Suche nach einem Funktionsnachfolger gehen wir im Vorstand unsere Mitglieder von A bis Z gedanklich durch, welche Person fachlich und menschlich gut zu unserer Vorstandschaft passt.

Mindestens 20 Personen sollten so „vorselektiert“ und notiert werden. Gezielt sprechen wir diese dann einzeln an, ob sie grundsätzlich bei uns in der Vorstandschaft mitarbeiten möchten. Zunächst wird dabei nicht zwingend schon auf ein spezielles Amt hingezielt. In der Regel führt bei uns der 1. Schützenmeister dieses Gespräch persönlich mit den gewünschten Personen. Er findet so heraus, welche „Neigungen und Stärken“ die einzelnen Personen haben.

Die potenziellen zukünftigen Funktionsträger benennen anschließend, für welches Amt sie zur Verfügung stehen. Wer nicht in vorderster Reihe stehen möchte, darf sich gerne als „Stellvertreter“ zur Wahl stellen lassen und für die nächste Amtszeit im Hintergrund mitarbeiten. Je nach der persönlichen Entwicklung in diesem Amt hat man dann gute Vorstandskollegen. Danach fühlen sich diese bisherigen Stellvertreter vielleicht in der Lage, auch in die erste Reihe vorzurücken oder sie wechseln die Funktion und machen etwas anderes im Vorstand.

Es ist sehr wichtig, dass man als 1. Schützenmeister / Vereinsvorsitzender zum Vorstand, aber insbesondere zu den neuen Vorstandsmitgliedern einen engen und guten Kontakt pflegt.

In Unterwurmbach haben wir mit dieser Methode erst kürzlich wieder drei junge (zwei 18-Jährige und eine 19-Jährige) Vereinsmitglieder für unsere Vorstandschaft gewonnen.
Grundsätzlich ist es übrigens wichtig, auch auf die Altersstruktur einer Vorstandschaft zu achten.

Der Altersdurchschnitt aller Vorstandskollegen liegt bei uns bei 42 Jahren. Die drei Neuen sind durch unser „Nachwuchs- und Gewinnungskonzept“ mit ca. zehn Jahren als aktive Luftgewehr-Jungschützen zu uns gekommen.

Durch unsere klare Tätigkeits- und Aufgabenbeschreibung im Schützenverein Unterwurmbach fühlen sich die neuen Amtsinhaber sehr wohl. Sie erkennen sehr schnell, dass hier eine gute Arbeitsstruktur besteht und die Aufgaben für die zehn Vorstandskollegen klar definiert sind. Nach der Wahl in der Mitgliederversammlung werden die neu Gewählten entsprechend ihrer Funktionen mit einer „Vereinsmappe“ (siehe Schritt 4) eingearbeitet.

Jetzt liegt es an Euch, die Zukunft Eures Vereins zu gestalten."