Europameisterschaften
Flinten-EM Malakasa: Mutter und Sohn gemeinsam am Start
Wenn am 26. September der Flieger gen Griechenland zur Flinten-Europameisterschaft in Malakasa (29. September bis 10. Oktober) abhebt, dann sind auch zwei ganz besondere Sportler an Bord: Christine Wenzel (45 Jahre) und Tobias Wenzel (15 Jahre), Mutter und Sohn, beides Skeetschützen. Das Duo nimmt erstmals gemeinsam an einer EM teil - bei den Frauen bzw. Junioren - Grund genug, nachzufragen, wie besonders diese Konstellation ist.

Wie außergewöhnlich ist im Schieß bzw. Flintensport die Konstellation Mutter & Sohn bei einer EM? Gab es das schon einmal?
Christine Wenzel: „Eltern-Kind-Konstellationen hat es im internationalen Schießsport immer wieder gegeben, allerdings häufig in unterschiedlichen sportlichen Generationen. Dass Mutter und Sohn zeitgleich als aktive Athleten bei einer Europameisterschaft für dieselbe Nation antreten, ist sicherlich etwas Besonderes.“
Tobias Wenzel: „Für uns ist es vor allem deshalb eine außergewöhnliche Situation, weil ich als Sohn früher als Kind die Wettkämpfe meiner Mutter begleitet habe. Heute bin ich selbst Leistungssportler und Teil der Nationalmannschaft. Jetzt gemeinsam mit meiner Mutter für Deutschland bei den Europameisterschaften antreten zu dürfen, ist für uns beide etwas ganz Besonderes.“
Bereitet ihr euch gemeinsam auf die EM vor bzw. habt ihr euch gemeinsam auf die EM vorbereitet? Wenn ja, wie sah das gemeinsame Training aus?
Tobias Wenzel: „Unsere Vorbereitung ist nicht komplett gemeinsam verlaufen, sondern auf unsere jeweiligen Trainings- und Wettkampfphasen abgestimmt. Ich komme gerade vom Junioren-Weltcup in Porpetto und konnte mit 117 von 125 Treffern eine sehr gute Leistung zeigen. Für mich stand anschließend zunächst die notwendige Regeneration im Vordergrund, bevor ich jetzt noch einmal ins Training einsteige.“
Christine Wenzel: „Ich befinde mich noch bis Mittwoch oder Donnerstag in der unmittelbaren Wettkampfvorbereitung. Unser gemeinsames Ziel ist es, die letzten Tage so zu gestalten, dass wir beide körperlich und mental frisch bei der Europameisterschaft an den Start gehen können.“
Tobias, was kannst du von deiner Mutter lernen bzw. was hättest du gerne von ihr?
Tobias Wenzel: „Von meiner Mutter kann ich vor allem in Sachen Organisation noch einiges lernen. Ich bin eher der spontane Typ und funktioniere ganz gut in meinem eigenen organisierten Chaos. Meine Mutter ist da das komplette Gegenteil, sie ist sehr strukturiert, plant voraus und hat meistens schon einen Plan, bevor ich überhaupt darüber nachdenke. Davon könnte ich mir definitiv noch eine Scheibe abschneiden.“
Christine, gibt es irgendetwas, was du von deinem Sohn lernen kannst bzw. gerne hättest?
Christine Wenzel: „Von Tobias kann ich definitiv seine Ruhe, Geduld und Gelassenheit lernen. In dieser Hinsicht hat er viel von seinem Vater. Ich selbst bin sehr lösungs- und handlungsorientiert und möchte Dinge am liebsten sofort umsetzen, organisieren und abschließen. Tobias hat die Fähigkeit, Situationen erst einmal anzunehmen, ruhig zu bleiben und nicht alles sofort lösen zu wollen. Gerade im Leistungssport ist das eine Qualität, von der auch ich mir durchaus etwas abschauen kann.“
Gibt es zu Hause nur das Thema Schießsport oder gibt es noch andere Hobbys und Themen?
Christine Wenzel: „Der Schießsport nimmt in unserem Familienleben natürlich viel Raum ein, denn der Leistungssport bestimmt unseren Alltag schon seit über 20 Jahren. Trotzdem gibt es bei uns auch genügend Themen, die mit dem Leistungssport überhaupt nichts zu tun haben. Mein Mann Tino und ich sind passionierte Jäger, und Tobias hat inzwischen ebenfalls seinen Jagdschein bestanden. Unser Jüngster ist begeisterter Angler und da sind wir auch gerne mal gemeinsam unterwegs. Jagd, Natur und Angeln sind für uns ein sinnvoller und gleichzeitig schöner Ausgleich und schafft ganz bewusst Abstand zum Leistungssport.“
Tobias, dein Talent kann kein Zufall sein. Was hast du von Mama, was von Papa mitbekommen?
Tobias Wenzel: „Mein Vater hat mir vor allem die technischen Grundlagen des Schießens beigebracht, zum Beispiel Bewegungsabläufe, Haltepunkte, Vorhaltemaße und viele andere technische Details. Von meiner Mutter habe ich dagegen sehr viel über die mentale Seite des Leistungssports gelernt. Dazu gehört, auch unter Druck konzentriert und fokussiert zu bleiben und nach einem Fehler oder Misserfolg schnell wieder in den Wettkampf zurückzufinden. Ich glaube, dass sich beides sehr gut ergänzt.“
Was muss passieren, dass Familie Wenzel zufrieden von der EM zurückreist?
Christine Wenzel: „Wir fahren mit dem Anspruch zur Europameisterschaft, unsere bestmögliche Leistung abzurufen und das umzusetzen, was wir uns im Training erarbeitet haben. Wir wissen beide, dass man im Leistungssport ein Ergebnis nicht erzwingen kann und am Wettkampftag viele Faktoren zusammenpassen müssen. Unsere Leistungen in dieser Saison zeigen aber, dass wir selbstbewusst zur Europameisterschaft fahren können. Natürlich ist ein Finale das Ziel und eine Medaille wäre etwas ganz Besonderes. Entscheidend ist für uns zunächst, unseren eigenen Wettkampf konsequent zu schießen, dann sehen wir, was am Ende dabei herauskommt.“
Hinweis: Eigentlich wäre Ehemann und Papa Tino Wenzel als Assistzenztrainer auch in Malakasa dabei gewesen, doch er bleibt zu Hause, um auf Max, den jüngeren Bruder von Tobias, aufzupassen.
Das deutsche Team bei der EM in Malakasa
Skeet: Sven Korte (Ibbenbüren), Tilo Schreier (Eppelheim), Christopher Honkomp (Emstek), Felix Haase (Oerlinghausen), Nadine Messerschmidt (Schmalkalden), Valentina Umhöfer (Saal an der Saale), Christine Wenzel (Ibbenbüren), Maximilian Seibel (Freren), Goran Jasikovic (Falkenhagen), Vladislav Poddubskiy (Sprendlingen), Raphael Hapke (Wedemark), Magnus Erdmann (Suhl-Schmiedefeld), Tobias Wenzel (Ibbenbüren), Emilie Bundan, Luise Middel (beide Wiesbaden), Maxima Sagel (Paderborn), Carlotta Wahl (Suhl)
Trap: Marius John (Friemar), Andreas Löw (Weihenzell), Leonard Wolf (Cottbus), Nadine Goldbrunner (Benediktbeuren), Kathrin Murche (Elsnig), Sofia Weber (Titisee-Neustadt), Pius Rosenecker (Dürrwangen), Paul Judek (Guhrow), Henry John (Friemar), Till Reichardt (Schenklengsfeld), Karla Riehmann (Gotha)
Betreuer: Katharina Bechtel, Frank Dittmer, Cynthia Veres, Nikolai Poddubskiy, Uwe Möller, Mike Stöcker, Karsten Bindrich, Burak Yilmaz, Christian Stauske, Hanne Aslanidis
