Weltcup

Weltcup München: Medaillenglanz für DSB-Schützinnen

27.05.2026 17:58

Nachdem die Luftgewehr- und Luftpistolen-Männer am ersten Tag des Weltcups in München (26.-30. Mai) leer ausgegangen waren, übernahmen am zweiten Tag die Schützinnen mit Erfolg die Verantwortung: Zunächst gewann Anna Janßen (Kevelaer) im Gewehr-Dreistellungskampf die Bronzemedaille, anschließend sicherte sich Sportpistolen-Europameisterin Doreen Vennekamp (Ronneburg) die Silbermedaille. Die kommenden Finals werden live bei Sporteurope.TV gestreamt.

Foto: DSB / Sieger-Selfie mit Doreen Vennekamp, der Inderin Esha Singh und der Bulgarin Miroslava Mincheva.
Foto: DSB / Sieger-Selfie mit Doreen Vennekamp, der Inderin Esha Singh und der Bulgarin Miroslava Mincheva.

KK-Dreistellungskampf Frauen: Anna Janßen kämpft sich zu Bronze
Im Finale der besten acht Schützinnen - live beim BR24Sport - waren einige der größten Namen im internationalen Schießsport vertreten: Jeanette Hegg Duestad/NOR, Seonaid McIntosh/BGR Sagen Maddalena/USA oder Emely Jaeggi/SUI, was Anna Janßen folgendermaßen kommentierte: „Das ist ein unfassbar starkes Feld, so sieht es im Moment im Welt-Circuit aus!“ Und erfreulicherweise mit Anna Janßen, die nach ihrem Sieg beim ersten Weltcup der Saison im spanischen Granada erneut um den Titel kämpfte. Allerdings erwischte die DSB-Athletin keinen verheißungsvollen Start in den Wettkampf: Nach Teil eins, dem Liegend-Anschlag, lag sie mit mäßigen 100,4 Ringen auf dem siebten und vorletzten Platz: „Kniend war wirklich alles andere als ein guter Start. Ich hatte meine Emotionen nicht so ganz unter Kontrolle, und ich dachte mir nach dem Start, jetzt reiß dich zusammen.“ Janßen wollte aggressiver schießen („Ich wollte aktiv die Schüsse tätigen, nicht so abwartend und die Reaktionszeit verkürzen!“), machte dies auch und hatte damit Erfolg: Liegend schoss sie das drittbeste Ergebnis (103,6) aller Finalteilnehmerinnen und kletterte auf Platz sechs – allerdings mit deutlicher Tuchfühlung zu den Athletinnen auf den Plätzen vier und fünf. Lediglich Duestad, McIntosh und Jaeggi hatten sich deutlich vom Feld absetzen können. Die entscheidende Stellung im Dreistellungskampf ist aber stets die Stehend-Position – und so war es auch dieses Mal: Janßen war neben der US-Amerikanerin Maddalena beste Schützin in diesem Anschlag und kletterte nach den zehn Schuss auf Rang drei: „Auf mein Stehend kann ich mich häufig verlassen!“ Es folgten die Einzelschüsse stehend, und auch bei diesen zeigte Janßen ihre Qualität und war stabilste der noch verbliebenen Teilnehmerinnen: Vier Zehnerwertungen von 10,3 bis 10,7 sorgten dafür, dass sie in ihrem ersten Einzelfinale beim Heim-Weltcup gleich die erste Medaille gewinnen konnte: „Es ist unfassbar schön, Bronze gewonnen zu haben. Allein, weil die Finalhalle so voll war. Es war meine Einzelfinalteilnahme in München und sich so nach oben gekämpft zu haben, war schön.“ Der Sieg ging an Duestad, die sich mit dem letzten Schuss um 0,1 Ringe vor McIntosh durchsetzte.

In der Qualifikation lag das deutsche Trio Janßen, Lisa Grub (beide 297) und Europameisterin Nele Stark (295) nach dem Kniend- und Liegend-Anschlag aussichtsreich im Rennen. Und so musste – wie eigentlich immer – stehend die Entscheidung fallen. Janßen spannte die Nerven ihrer Fans bis zur letzten Minute des Wettkampfes auf die Folter, zwei Neuner-Wertungen in den Schüssen 58 und 59 machten es noch einmal spannend, ehe sie mit einer perfekten 10,9 das Finale klarmachte: „Der letzte Schuss war eher glücklich, ich habe heute nicht so viele hohe Zehner geschossen“, sagte sie danach, ehe sie überraschend gestand: „Ich stand tatsächlich noch nie beim Heim-Weltcup im Einzelfinale. Ich freue mich sehr, es sind sehr viele Bekannte hier.“ Grub lag 59 Schüsse lang auf Finalkurs, eine Zehn im letzten Schuss hätte die Finalteilnahme dank der höheren Anzahl von Innenzehnern bedeutet. Doch der missriet völlig, der Bildschirm zeigte zum Entsetzen aller eine 7,8 an. Statt Finaleingang hieß es mit 587 Ringen Platz 26: „Es war natürlich ärgerlich, aber allgemein war stehend heute sehr unrund. Den ersten Anschlag beim letzten Schuss habe ich abgebrochen, aber beim zweiten war ich zu früh dran, und es gab noch einen Ruckler. Auch wenn es superärgerlich war, musste ich drüber lachen.“ Stark hatte stehend einige Probleme, schoss in der ersten Serie u.a. eine Acht und begann die Abschlussserie mit vier Neunern. Zwar schoss sie mit sechs Zehner aus, doch ihre 586 Ringe langten nur zu Platz 34. Larissa Wegner, die als RPO (Ranking Points Only) schoss, kam auf 584 Ringe (43. Platz).

Sportpistole: Vennekamp muss sich nur der neuen Weltrekordlerin beugen
Während das Gewehr-Finale nahezu rein europäisch besetzt war, so musste sich Doreen Vennekamp im Finale mit der Sportpistole mit sechs Asiatinnen auseinandersetzen. Unter ihnen war auch Jiin Yang/KOR, Olympiasiegerin, Weltmeisterin und aktuelle Weltranglisten-1. Doch das Finale wurde von einer anderen Schützin dominiert: Die erst 21-jährige Esha Singh lag von der ersten Serie an in Führung, blieb in fünf der zehn Fünferserien fehlerfrei und überbot am Ende den Weltrekord um einen Treffer auf nunmehr 43, was auch an Vennekamp lag: „Ich habe mit ihr die Woche in Suhl trainiert und habe ihr gesagt, dass ich sie wohl zu gut trainiert habe.“ Die einzige Schützin, die einigermaßen mit der Inderin mithalten konnte, war die Europameisterin: Die ersten drei Serien machte sie jeweils vier Hits, in der fünften Serie traf sie erstmals „voll“ und verkürzte den Rückstand auf drei Treffer. Obwohl sie auch in der Folge gut schoss, kam sie nicht mehr näher heran. „Ich strebe einen Viererschnitt an, wenn ich gut drauf bin. Das habe ich jetzt knapp nicht geschafft, weil zu viele Dreier dabei waren.“ Die Silbermedaille vor der Bulgarin Miroslava Mincheva war jedoch in keinster Weise gefährdet: „Es ist ein schöner Anschluss an den EM-Titel, um zu zeigen, dass es kein One-Hit-Wonder war, sondern, dass es wieder bergauf geht. Ich freue mich, dass die Maßnahmen fruchten.“ Um die Zukunft positiv zu gestalten, half Vennekamp und dem Trainerteam um Claudia Verdicchio-Krause auch ein Blick in die Vergangenheit: „Ich wollte in der Vergangenheit alles perfekt machen. Wir wollen das wieder öffnen. Es ist wichtig, im Training alles zu perfektionieren, aber im Wettkampf muss man es zusammenfügen können“, so Vennekamp.

Foto: DSB / Nach toller Aufholjagd mit Bronze belohnt: Anna Janßen im Kleinkaliber-Dreistellungskampf.
Foto: DSB / Nach toller Aufholjagd mit Bronze belohnt: Anna Janßen im Kleinkaliber-Dreistellungskampf.

In der Qualifikation hatte Vennekamp nach dem Präzisions-Teil mit hervorragenden 297 Ringen das Feld angeführt. Im Duell-Teil wollte sie den Finaleinzug finalisieren, das gelang souverän, auch wenn sie mit den 294 Ringen nicht ganz einverstanden war: „Ich bin mit Duell nicht wirklich zufrieden, aber das ist Jammern auf hohem Niveau, wenn man über 590 schießt. Das Gesamtergebnis von 591 Ringen war jedoch absolute Weltklasse und bedeutete hinter Olympiasiegerin Jiin Yang/KOR Platz zwei. Josefin Eder, die nach ihrer Baby-Pause in diesem Jahr wieder dabei ist, schoss sich mit sehr guten 295 Ringen auf Platz 29 (578) und zeigte sich zufrieden mit ihrer Entwicklung: „Es war ein schöner Wettkampf, die Schüsse waren sehr gleichmäßig und selbstbewusst. Ich wollte mich auf meine Technik fokussieren und muss weiter an der Handlungssicherheit arbeiten. Gestern hat es sich besser angefühlt als am Ende herauskam, ich habe viel um die Zehn herumgeschossen, beim nächsten Mal fliegen sie wieder rein.“ Während Michelle Skeries (48. Platz, 573) im Duell-Teil zu viele Ringe liegenließ (285), war es bei Monika Karsch exakt umgekehrt. So musste sie sich nach 294 Ringen im Duell-Teil mit Rang 49 (573) begnügen und war damit exakt zehn Ringe besser als Svenja Berge (77. Platz, beide RPO).

Das deutsche Team in München
Gewehr: David Koenders (Neubiberg), Max Ohlenburger (Idstein), Maximilian Ulbrich (Wilzhofen), Maximilian Dallinger (Freising), Daniel Bühlmeyer, Hanna Bühlmeyer (beide Weiltingen), Lisa Grub (Weingarten), Anna Janßen (Kevelaer), Nele Stark (Güglingen), Hannah Steffen-Dix (Ohlweiler), Larissa Wegner (Mannheim), Lea Ruppel (Herbstein)
Pistole: Josefin Eder (Müllrose), Monika Karsch (Regensburg), Doreen Vennekamp (Ronneburg), Michelle Skeries (Potsdam), Svenja Berge (Bad Camberg), Susanne Neisinger (Wien), Sarah Tauermann (Grasleben), Andreas Köppl (Lampenricht), Oliver Geis (Bad Camberg), Emanuel Müller (Pfullingen), Florian Peter (Obertshausen), Fabian Otto (Heringen), Christian Reitz (Regensburg), Robin Walter (Reichenbach), Paul Fröhlich (Hitzhofen), Michael Schwald (Lörrach)
Betreuer: Wolfram Waibel, Claudia Verdicchio-Krause, Detlef Glenz, Marco Hilger, Sven Martini, Sandro Schrüfer, Steffen Jabin, Thomas Zerbach, Sandra Reitz, Marco Spangenberg, Hans-Jörg Meyer, Victoria Nolte, Benedikt Schuster, Marco Kleer

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