Europameisterschaften

KK-EM Osijek: „Es ist der bisher größte Erfolg in meiner Karriere!“

09.05.2026 16:51

Nele Stark (Güglingen) sorgte am ersten Tag der Kleinkaliber-Europameisterschaft in Osijek/CRO (7. bis 17. Mai) für das absolute Highlight aus deutscher Sicht. Der EM-Titel mit neuem Weltrekord im Kleinkaliber-Dreistellungskampf war ihr bisher größter Erfolg in der Karriere, wie die 22-Jährige im Interview sagt.

Foto: ESC / Nele Stark, hier bei der Ehrung zu Team-Gold mit Anna Janßen und Lisa Grub, feierte in Osijek ihren bisher größten Erfolg in der Karriere.
Foto: ESC / Nele Stark, hier bei der Ehrung zu Team-Gold mit Anna Janßen und Lisa Grub, feierte in Osijek ihren bisher größten Erfolg in der Karriere.

Nach dem letzten Schuss war die Freude noch sehr reserviert, verhalten. Ist das typisch für dich oder musstest du dich erst einmal sammeln?
Stark: „Es ist eigentlich typisch für mich! Ich habe mich jetzt in der Vergangenheit, wenn wir oder ich irgendetwas gewonnen habe oder eine Platzierung gemacht habe, noch nie so nach außen extrem gefreut. Bei mir findet es eher mehr im Inneren statt, dass ich mich sehr, sehr, sehr darüber freue. Ich zeige das meistens nicht nach außen, das bin einfach nicht ich. Und ich muss auch ehrlich sagen, ich habe nicht gewusst, wie viel Vorsprung ich jetzt hatte vor dem letzten Schuss und wusste daher auch nicht, was ich hätte schießen müssen, damit ich eben nicht mehr eingeholt werden kann. Deswegen wollte ich auch sie ihren letzten Schuss noch zu Ende bringen lassen und habe dann gesehen, dass es gereicht hat, was mich total gefreut hat.“

Wie sieht es jetzt mit einem Tag Abstand, zwei Medaillen um den Hals und nach der Dopingkontrolle aus?
Stark: „Ich glaube, ich habe es immer noch nicht ganz realisiert, was gestern so passiert ist. Das wird, wenn ich zu Hause wieder in völliger Ruhe bin, wahrscheinlich alles nochmals hochkommen, und dann werde ich es erst so richtig realisieren können. Hier geht es ja für Tag für Tag noch weiter, auch mit den anderen Wettkämpfen.“

Zum Finale: Du bist gut reingekommen, hattest aber nach dem Liegendanschlag als Dritte über drei Ringe Rückstand auf Duestad. Was für Gedanken hattest du da?
Stark: „Ich habe im Finale eigentlich nicht so oft auf die Ergebnisse geguckt. Ich mache das grundsätzlich nicht so gerne, weil ich einfach weiß, dass mir persönlich das keinen Vorteil bringt, wenn ich da draufschaue. Man bekommt zwar immer ein bisschen was über die Durchsagen mit, aber ich gucke da nie zusätzlich noch auf die Ergebnistafel. Ich mache einfach mein Ding. Was ich natürlich trotzdem mitbekommen habe, ist, dass Duestad einen sehr guten Schnitt hatte nach kniend und liegend. Das war ja, glaube ich, ein 10,5er-Schnitt. Da habe ich mir schon gedacht, oha, krass, die ist echt wirklich, wirklich gut. Aber ansonsten ging mir da eigentlich nichts weiter durch den Kopf.“

Foto: ESC / Ein kleines Lächeln - so reserviert, aber natürlich freute sich Nele Stark nach dem EM-Titel.
Foto: ESC / Ein kleines Lächeln - so reserviert, aber natürlich freute sich Nele Stark nach dem EM-Titel.

Nach den zwei Fünfer-Serien stehend warst du plötzlich vorne. Wie sah es da in dir aus?
Stark: „Ich habe gesehen, dass ich irgendwann dann auf Platz eins war. Ich habe aber versucht, dass das nicht so viel in mir auslöst oder dass es den Druck oder die Nervosität nicht noch weiter erhöht.“

Mit jedem weiteren Schuss hast du den Vorsprung ausgebaut. Gab es irgendwann das gefährliche Kopf-Kino?
Stark: „Das hatte ich gar nicht. Ich habe versucht, das einfach zu genießen und mich selbst mit meinem guten stehend weiter zu pushen, von Schuss zu Schuss. Einfach daran festzuhalten, ich hatte gar keinen Platz oder Kraft oder Zeit (0:43) für irgendwelche negativen Gedanken in meinem Kopf. Ich habe mir einfach nur gedacht, zieh weiter durch, du schaffst es. Und genau so hat es dann eigentlich auch ganz gut funktioniert.“

Dein Einzug in das Finale stand auf des Messers Schneide. Der letzte Schuss hat dich in das Finale gebracht. Was war da los?
Stark: „Ja, stimmt! Ich hatte, muss ich ehrlich sagen, schon nach meinem Kniend-Anschlag einen leicht höheren Puls, danach auch liegend. Aber liegend kann man das natürlich gut händeln, zumal ich schon sehr zufrieden mit meinem Kniendschießen war. Ich hatte da in den vergangenen Wochen ab und zu mal kleinere Probleme. Deswegen hat sich da in der Qualifikation schon der Druck für mich erhöht, weil ich wusste, okay, mein kniend ist jetzt schon sehr gut gewesen. Wenn jetzt die anderen zwei Sachen gut funktionieren, dann könnte es was werden. Dann war mein Liegend auch sehr gut, und dann habe ich leider meistens im Stehen das Problem, denn stehend wird es nicht leichter, wenn man kniend und liegend schon gut geschossen hat. Ich habe tatsächlich in den letzten Wochen gemerkt, ich kann besser stehend schießen, wenn ich weiß, ich muss gut stehend schießen. Und so war das Problem in der Qualifikation, dass ich supernervös war. Die erste Serie ging gerade noch so, ich habe aber gegen Ende heraus auch gemerkt, es wird immer mehr, es wird immer mehr. Und dann in der zweiten Serie war das echt vorbei. Das war vergleichbar mit der Nervosität, die ich zu Beginn des Finals hatte. Mein Puls war einfach sehr hoch, ich konnte es nicht mehr so stabil halten und nicht so gut kontrollieren. Und dann sind mir die Schüsse eben weggesprungen und ich habe eher mehr außen herum geschossen. Aber zum Glück saß der allerletzte Schuss, für den habe ich mir auch noch mal Zeit genommen. Der war dann auch in der Mitte.“

Für Außenstehende kommt der Erfolg vielleicht überraschend, für Insider evt. nicht. Vor zwei Wochen hast du Silber beim Weltcup in Granada gewonnen. Mit welcher Erwartung bist du in den Wettkampf gegangen?
Stark: „Meine Erwartungen an den Wettkampf waren grundsätzlich, technisch sauber zu schießen. Ergebnistechnisch hatte ich mir schon so etwas um die 590 Ringe vorgestellt - und man weiß mittlerweile, wenn man um die 590 schießt, qualifiziert man sich eigentlich für das Finale. Mich hat es natürlich sehr gefreut, weil ich letztes Jahr bei der EM als Neunte nicht ins Finale gekommen bin, da hatte ich 589 Ringe. Deswegen war ich sehr froh, dass ich es dieses Mal schaffen konnte.“

Wie ordnest du diesen Erfolg für dich ein?
Stark: „Es ist der bisher größte Erfolg, den ich in meiner ganzen sportlichen Karriere hatte. Ich habe auch als Juniorin noch nie in einem 3x20-Finale im Einzel eine Medaille bekommen.“

Was bedeutet dir Team-Gold mit Lisa und Anna? Ihr habt den Titel aus dem Vorjahr verteidigt!
Stark: „Team-Gold mit Lisa und Anna bedeutet mir auch sehr viel. Ich habe mich sehr gefreut, weil wir alle drei wirklich ein echt gutes Ergebnis geschossen haben und auch als Mannschaft sehr gut funktionieren. Es freut mich persönlich extrem, mit Lisa und Anna in einer Mannschaft schießen zu dürfen, weil es einfach zwei sehr, sehr erfahrene Sportlerinnen sind, die schon so viel unterwegs waren, und es ist für mich persönlich eine große Ehre, mit den beiden schießen zu dürfen. Es hat super viel Spaß gemacht, dann auch mit den Beiden auf dem Podest zu stehen auch vor dem Hintergrund, dass wir letztes Jahr auch schon Team-Gold geholt haben. Das jetzt dieses Jahr zu wiederzuholen, ist natürlich eine sehr schöne Bestätigung.“

Und ganz wichtig: Wie wird der Erfolg in Osijek und dann zu Hause gefeiert?
Stark: „Ich muss mal schauen, ich muss nämlich, wenn ich zurückkomme, eigentlich direkt wieder arbeiten gehen. Deswegen mal schauen, wie ich das mit meiner Family, also Mama, Papa und meinem Bruder zu Hause feiere. Wahrscheinlich ganz entspannt. Und hier in Osijek gibt es gar nicht so viel Zeit zum Feiern, weil es direkt weitergeht. Heute war das Duett, morgen kommt liegend und Trio. Aber wir hatten trotzdem einen schönen Abend, haben gut gegessen, und es gab noch eine kleine Besprechung mit allen.“

Das deutsche Team in Osijek
Gewehr: David Koenders (Neubiberg), Max Ohlenburger (Idstein), Maximilian Ulbrich (Wilzhofen), Lisa Grub (Weingarten), Anna Janßen (Kevelaer), Nele Stark (Güglingen), Benedikt Ascher (Waldkirchen), Florian Beer (Mähring), Moritz Faltinat (Wunstorf), Alexander Karl (Eschede), Anabell Dörsam (Heppenheim), Katrin Grabowski (Niedernhausen-Engenhahn), Xenia Mund (München), Finnja Rentmeister (Voerde)
Pistole: Josefin Eder (Müllrose), Monika Karsch (Regensburg), Doreen Vennekamp (Ronneburg), Oliver Geis (Bad Camberg), Emanuel Müller (Pfullingen), Florian Peter (Obertshausen), Fiete Kühn (Stralsund), Phillip Liebrecht (Isernhagen), Arne Schallus (Suhl), Lydia Böhmer (Mönchengladbach), Aileen Pitschke (Erfurt), Franziska Thürmer (Witzenhausen), Lucy Wernecke (Dresden)
Betreuer: Wolfram Waibel, Claudia Verdicchio-Krause, Detlef Glenz, Claudia Kulla, Jördis Grabe, Marco Hilger, Karsten Hees, Thomas Zerbach, Lars Walker, Helmut Hoffmann, Katja Kutzeck, Lucas Jourdan, Thomas Abel, Marco Kleer, Hanne Aslanidis, Philipp Hasse, Burak Yilmaz

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