Bundesliga
Bundesligafinale Wiesbaden: Tacherting schießt sich zum Rekordmeister
Die FSG Tacherting ist alleiniger Rekordmeister in der Bundesliga Bogen: Vor 921 begeisterten Zuschauern in der Sporthalle am Platz der Deutschen Einheit in Wiesbaden siegte der Titelverteidiger im Goldfinale gegen den SV Dauelsen mit 6:0 (60-59, 58-55, 60-57) und landete damit den insgesamt sechsten Titelgewinn. Bronze ging an die SGi Welzheim, die sich ebenfalls in drei Sätzen 6:0 (59-58, 59-58, 59-56) gegen den BC Villingen-Schwenningen durchsetzte.

Goldmatch: Tacherting unwiderstehlich im Finale
Südmeister gegen den Nord-Vierten – so lautete das durchaus nicht zu erwartende Duell im Goldfinale. Während der Einzug von Titelverteidiger FSG Tacherting nicht überraschend kam, war die Final-Qualifikation des SV Dauelsen eine kleine Sensation. Schließlich schlossen die Verdener die Qualifikation im Norden lediglich als Vierte ab und starteten in das Bundesligafinale mit einer klaren 0:6-Niederlage – gegen Tacherting. Doch in der Folge steigerte sich das Team um Olympia-Held Florian Unruh immens, im Halbfinale gegen Welzheim lag die schwächste Passe bei 57 Ringen. Tacherting begann das Finale und legte mit 30 Ringen perfekt vor, doch die Niedersachsen ließen sich davon nicht beirren und setzten ebenfalls drei Zehner auf die Scheibe. Bemerkenswert: Andreas Gerhardt stand im Goldfinale erstmals im Team für Sebastian Rohrberg, der aufgrund von Schulterproblemen passen musste, und traf gleich ins Zentrum. Als der Pfeil von Katharina Bauer hochgewertet wurde, hieß es 2:0 (60-59) nach der ersten Passe für den Titelverteidiger. Es blieb ausgeglichen, bis Holger Rohrbeck und Gerhardt ihre Pfeile in der zweiten Passe jeweils in die Acht setzten. Damit war der Weg für die Tachertinger zum 4:0 frei, und das ließ sich der Favorit natürlich nicht nehmen. 29 Ringe später hieß es 58:54, und damit hatte Tacherting die Tür zum erneuten Gewinn des Meisterspiegels weit aufgestoßen. Das wirkte nach beim Team von Trainer Andreas Hehenberger: Die nächsten drei Pfeile gingen allesamt in die Neun, während die Tachertinger perfekt lieferten und mit drei Ringen Vorsprung in die womöglich drei letzten Pfeile des Bundesligafinals gingen. Zwar schoss Dauelsen nochmals 30 Ringe, das reichte aber nicht: Eine Zehn von Moritz Wieser, eine Zehn von Katharina Bauer sowie die finale Zehn von Felix Wieser sorgten für Jubel auf den Rängen und Umarmungen auf der Wettkampffläche. "Die Hauptstadt des Bogenschießens in Deutschland", kommentierte Béla Réthy im Livestream zurecht, denn Tacherting verteidigte souverän mit einem 6:0 sowie nur einem Satzverlust im Bundesligafinale verdient den Titel und ist mit nunmehr sechs Titeln der neue Rekordmeister - zuvor lagen Tacherting, BSC BB Berlin und die SGi Welzheim mit fünf Titelgewinnen gleichauf. „Wir haben nicht erwartet, dass wir den Titel gewinnen. Aber wir wussten, dass wir gut drauf sind und haben versucht, unser Ding zu machen. Das hat gut funktioniert“, meinte Moritz Wieser. Und Kathrin Bauer ergänzte: „Es bedeutet mir sehr viel, dass wir Rekordmeister sind. Wenn man an so einem historischen Moment beteiligt ist, dann ist es für den Verein, aber auch für mich schön, wenn man in der Zukunft zurückblickt und sagt: Das war der Tag, an dem wir Rekordmeister geworden sind.“ Das Erfolgsrezept des Favoriten? „Wir haben unser Ding gemacht, wollten Spaß haben, locker bleiben und Pfeil für Pfeil schießen. Wir hatten teilweise auch Glück, es war nicht alles ganz einfach für uns, aber am Ende hat es gereicht, und das zählt“, so Bauer. Florian Unruh war trotz der Finalniederlage hochzufrieden über den Gewinn der Silbermedaille: „Wir sind sehr zufrieden. Hätte man das uns heute Morgen gesagt, hätten wir das nicht geglaubt. Wir haben individuell sehr gut geschossen, zum Teil besser als erwartet. Basti (Rohrberg, Anm. d. Red.) atte ein paar Probleme mit seiner Schulter. Es war cool, dass er es im Halbfinale noch auf die Reihe bekommen hat, aber im Finale musste er deswegen aussetzen.“
FSG Tacherting – SV Dauelsen: 6:0 (60-59, 58-55, 60-57)
Bronzematch: Welzheim sichert sich elfte Bundesliga-Medaille
Zweifellos hatte vor allem die SGi Welzheim die Ambition gehabt, im Goldfinale um den Meisterspiegel zu schießen. Dementsprechend durfte man gespannt sein, wie hoch die Motivation war, nach der Enttäuschung im Halbfinale sich zumindest die Bronzemedaille zu sichern. Die Villingen-Schwenninger wollten unmittelbar nach ihrem Halbfinale an die zuletzt dort gezeigten Leistungen anknüpfen. Und so entwickelte sich von Beginn an ein hochklassiges Duell. Welzheim legte mit 59-58 vor und ließ in der zweiten Passe das identische Ergebnis folgen. Schließlich war es Elia Canales, der überragenden Schützin der Welzheimer, vorbehalten, den Sieg und somit die Bronzemedaille zu sichern. Für die Welzheimer war es nach fünfmal Gold, dreimal Silber nun die dritte Bronzemedaille in der Bundesliga-Historie. „Ich freue mich und bin stolz auf das Team, auch wenn das Halbfinale natürlich knapp war“, lobte Sandra Sachse ihr Team. Canales, die im gesamten Bundesligafinale nur zwei Neuner und ansonsten nur Zehner schoss, genoss ihren ersten Auftritt beim Bundesligafinale in Wiesbaden: „Es war großartig! Die Zuschauer waren toll, sie haben dem Ganzen einen tollen Rahmen gegeben.“ Ihr Gegenüber Fiona Marquardt war etwas zwiegespalten: „Es hat Spaß gemacht, auch wenn es nicht so geendet ist, wie ich es mir gewünscht habe. Aber die Stimmung war super.“

SGi Welzheim – BC Villingen-Schwenningen: 6:0 (59-58, 59-58, 59-56)
Halbfinals: Tacherting & Dauelsen siegen
Zwei der vier Halbfinalisten standen bereits im Vorjahr in der Vorschlussrunde: Die FSG Tacherting und der SV Dauelsen. Dazu gesellten sich dieses Mal die SGi Welzheim und der BC Villingen-Schwenningen.
Zunächst trafen der Nord-Vierte Dauelsen und Süd-Vize Welzheim aufeinander. Das erfahrenste Team der Bundesliga mit den in dunkelgrün gekleideten Männern aus Niedersachsen präsentierte sich auf den Punkt: Holger Rohrbeck, Sebastian Rohrberg und Florian Unruh gewannen die ersten zwei Passen mit 58 bzw. 59 Ringen und jeweils einem Ring Vorsprung und setzten die favorisierten Welzheimer somit mächtig unter Druck. Und diesem hielt das Trio Jonathan Vetter, Armin Hense und Elia Canales grandios stand und verkürzte mit der perfekten 60-er Passe auf 2:4 in den Sätzen. Und Welzheim blieb dran, in der vierten Passe gelangen abermals sehr gute 58 Ringe, die zum Ausgleich führten, weil Dauelsen „nur“ 57 auf die Scheibe brachte. Somit musste die fünfte Passe die Entscheidung bringen. Welzheim war nun im „Flow“ und legte 29 Ringe vor, Dauelsen konterte mit 30. Welzheim legte 30 Ringe nach, doch das Team von Trainer Andreas Hehenberger machte es dem Kontrahenten gleich und beendete das Match perfekt mit 60 Ringen. Hehenberger traten sofort Tränen der Freude und Rührung in die Augen, Dauelsen steht im Goldfinale und greift nach dem Meisterspiegel.
Eine klarere Favoritenrolle als die der FSG Tacherting im zweiten Halbfinale konnte es nicht geben: Der Titelverteidiger hatte in der Qualifikationsphase alle vier Duelle gegen Villingen-Schwenningen 6:0 gewonnen und war auch in der Vorrunde des Bundesligafinals makellos geblieben. Doch der Außenseiter hatte sich in den drei Matches zuvor ebenfalls äußerst stark präsentiert und machte sich durchaus Hoffnung. Doch Tacherting sorgte vom ersten Halbfinal-Pfeil an für klare Verhältnisse: Katharina Bauer, Moritz und Felix Wieser starteten gleich mit einer 59-er Passe und legten erneut 59 Ringe nach. Der jungen Mannschaft von Villingen-Schwenningen, Fiona Marquardt war mit 17 Jahren die jüngste Final-Teilnehmerin in Wiesbaden, merkte man die Nervosität an, denn des Öfteren landeten die Pfeile in der Neun oder gar in der Acht. Als das Team mit dem Rücken zur Wand stand, zeigte es seine Schießkunst, knüpfte Tacherting mit 59-58 den ersten Satz beim Bundesligafinale ab und verkürzte auf 2:4. Doch davon ließ sich der Favorit nicht schocken, Schluss-Schütze Felix Wieser war es vorbehalten, mit einer Zehn das 58-57 und den Sieg unter Dach und Fach zu bringen.
Halbfinals
SGI Welzheim – SV Dauelsen: 2:6 (57-58, 58-59, 60-57, 59-60)
FSG Tacherting – BC Villingen-Schwenningen: 6:2 (59-56, 59-53, 58-59, 58-57)
Gruppe A: Welzheim souverän, Villingen-Schwenningen nervenstark
Die Gruppe A begann mit einem Paukenschlag! Der BC Villingen-Schwenningen, als Süd-Vierter geradeso in das Finale gerutscht, bezwang Nordmeister Sherwood BSC Herne deutlich mit 6:0. Und auch der zweite Gruppenfavorit wankte, fiel aber im Gegensatz zum Nordmeister nicht: Die SGi Welzheim um die sehr starke Mixed-Weltmeisterin Elia Canales bog einen 1:3- und 2:4-Rückstand gegen den SV GutsMuths Jena in einen 6:4-Sieg um. Jena musste sich in diesem sehr engen Match nicht grämen – keines der Teams schoss weniger als 57 Ringe. Da Sherwood auch das zweite Match gegen Jena sang- und klanglos gegen Jena abgab und vorzeitig ausschied, kam es im letzten Gruppenmatch zwischen den Thüringern und Villingen-Schwenningen zum „Showdown“ um den zweiten Halbfinalplatz. In diesem setzte sich das Trio Florian Faber, Sarah Reincke und Fiona Marquardt nervenstark mit zwei Unentschieden in den zwei letzten Passen 6:2 durch.
SGi Welzheim - SV GutsMuths Jena 6:4 (57-58, 57-57, 58-58, 58-57, 58-57)
Sherwood BSC Herne - BC Villingen-Schwenningen 0:6 (55-58, 54-56, 54-58)
BC Villingen-Schwenningen - SGi Welzheim 2:6 (59-58, 54-58, 57-58, 58-59)
SV GutsMuths Jena - Sherwood BSC Herne 6:0 (56-54, 56-54, 57-54)
BC Villingen-Schwenningen - SV GutsMuths Jena 6:2 (58-57, 57-56, 56-56, 57-57)
SGi Welzheim - Sherwood BSC Herne 6:0 (58-54, 59-49, 58-39)
Gruppe B: Tacherting ohne Makel, Dauelsen rettet „Nord-Ehre“
Titelverteidiger und Top-Favorit FSG Tacherting startete erwartungsgemäß in die Gruppenphase: Beim 6:0 blieben Katharina Bauer und die Wieser-Brüder Felix und Moritz verlustpunktfrei. Auch weil Dauelsen zunächst nicht zurecht kam: Sebastian Rohrberg schoss ein „M“ (Pfeil ohne Wertung), Top-Schütze Florian Unruh nur eine Sieben (Unruh: „So was passiert, ich hatte mein letztes „M“ auf der Landesmeisterschaft!“), die er kopfschüttelnd quittierte. Parallel dazu sorgten die Bayreuther für den zweiten Sieg eines Süd-Teams. In den Passen knapp, am Ende aber 7:1 deutlich wurden die Berliner bezwungen. Da sich Tacherting auch gegen die anderen Teams in der Gruppe souverän behauptete und keinen einzigen Satzpunkt abgab - im Match gegen Berlin gelang dem Top-Trio auch endlich die perfekte 60er Passe - ging es im Duell Dauelsen vs. Bayreuth um den zweiten Halbfinalplatz. Und das routinierte Team aus Verden hatte die anfängliche Schwäche abgelegt, sorgte in der ersten Passe für die erste „60“ bei diesem Bundesligafinale und bog damit auf die Siegerstraße ein.
BSC BB Berlin - TS 1861 Bayreuth 1:7 (56-57, 54-56, 55-55, 57-58)
FSG Tacherting - SV Dauelsen 6:0 (56-45, 59-57, 58-54)
SV Dauelsen - BSC BB Berlin 7:3 (58-54, 58-54, 56-57, 58-58, 59-53)
TS 1861 Bayreuth - FSG Tacherting 0:6 (55-57, 56-59, 57-59)
SV Dauelsen - TS 1861 Bayreuth 6:2 (60-54, 56-55, 57-58, 58-55)
BSC BB Berlin - FSG Tacherting 0:6 (56-58, 53-60, 56-59)
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